EinzeltestPinarello Kobh 60.1

Unbekannt

 · 19.08.2011

Einzeltest: Pinarello Kobh 60.1Foto: Daniel Kraus

Ein Rad aus dem Süden für die Klassiker des Nordens: Das Kobh von Pinarello will vor allem auf schlechten Straßen glänzen. Ob das gelingt, verrät unser Test.

„Kobh“ steht für das englische Wort „cobblestone“, zu deutsch „Pflasterstein“. Eine Anspielung darauf, für welches Terrain dieses Rad entwickelt wurde. Seine Feuertaufe erlebte es 2010 beim Klassiker Paris-Roubaix. Juan Antonio Flecha vom Team Sky wurde damals auf einem Kobh Dritter – kein übler Einstand für ein neues Modell.

Verglichen mit den bekannteren Pinarello-Modellen Prince und Dogma wirkt die Formensprache des Kobh zurückhaltend. Statt der wellenförmigen Sitzstreben, die seit Jahren das Erkennungszeichen der italienischen Nobelmarke sind, besitzt der Rahmen leicht durchgebogene, relativ schlanke Sitzstreben. Auch die Lackierung im Design des Team Sky ist für Pinarello-Maßstäbe eher schlicht gehalten. Ganz ohne Extratour geht es aber auch beim Kobh nicht: An der Gabel findet sich der typische Wellenschwung, der Hinterbau ist wie beim Dogma asymmetrisch. Und: Die linke Kettenstrebe ist deutlich massiver als die rechte – angeblich soll das die Kraftübertragung verbessern.

Verlagssonderveröffentlichung
  Gekonntes Zusammenspiel von Formgebung und LackierungFoto: Daniel Kraus
Gekonntes Zusammenspiel von Formgebung und Lackierung

Wie Prince und Dogma glänzt das Kobh durch exorbitante Steifigkeit in Lenkkopf und Tretlager. Um Fahrstabilität und Kraftübertragung muss man sich also nicht sorgen. Doch wie verhält sich das Rad auf schlechten Straßen? Trotz der dicken Sattelstütze zeigt es sich am Heck überraschend nachgiebig. Der gute Federwert am Sattel von 255 N/mm ist das eine; deutlich spürbar ist zudem der Einfluss der 25 Millimeter breiten, ausgezeichnet dämpfenden Reifen von Continental. Der voluminöse Pneu dürfte auch der Hauptgrund dafür sein, dass die extreme Härte der Gabel nicht mit voller Wucht beim Fahrer ankommt.

Trotz harter Front wirkt die Fahrwerksabstimmung gut ausbalanciert, woran, wie gesagt, die Reifen wesentlichen Anteil haben. Das Lenkverhalten ist – typisch italienisch – wendig, die Sitzposition spricht Fahrer mit Rennambitionen an.

Wie aus einem Guss

Für die Ausstattung gilt „wenn schon, denn schon“ – Bescheidenheit wäre bei einem Preis von mehr als 9.000 Euro auch kaum angemessen. Highlight ist die elektronische Di2-Schaltung von Shimano, die bei Bedienkomfort und Schaltpräzision Maßstäbe setzt. Die Leitungen verlaufen im Rahmen, für mechanische Schaltungen gibt es eine eigene Version des Rahmens. Ein Hingucker ist die komplett aus Carbon gefertigte Lenker-Vorbau-Einheit der zu Pinarello gehörenden Komponentenmarke Most; das Cockpit wie auch die Carbonsattelstütze greifen das Design der Rahmenlackierung auf. Optisch ist das ein Coup, die Formgebung mit ergonomischem Oberlenker und kompaktem Bogen empfanden wir als gelungen. Mehr Nachgiebigkeit wäre allerdings auch hier durchaus wünschenswert, der Lenker ist vergleichsweise steif.

Fazit: Das Kobh funktioniert auf schlechten Straßen genauso wie auf jedem anderen Terrain. Verbesserungspotenzial bietet vor allem die Gabel, die komfortabler und gerne auch leichter sein dürfte. Der Preis garantiert hohe Exklusivität und ein Rad jenseits des Mainstreams.

  Der Akku der Di2-Schaltung sitzt auf dem Unterrohr. Das geht auch eleganter.Foto: Daniel Kraus
Der Akku der Di2-Schaltung sitzt auf dem Unterrohr. Das geht auch eleganter.

Preis Komplettrad 9.080 Euro
Gewicht 6,9 Kilo

Rahmengrößen** 45, 48, 51,5, 54, 55, 56, 57, 58 cm
Sitz-/Lenkwinkel 73,5°/73,5°
Sitz-/Ober-/Steuerrohr 540/555/151 mm plus 15 mm Steuersatzkappe
Radstand/Nachlauf 990/51 mm
Stack/Reach/STR*** 559/388 mm/1,44

AUSSTATTUNG
Gabel Onda Kobh
Lenklager Pinarello, oben 1-1/8, unten 1-1/4 Zoll
Bremsen/Schaltung/Tretlager Shimano Dura-Ace Di2 (50/34 Z./BSA)
Laufräder/Reifen Mavic R-SYS SL/Continental Grand Prix 4Season 25 mm
Lenker/Vorbau Most Talon
Sattel/-stütze Most Panther/Most (31,6 mm)

MESSWERTE & EINZELNOTEN
Gewicht Komplettrad 6,9 Kilo (ohne Pedale)
Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager* 1.158/487/81 g
Normiertes Gewicht Rahmen-Set**** 1.768 g – 3 , 0
Lenkkopfsteifigkeit 102 Nm/° – 1 , 0
Seitensteifigkeit Gabel 66 Nm/° – 1 , 0
Tretlagersteifigkeit 59 Nm/mm – 1 , 3
Komfort Rahmen 255 N/mm – 2 , 0
Komfort Gabel 142 N/mm – 5 , 0

* In die Note fließen weitere Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nicht abdrucken.
** Getestete Rahmengröße gefettet.
*** Stack/Reach: projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerkappe; STR (Stack to Reach): Werte zwischen 1,45 und 1,55 bedeuten eine sportliche Sitzposition, Werte darunter rennmäßig, darüber komfortabel.
**** Bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 cm und Gabelschaftlänge 225 mm.

Foto: Jeanette Kühn
Foto: Jeanette Kühn

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