Biehler produziert Atemschutzmasken Biehler produziert Atemschutzmasken

Corona-Krise: Fahrrad-Industrie fertigt Schutzmasken, Desinfektionsspray

Wie die Rad-Industrie gegen Corona kämpft

Konstantin Rohé am 25.03.2020

Der Virus Covid-19 breitet sich nach wie vor auf der ganzen Welt aus. Was vor allem medizinischen Personal hilft, sind Atemschutzmasken: Wie bekannte Marken der Fahrrad-Welt mithelfen, die Krankheit zu bekämpfen.

Die Corona-Krise diktiert seit Wochen die Nachrichten-Lage auf der ganzen Welt. Immer wieder gibt es Meldungen von Versorgungsengpässen im medizinischen Bereich. Das Gute: Viele Unternehmen haben ihre Produktion umgestellt und produzieren nun Waren, die in Krankenhäusern, Arztpraxen und auch im öffentlichen Leben zur Neige zu gehen drohen. Auch die Fahrrad-Wirtschaft hilft tatkräftig mit.

Biehler: Atemschutzmasken statt Trikots

Der deutsche Sportartikelhersteller Biehler fertigt neben Rennrad-Bekleidung nun auch Atemschutzmasken. "Um mit unserem Know-How bestmöglich helfen zu können, haben wir entschieden, Teile der Produktion auf die Fertigung von Mund-Nasen-Schutzmasken umzustellen", sagt Philipp Zwingenberger, Brand Manager bei Biehler.  Ziel der Mund-Nasen-Schutzmasken ist es den direkten Kontakt auch mit den möglicherweise eigenen infizierten Händen zu unterbrechen. Die Masken sind aus kochfester Baumwolle, seien waschbar und wiederverwendbar, heißt es von Biehler. Auch an zertifizierten Varianten für den Einmalgebrauch würde gearbeitet. 

Biehler produziert Atemschutzmasken

Sonst eher für schicke Trikots made in Germany bekannt, hat Biehler angesichts der Corona-Krise mit der Fertigung von Schutzmasken begonnen.

Santini: Not lindern im Zentrum der Krise

Auch der italienische Bekleidungshersteller Santini, der unter anderem die Wertungstrikots des Giro d'Italia gestaltete, hat große Teile der Produktion umorganisiert. Santini hat seinen Hauptsitz in Lallio, nur wenige Kilometer von der schwer betroffenen Stadt Bergamo entfernt.

Santini kämpft gegen Corona

Die Marketing-Verantwortliche Paola Santini mit einem Prototypen der Maske.

Die Masken entstehen in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls in Bergamo beheimateten Textilhersteller Sitip. Ausgangsbasis ist ein ansonsten für Triathlonanzüge verwendeter Stoff. "Die Masken sind so besonders widerstandsfähig, können bei 90 Grad gewaschen, im Trockner getrocknet und bis zu zehnmal wiederverwendet werden", erklärte Paola Santini in einer Pressemitteilung des Unternehmens. 10.000 Masken täglich will Santini produzieren. 

Ineos baut Fabriken zur Herstellung von Desinfektionsmitteln

Neben Atemschutzmasken werden auch Desinfektionsmittel seit Tagen überall gebraucht - und die Produktionsstätten können die gestiegende Nachfrage nicht mehr bedienen. Ineos-Chef Sir Jim Ratcliffe, Medienberichten zufolge der reichste Industrielle Großbritanniens und Hauptsponsor des britischen World-Tour-Teams, will im Schnellverfahren zwei Fabriken errichten lassen, die Desinfektionsmittel herstellen. Eine erste Fabrik wird seit Wochenbeginn in der Nähe der englischen Stadt Middlesborough errichtet und soll nach zehn Tagen Bauzeit die Produktion starten.

Ineos kämpft gegen Corona

Eine zweite Fabrik wolle Ineos in Deutschland errichten. Wo genau dies sein soll, wurde in der Mitteilung vom 24. März nicht bekannt gegeben. Ratcliff ließ verlauten, dass Krankenhäuser, Schulen, Apotheken, Supermärkte und Arbeitsstätten die Desinfektions-Sets kostenfrei geliefert bekämen. Ineos ist ein Chemie-Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz in zweistelliger Milliardenhöhe und stellt einen der Grundstoffe für Desinfektionsmittel her.

Auch andere Unternehmen fertigen Schutzkleidung

Auch große Bekleidungsmarken wie die deutsche Traditionsfirma Trigema, die Modekette H&M oder das Fashion-Label Prada haben ihre Produktion angesichts der Corona-Krise umgestellt. "Es ist verrückt, was im Moment läuft", sagt Trigema-Chef Wolfgang Grupp im Gespräch mit dem SPIEGEL. "Wir haben bisher Bestellungen für 300.000 Masken angenommen und terminlich zugesagt. Wir hoffen, dass wir nächste Woche auf eine Wochenproduktion von 100.000 Masken kommen." Die Masken werden aus einem Baumwoll-Polyester-Gemisch hergestellt. Einzig den Draht für die Nasenbügel sowie  Bänder oder Gummis für die Befestigung würden zugekauft.

Kampf gegen Corona: Trigema

Was Experten in vielen Fällen kritisch sehen, ist die angesichts der schnellen Produktion und ausbleibender Tests fehlende Zertifizierung. Alle genannten Firmen arbeiten an einer nachhaltigen Zertifizierung ihrer Produkte. Grupp betont aber, es gehe aktuell vor allem um den Schutz der Person gegenüber dem Maskenträger - also für den Fall, dass sich beispielsweise medizinisches Personal angesteckt habe, ohne es zu wissen.

Das italienische Modeunternehmen Prada will die Krankenhäuser Italiens unterstützen. Laut Nachrichtenagentur Ansa fertigen Pradas Produktionsstätten bis zum 6. April 80.000 Schutzanzüge und 110.000 Atemschutzmasken im Auftrag der Region Toskana.

Der Luxuskonzern LVMH produziert anstelle von Parfüm für Dior und andere Marken nun Desinfektionsmittel, die kostenfrei an französische Gesundheitseinrichtungen geliefert werden sollen. Auto-Riese FCA (Fiat Chrysler Automobiles) will laut Deutscher Presse Agentur in einem asiatischen Werk eine Million Gesichtsmasken pro Monat produzieren.

Konstantin Rohé am 25.03.2020
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