RatgeberBeratung: Kurzarm-Trikots

Unbekannt

 · 26.06.2007

Beratung: Kurzarm-Trikots

Ist es das Rote, das Glatte, das Dünne, das vom Marathon? Fast jeder hat ein Lieblingstrikot. Oft ist es ein Erinnerungsstück, oder es passt einfach gut zum Rad. Doch wenn man gar nicht weiß, was gerade dieses Trikot zum Star macht, könnte es an der Summe vieler Kleinigkeiten liegen. Aus der Nähe betrachtet, ist das vermeintlich banale Kurzarmtrikot nämlich ein sehr ausgefuchstes Kleidungsstück. Achten Sie auf die Feinheiten – damit es beim nächsten Kauf gleich ein Lieblingstrikot wird. (TOUR 3/2007)

DAS MATERIAL

Fast immer vermerkt das Kragenetikett „100% Polyester“ oder „100% PES“ – was das Gleiche bedeutet. Polyesterfasern werden zu Garn versponnen und in verschiedene Gestricke verarbeitet. Deren Eigenschaften unterscheiden sich je nach Faserdicke, Faserstruktur (Coolmax-Fasern etwa haben Furchen in Längsrichtung) und Strickart. Welche Faserstärke oder -struktur ein Trikot hat, lässt sich per Augenschein nicht feststellen, eher schon die Art des Gestricks. Stoffe, die als „zweiflächig“ bezeichnet werden, unterscheiden sich auf Innen- und Außenseite: Die Struktur auf der Innenseite ist etwas grober als auf der Außenseite. Durch die Kapillarkräfte saugt sich der Schweiß so besonders schnell von den groben in die feinen Zwischenräume – weg von der Haut und hin zur Außenfläche, wo er im Fahrtwind kühlend verdunstet, statt klatschnass auf der Haut zu liegen.

DAS KÖRPERKLIMA
Für Textilforscher ist Radsport ein echter Problemsport. Der Grund dafür sind die stark schwankenden Bedingungen: Bergauf muss ein Trikot bis zu einen Liter Schweiß pro Stunde verdunsten, um den Körper zu kühlen. Immerhin entwickelt ein Profi, der mit einer Leistung von 400 Watt fährt, die Abwärme einer Herdplatte auf mittlerer Stufe. Seine Körper-Innentemperatur darf sich aber um nicht mehr als ein bis zwei Grad erhöhen, sonst leidet die Leistungsfähigkeit. Für die ideale Kühlung sollte der Schweiß auf möglichst großer Trikotfläche (Löschblatt-Effekt) und hautnah verdunsten. Dafür muss das Trikot eng sitzen. Bei Flattertrikots läuft der Schweiß am Körper entlang, ohne wirksam zu kühlen. Viele Profis öffnen das Trikot bergauf komplett. Auch das ergibt eine gute Kühlung, ist aber bei schneller Fahrt aus aerodynamischen Gründen keine Option. Geht es schließlich bergab, treten Windgeschwindigkeiten bis etwa 100 Stundenkilometer auf. Würde man bei zehn Grad mit feuchtem Trikot ohne Windjacke abfahren, ergäbe sich nach Windchill-Formeln eine Hauttemperatur von minus vier Grad… Ein rasch trocknendes Trikot schützt zwar nicht völlig, aber immerhin etwas vor Unterkühlung. Insgesamt puffert es die Temperaturspitzen ab. Die meisten Radsportler tragen nur bei extremen Sommertemperaturen das Trikot direkt auf der Haut, ansonsten in Kombination mit einem Funktionsunterhemd. Die physiologischen Anforderungen an dieses ähneln denen an das Trikot.
DAS KÖRPERKLIMA Für Textilforscher ist Radsport ein echter Problemsport. Der Grund dafür sind die stark schwankenden Bedingungen: Bergauf muss ein Trikot bis zu einen Liter Schweiß pro Stunde verdunsten, um den Körper zu kühlen. Immerhin entwickelt ein Profi, der mit einer Leistung von 400 Watt fährt, die Abwärme einer Herdplatte auf mittlerer Stufe. Seine Körper-Innentemperatur darf sich aber um nicht mehr als ein bis zwei Grad erhöhen, sonst leidet die Leistungsfähigkeit. Für die ideale Kühlung sollte der Schweiß auf möglichst großer Trikotfläche (Löschblatt-Effekt) und hautnah verdunsten. Dafür muss das Trikot eng sitzen. Bei Flattertrikots läuft der Schweiß am Körper entlang, ohne wirksam zu kühlen. Viele Profis öffnen das Trikot bergauf komplett. Auch das ergibt eine gute Kühlung, ist aber bei schneller Fahrt aus aerodynamischen Gründen keine Option. Geht es schließlich bergab, treten Windgeschwindigkeiten bis etwa 100 Stundenkilometer auf. Würde man bei zehn Grad mit feuchtem Trikot ohne Windjacke abfahren, ergäbe sich nach Windchill-Formeln eine Hauttemperatur von minus vier Grad… Ein rasch trocknendes Trikot schützt zwar nicht völlig, aber immerhin etwas vor Unterkühlung. Insgesamt puffert es die Temperaturspitzen ab. Die meisten Radsportler tragen nur bei extremen Sommertemperaturen das Trikot direkt auf der Haut, ansonsten in Kombination mit einem Funktionsunterhemd. Die physiologischen Anforderungen an dieses ähneln denen an das Trikot.
Bekannte Stoffe dieser Art sind „Fieldsensor“ oder „Ultra sensor“. Mit Funktions-Unterhemd sind die feinen Unterschiede zwischen Polyester-Gestricken allerdings kaum spürbar. Außer Polyester erscheinen vor allem „Elasthan“ (PU) und „Polyamid“ (PA) auf den Etiketten. Elasthan, die elastische Beimischung aus Polyurethan (Markennamen: Lycra oder Spandex), bewirkt den körpernahen Sitz. Bei Radhosen beträgt dessen Anteil oft 15 bis 20 Prozent, bei Trikots meist weniger. Vor allem bei Damentrikots wird es mit Polyamid (Nylon) kombiniert. Eine verbreitete Mischung trägt den Markennamen „Meryl“. Durch seine seidige Oberfläche und Geschmeidigkeit schmeichelt es im „Fühltest“, doch die Trageeigenschaften überzeugen weniger: Trikots aus Polyamid/Spandex trocknen im Allgemeinen ähnlich schlecht wie Baumwolle. Und in trikot-üblicher Mischung sind sie so elastisch, dass volle Trikottaschen immer weiter Richtung Boden wandern. Eine etwas stabilere Variante dieses Gemischs ist allerdings das Standardmaterial fast aller Radhosen – da ist Reiß- und Scheuerfestigkeit wichtiger als die Trocknungseigenschaft.
Bekannte Stoffe dieser Art sind „Fieldsensor“ oder „Ultra sensor“. Mit Funktions-Unterhemd sind die feinen Unterschiede zwischen Polyester-Gestricken allerdings kaum spürbar. Außer Polyester erscheinen vor allem „Elasthan“ (PU) und „Polyamid“ (PA) auf den Etiketten. Elasthan, die elastische Beimischung aus Polyurethan (Markennamen: Lycra oder Spandex), bewirkt den körpernahen Sitz. Bei Radhosen beträgt dessen Anteil oft 15 bis 20 Prozent, bei Trikots meist weniger. Vor allem bei Damentrikots wird es mit Polyamid (Nylon) kombiniert. Eine verbreitete Mischung trägt den Markennamen „Meryl“. Durch seine seidige Oberfläche und Geschmeidigkeit schmeichelt es im „Fühltest“, doch die Trageeigenschaften überzeugen weniger: Trikots aus Polyamid/Spandex trocknen im Allgemeinen ähnlich schlecht wie Baumwolle. Und in trikot-üblicher Mischung sind sie so elastisch, dass volle Trikottaschen immer weiter Richtung Boden wandern. Eine etwas stabilere Variante dieses Gemischs ist allerdings das Standardmaterial fast aller Radhosen – da ist Reiß- und Scheuerfestigkeit wichtiger als die Trocknungseigenschaft.
DER SCHNITT
Zugunsten der Aerodynamik, Physiologie und Eitelkeit sollten Rennrad-Trikots körpernah sitzen. Weil die üblichen Polyester-Gestricke ohne Lycra/Spandex/ Elasthan nicht so elastisch sind wie eine Radhose, muss der Schnitt besser zur Figur passen. Zur Orientierung: Viele Konfektionäre bieten ihre Trikots in drei Modellkategorien an, die sich durch ihre Weite unterscheiden. Der Hauptunterschied beim Schnitt der verschiedenen Trikots zeigt sich an der Schulter: Beim Raglanschnitt setzt der Ärmel am Kragen an, die Ärmelnähte führen vom Kragen zur Achsel. Beim gerade angesetzten Ärmel handelt es sich um eine Art T-Shirt-Schnitt.
DER SCHNITT Zugunsten der Aerodynamik, Physiologie und Eitelkeit sollten Rennrad-Trikots körpernah sitzen. Weil die üblichen Polyester-Gestricke ohne Lycra/Spandex/ Elasthan nicht so elastisch sind wie eine Radhose, muss der Schnitt besser zur Figur passen. Zur Orientierung: Viele Konfektionäre bieten ihre Trikots in drei Modellkategorien an, die sich durch ihre Weite unterscheiden. Der Hauptunterschied beim Schnitt der verschiedenen Trikots zeigt sich an der Schulter: Beim Raglanschnitt setzt der Ärmel am Kragen an, die Ärmelnähte führen vom Kragen zur Achsel. Beim gerade angesetzten Ärmel handelt es sich um eine Art T-Shirt-Schnitt.
Trikots mit Raglanärmeln werfen in Rennhaltung meist weniger Falten um die Schulter. Tipp: Radtrikots möglichst auf dem Rad anprobieren. Hier zeigt sich auch das Ausmaß des schwer zu vermeidenden Faltenwurfs im Nacken. Viele Konfektionäre schneidern für Durchschnittsfiguren, nicht für trainierte Radfahrer. Deshalb kann das Trikot oft eine Nummer kleiner gewählt werden als die Hose.
Trikots mit Raglanärmeln werfen in Rennhaltung meist weniger Falten um die Schulter. Tipp: Radtrikots möglichst auf dem Rad anprobieren. Hier zeigt sich auch das Ausmaß des schwer zu vermeidenden Faltenwurfs im Nacken. Viele Konfektionäre schneidern für Durchschnittsfiguren, nicht für trainierte Radfahrer. Deshalb kann das Trikot oft eine Nummer kleiner gewählt werden als die Hose.
DIE FRAUEN
Fast immer passen spezielle Damentrikots besser zur weiblichen Silhouette als ein Männertrikot. Doch nur selten sind diese Modelle wirklich den Bedürfnissen rennradelnder Frauen angepasst. Der Standardfehler: nur eine einzige, kleine Rückentasche. Oft sind Damentrikots aus den vermeintlich angenehmen, sehr elastischen Stoffen geschneidert. Beladenen Rückentaschen leistet ihr Material aber wenig Widerstand. Dazu kommen bisweilen verspielte Kragen, die zwar sexy erscheinen mögen, aber am Hals nicht eng genug schließen, um etwa Wespen draußen zu halten. Trotz allem: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl funktionaler – und nicht nur dekorativer – Damentrikots deutlich vergrößert.
DIE FRAUEN Fast immer passen spezielle Damentrikots besser zur weiblichen Silhouette als ein Männertrikot. Doch nur selten sind diese Modelle wirklich den Bedürfnissen rennradelnder Frauen angepasst. Der Standardfehler: nur eine einzige, kleine Rückentasche. Oft sind Damentrikots aus den vermeintlich angenehmen, sehr elastischen Stoffen geschneidert. Beladenen Rückentaschen leistet ihr Material aber wenig Widerstand. Dazu kommen bisweilen verspielte Kragen, die zwar sexy erscheinen mögen, aber am Hals nicht eng genug schließen, um etwa Wespen draußen zu halten. Trotz allem: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl funktionaler – und nicht nur dekorativer – Damentrikots deutlich vergrößert.
DIE PROFIS
An Profitrikots fällt vor allem ihr knapper Sitz auf. Manchmal sind die Teamtrikots nicht identisch mit den als „Profitrikot“ angebotenen Replikas (siehe auch Interview). Manche Teams lassen für ihre Fahrer auf Maß fertigen, manche verwenden auch Materialien mit erhöhtem Lycra-Anteil, um durch körpernahen Sitz die Aerodynamik zu verbessern. Doch auch die Profis, die mit Serienware in „S“ und „M“ unterwegs sind, können Hobbysportlern nur begrenzt als Vorbild dienen: Spannt das aus Aero-Gründen zu klein gekaufte Trikot zu sehr um den Bauch, kommt man nicht mehr an die Rückentaschen, weil sie zu hoch sitzen...
DIE PROFIS An Profitrikots fällt vor allem ihr knapper Sitz auf. Manchmal sind die Teamtrikots nicht identisch mit den als „Profitrikot“ angebotenen Replikas (siehe auch Interview). Manche Teams lassen für ihre Fahrer auf Maß fertigen, manche verwenden auch Materialien mit erhöhtem Lycra-Anteil, um durch körpernahen Sitz die Aerodynamik zu verbessern. Doch auch die Profis, die mit Serienware in „S“ und „M“ unterwegs sind, können Hobbysportlern nur begrenzt als Vorbild dienen: Spannt das aus Aero-Gründen zu klein gekaufte Trikot zu sehr um den Bauch, kommt man nicht mehr an die Rückentaschen, weil sie zu hoch sitzen...
DIE DETAILS
Oft entscheiden Details über ein gutes oder weniger gutes Trikot. Am deutlichsten spürbar: der Reißverschluss. Durchgehende Reißverschlüsse sind beliebt, weil sie das Trikot für maximale Belüftung öffnen. Gegen sie spricht ihr unteres Ende: Es kann auf Dauer die empfindliche Radhose beschädigen. Trikots, deren Reißverschluss nicht ganz hinabreicht, lüften fast ebenso gut. Das obere Ende des Zippers darf in geschlossenem Zustand nicht am Hals kratzen. Und wer geräuschempfindlich ist, achtet auf einen gummierten oder einrastenden Schieber, der nicht klappert.

Beim Ärmelabschluss sind eingezogene Gummis, die das Bündchen kräuseln, der Standard. Einziger Vorteil: Sie sitzen oft so stramm, dass Armstulpen nicht herausrutschen können. Bequemer und genauso funktional sind bis zu zwei Zentimeter breite, aufgenähte Abschlussgummis, bis weilen mit rutschhemmender Silikonschicht. Je nach Armumfang können auch enganliegende Ärmel ohne Abschlussgummi funktionieren – nur flattern sollte nichts.
Bei Rückentaschen hat sich der Klassiker mit drei oben offenen Stecktaschen bewährt. Sie dürfen so tief sein, dass die Hand hineinpasst. Sinnvoll: ein Schlüsseltäschchen mit Reißverschluss; so geht der Haustürschlüssel nicht verloren, wenn man Windweste oder Riegel aus der Tasche zieht. Schlechteste Kombination: ein hoch elastischer Trikotstoff mit einer einzigen, großen Quertasche mit seitlichem Reißverschluss.
DIE DETAILS Oft entscheiden Details über ein gutes oder weniger gutes Trikot. Am deutlichsten spürbar: der Reißverschluss. Durchgehende Reißverschlüsse sind beliebt, weil sie das Trikot für maximale Belüftung öffnen. Gegen sie spricht ihr unteres Ende: Es kann auf Dauer die empfindliche Radhose beschädigen. Trikots, deren Reißverschluss nicht ganz hinabreicht, lüften fast ebenso gut. Das obere Ende des Zippers darf in geschlossenem Zustand nicht am Hals kratzen. Und wer geräuschempfindlich ist, achtet auf einen gummierten oder einrastenden Schieber, der nicht klappert. Beim Ärmelabschluss sind eingezogene Gummis, die das Bündchen kräuseln, der Standard. Einziger Vorteil: Sie sitzen oft so stramm, dass Armstulpen nicht herausrutschen können. Bequemer und genauso funktional sind bis zu zwei Zentimeter breite, aufgenähte Abschlussgummis, bis weilen mit rutschhemmender Silikonschicht. Je nach Armumfang können auch enganliegende Ärmel ohne Abschlussgummi funktionieren – nur flattern sollte nichts. Bei Rückentaschen hat sich der Klassiker mit drei oben offenen Stecktaschen bewährt. Sie dürfen so tief sein, dass die Hand hineinpasst. Sinnvoll: ein Schlüsseltäschchen mit Reißverschluss; so geht der Haustürschlüssel nicht verloren, wenn man Windweste oder Riegel aus der Tasche zieht. Schlechteste Kombination: ein hoch elastischer Trikotstoff mit einer einzigen, großen Quertasche mit seitlichem Reißverschluss.
DIE AERODYNAMIK
Als Sponsor des US-Postal-Service-Teams um Lance Armstrong experimentierte Sportartikelhersteller Nike mit mehr als 50 verschiedenen Gestricken und etlichen Schnitt-Details, um den schnellstmöglichen Zeitfahranzug zu entwickeln. Dieser bestand dann aus sechs verschiedenen Materialien mit spezifischer Rauheit, um turbulente und laminare Strömungen zu steuern. Die Nähte verlegten die Techniker in turbulente Zonen. Um Falten zu vermeiden, wurden die Anzüge nach Maß und nur für die Zeitfahrposition geschneidert. Nach Windkanalstudien und Berechnungen attestierten die Entwickler ihrem Anzug gegenüber einem normalen Zeitfahranzug bei einem 55-Kilometer-Zeitfahren einen Zeitvorteil von mehr als einer Minute. Für das Trikot alleine gibt es keine Vergleichsmessungen. Doch die Versuche weisen auch Hobbyfahrern den Weg: Ein eng sitzendes Trikot ohne flatternde Bereiche an Seiten, Schultern und im Nacken ist definitiv „schneller“ als ein legeres Jersey.
DIE AERODYNAMIK Als Sponsor des US-Postal-Service-Teams um Lance Armstrong experimentierte Sportartikelhersteller Nike mit mehr als 50 verschiedenen Gestricken und etlichen Schnitt-Details, um den schnellstmöglichen Zeitfahranzug zu entwickeln. Dieser bestand dann aus sechs verschiedenen Materialien mit spezifischer Rauheit, um turbulente und laminare Strömungen zu steuern. Die Nähte verlegten die Techniker in turbulente Zonen. Um Falten zu vermeiden, wurden die Anzüge nach Maß und nur für die Zeitfahrposition geschneidert. Nach Windkanalstudien und Berechnungen attestierten die Entwickler ihrem Anzug gegenüber einem normalen Zeitfahranzug bei einem 55-Kilometer-Zeitfahren einen Zeitvorteil von mehr als einer Minute. Für das Trikot alleine gibt es keine Vergleichsmessungen. Doch die Versuche weisen auch Hobbyfahrern den Weg: Ein eng sitzendes Trikot ohne flatternde Bereiche an Seiten, Schultern und im Nacken ist definitiv „schneller“ als ein legeres Jersey.
DIE REGEL
Die Regel Nr. 1.3.026 des Radsport-Weltverbandes UCI bestimmt den Schnitt des Trikots der Radsportler, die an Wettkämpfen teilnehmen: „Während des Rennens müssen alle Fahrer ein Trikot mit Ärmeln und kurze Radhosen tragen. (...) Ärmellose Trikots sind verboten.“ Auf mehreren folgenden Seiten des Regelwerks sind auch die zulässigen Größen der Werbeflächen in den verschiedenen Disziplinen und Kategorien aufgelistet.
DIE REGEL Die Regel Nr. 1.3.026 des Radsport-Weltverbandes UCI bestimmt den Schnitt des Trikots der Radsportler, die an Wettkämpfen teilnehmen: „Während des Rennens müssen alle Fahrer ein Trikot mit Ärmeln und kurze Radhosen tragen. (...) Ärmellose Trikots sind verboten.“ Auf mehreren folgenden Seiten des Regelwerks sind auch die zulässigen Größen der Werbeflächen in den verschiedenen Disziplinen und Kategorien aufgelistet.
DAS KÖRPERKLIMA
Für Textilforscher ist Radsport ein echter Problemsport. Der Grund dafür sind die stark schwankenden Bedingungen: Bergauf muss ein Trikot bis zu einen Liter Schweiß pro Stunde verdunsten, um den Körper zu kühlen. Immerhin entwickelt ein Profi, der mit einer Leistung von 400 Watt fährt, die Abwärme einer Herdplatte auf mittlerer Stufe. Seine Körper-Innentemperatur darf sich aber um nicht mehr als ein bis zwei Grad erhöhen, sonst leidet die Leistungsfähigkeit. Für die ideale Kühlung sollte der Schweiß auf möglichst großer Trikotfläche (Löschblatt-Effekt) und hautnah verdunsten. Dafür muss das Trikot eng sitzen. Bei Flattertrikots läuft der Schweiß am Körper entlang, ohne wirksam zu kühlen. Viele Profis öffnen das Trikot bergauf komplett. Auch das ergibt eine gute Kühlung, ist aber bei schneller Fahrt aus aerodynamischen Gründen keine Option. Geht es schließlich bergab, treten Windgeschwindigkeiten bis etwa 100 Stundenkilometer auf. Würde man bei zehn Grad mit feuchtem Trikot ohne Windjacke abfahren, ergäbe sich nach Windchill-Formeln eine Hauttemperatur von minus vier Grad… Ein rasch trocknendes Trikot schützt zwar nicht völlig, aber immerhin etwas vor Unterkühlung. Insgesamt puffert es die Temperaturspitzen ab. Die meisten Radsportler tragen nur bei extremen Sommertemperaturen das Trikot direkt auf der Haut, ansonsten in Kombination mit einem Funktionsunterhemd. Die physiologischen Anforderungen an dieses ähneln denen an das Trikot.
DAS KÖRPERKLIMA Für Textilforscher ist Radsport ein echter Problemsport. Der Grund dafür sind die stark schwankenden Bedingungen: Bergauf muss ein Trikot bis zu einen Liter Schweiß pro Stunde verdunsten, um den Körper zu kühlen. Immerhin entwickelt ein Profi, der mit einer Leistung von 400 Watt fährt, die Abwärme einer Herdplatte auf mittlerer Stufe. Seine Körper-Innentemperatur darf sich aber um nicht mehr als ein bis zwei Grad erhöhen, sonst leidet die Leistungsfähigkeit. Für die ideale Kühlung sollte der Schweiß auf möglichst großer Trikotfläche (Löschblatt-Effekt) und hautnah verdunsten. Dafür muss das Trikot eng sitzen. Bei Flattertrikots läuft der Schweiß am Körper entlang, ohne wirksam zu kühlen. Viele Profis öffnen das Trikot bergauf komplett. Auch das ergibt eine gute Kühlung, ist aber bei schneller Fahrt aus aerodynamischen Gründen keine Option. Geht es schließlich bergab, treten Windgeschwindigkeiten bis etwa 100 Stundenkilometer auf. Würde man bei zehn Grad mit feuchtem Trikot ohne Windjacke abfahren, ergäbe sich nach Windchill-Formeln eine Hauttemperatur von minus vier Grad… Ein rasch trocknendes Trikot schützt zwar nicht völlig, aber immerhin etwas vor Unterkühlung. Insgesamt puffert es die Temperaturspitzen ab. Die meisten Radsportler tragen nur bei extremen Sommertemperaturen das Trikot direkt auf der Haut, ansonsten in Kombination mit einem Funktionsunterhemd. Die physiologischen Anforderungen an dieses ähneln denen an das Trikot.
Bekannte Stoffe dieser Art sind „Fieldsensor“ oder „Ultra sensor“. Mit Funktions-Unterhemd sind die feinen Unterschiede zwischen Polyester-Gestricken allerdings kaum spürbar. Außer Polyester erscheinen vor allem „Elasthan“ (PU) und „Polyamid“ (PA) auf den Etiketten. Elasthan, die elastische Beimischung aus Polyurethan (Markennamen: Lycra oder Spandex), bewirkt den körpernahen Sitz. Bei Radhosen beträgt dessen Anteil oft 15 bis 20 Prozent, bei Trikots meist weniger. Vor allem bei Damentrikots wird es mit Polyamid (Nylon) kombiniert. Eine verbreitete Mischung trägt den Markennamen „Meryl“. Durch seine seidige Oberfläche und Geschmeidigkeit schmeichelt es im „Fühltest“, doch die Trageeigenschaften überzeugen weniger: Trikots aus Polyamid/Spandex trocknen im Allgemeinen ähnlich schlecht wie Baumwolle. Und in trikot-üblicher Mischung sind sie so elastisch, dass volle Trikottaschen immer weiter Richtung Boden wandern. Eine etwas stabilere Variante dieses Gemischs ist allerdings das Standardmaterial fast aller Radhosen – da ist Reiß- und Scheuerfestigkeit wichtiger als die Trocknungseigenschaft.
Bekannte Stoffe dieser Art sind „Fieldsensor“ oder „Ultra sensor“. Mit Funktions-Unterhemd sind die feinen Unterschiede zwischen Polyester-Gestricken allerdings kaum spürbar. Außer Polyester erscheinen vor allem „Elasthan“ (PU) und „Polyamid“ (PA) auf den Etiketten. Elasthan, die elastische Beimischung aus Polyurethan (Markennamen: Lycra oder Spandex), bewirkt den körpernahen Sitz. Bei Radhosen beträgt dessen Anteil oft 15 bis 20 Prozent, bei Trikots meist weniger. Vor allem bei Damentrikots wird es mit Polyamid (Nylon) kombiniert. Eine verbreitete Mischung trägt den Markennamen „Meryl“. Durch seine seidige Oberfläche und Geschmeidigkeit schmeichelt es im „Fühltest“, doch die Trageeigenschaften überzeugen weniger: Trikots aus Polyamid/Spandex trocknen im Allgemeinen ähnlich schlecht wie Baumwolle. Und in trikot-üblicher Mischung sind sie so elastisch, dass volle Trikottaschen immer weiter Richtung Boden wandern. Eine etwas stabilere Variante dieses Gemischs ist allerdings das Standardmaterial fast aller Radhosen – da ist Reiß- und Scheuerfestigkeit wichtiger als die Trocknungseigenschaft.
Bekannte Stoffe dieser Art sind „Fieldsensor“ oder „Ultra sensor“. Mit Funktions-Unterhemd sind die feinen Unterschiede zwischen Polyester-Gestricken allerdings kaum spürbar. Außer Polyester erscheinen vor allem „Elasthan“ (PU) und „Polyamid“ (PA) auf den Etiketten. Elasthan, die elastische Beimischung aus Polyurethan (Markennamen: Lycra oder Spandex), bewirkt den körpernahen Sitz. Bei Radhosen beträgt dessen Anteil oft 15 bis 20 Prozent, bei Trikots meist weniger. Vor allem bei Damentrikots wird es mit Polyamid (Nylon) kombiniert. Eine verbreitete Mischung trägt den Markennamen „Meryl“. Durch seine seidige Oberfläche und Geschmeidigkeit schmeichelt es im „Fühltest“, doch die Trageeigenschaften überzeugen weniger: Trikots aus Polyamid/Spandex trocknen im Allgemeinen ähnlich schlecht wie Baumwolle. Und in trikot-üblicher Mischung sind sie so elastisch, dass volle Trikottaschen immer weiter Richtung Boden wandern. Eine etwas stabilere Variante dieses Gemischs ist allerdings das Standardmaterial fast aller Radhosen – da ist Reiß- und Scheuerfestigkeit wichtiger als die Trocknungseigenschaft.
DER SCHNITT
Zugunsten der Aerodynamik, Physiologie und Eitelkeit sollten Rennrad-Trikots körpernah sitzen. Weil die üblichen Polyester-Gestricke ohne Lycra/Spandex/ Elasthan nicht so elastisch sind wie eine Radhose, muss der Schnitt besser zur Figur passen. Zur Orientierung: Viele Konfektionäre bieten ihre Trikots in drei Modellkategorien an, die sich durch ihre Weite unterscheiden. Der Hauptunterschied beim Schnitt der verschiedenen Trikots zeigt sich an der Schulter: Beim Raglanschnitt setzt der Ärmel am Kragen an, die Ärmelnähte führen vom Kragen zur Achsel. Beim gerade angesetzten Ärmel handelt es sich um eine Art T-Shirt-Schnitt.
Trikots mit Raglanärmeln werfen in Rennhaltung meist weniger Falten um die Schulter. Tipp: Radtrikots möglichst auf dem Rad anprobieren. Hier zeigt sich auch das Ausmaß des schwer zu vermeidenden Faltenwurfs im Nacken. Viele Konfektionäre schneidern für Durchschnittsfiguren, nicht für trainierte Radfahrer. Deshalb kann das Trikot oft eine Nummer kleiner gewählt werden als die Hose.
DIE FRAUEN
Fast immer passen spezielle Damentrikots besser zur weiblichen Silhouette als ein Männertrikot. Doch nur selten sind diese Modelle wirklich den Bedürfnissen rennradelnder Frauen angepasst. Der Standardfehler: nur eine einzige, kleine Rückentasche. Oft sind Damentrikots aus den vermeintlich angenehmen, sehr elastischen Stoffen geschneidert. Beladenen Rückentaschen leistet ihr Material aber wenig Widerstand. Dazu kommen bisweilen verspielte Kragen, die zwar sexy erscheinen mögen, aber am Hals nicht eng genug schließen, um etwa Wespen draußen zu halten. Trotz allem: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl funktionaler – und nicht nur dekorativer – Damentrikots deutlich vergrößert.
DIE PROFIS
An Profitrikots fällt vor allem ihr knapper Sitz auf. Manchmal sind die Teamtrikots nicht identisch mit den als „Profitrikot“ angebotenen Replikas (siehe auch Interview). Manche Teams lassen für ihre Fahrer auf Maß fertigen, manche verwenden auch Materialien mit erhöhtem Lycra-Anteil, um durch körpernahen Sitz die Aerodynamik zu verbessern. Doch auch die Profis, die mit Serienware in „S“ und „M“ unterwegs sind, können Hobbysportlern nur begrenzt als Vorbild dienen: Spannt das aus Aero-Gründen zu klein gekaufte Trikot zu sehr um den Bauch, kommt man nicht mehr an die Rückentaschen, weil sie zu hoch sitzen...
DIE DETAILS
Oft entscheiden Details über ein gutes oder weniger gutes Trikot. Am deutlichsten spürbar: der Reißverschluss. Durchgehende Reißverschlüsse sind beliebt, weil sie das Trikot für maximale Belüftung öffnen. Gegen sie spricht ihr unteres Ende: Es kann auf Dauer die empfindliche Radhose beschädigen. Trikots, deren Reißverschluss nicht ganz hinabreicht, lüften fast ebenso gut. Das obere Ende des Zippers darf in geschlossenem Zustand nicht am Hals kratzen. Und wer geräuschempfindlich ist, achtet auf einen gummierten oder einrastenden Schieber, der nicht klappert.

Beim Ärmelabschluss sind eingezogene Gummis, die das Bündchen kräuseln, der Standard. Einziger Vorteil: Sie sitzen oft so stramm, dass Armstulpen nicht herausrutschen können. Bequemer und genauso funktional sind bis zu zwei Zentimeter breite, aufgenähte Abschlussgummis, bis weilen mit rutschhemmender Silikonschicht. Je nach Armumfang können auch enganliegende Ärmel ohne Abschlussgummi funktionieren – nur flattern sollte nichts.
Bei Rückentaschen hat sich der Klassiker mit drei oben offenen Stecktaschen bewährt. Sie dürfen so tief sein, dass die Hand hineinpasst. Sinnvoll: ein Schlüsseltäschchen mit Reißverschluss; so geht der Haustürschlüssel nicht verloren, wenn man Windweste oder Riegel aus der Tasche zieht. Schlechteste Kombination: ein hoch elastischer Trikotstoff mit einer einzigen, großen Quertasche mit seitlichem Reißverschluss.
DIE AERODYNAMIK
Als Sponsor des US-Postal-Service-Teams um Lance Armstrong experimentierte Sportartikelhersteller Nike mit mehr als 50 verschiedenen Gestricken und etlichen Schnitt-Details, um den schnellstmöglichen Zeitfahranzug zu entwickeln. Dieser bestand dann aus sechs verschiedenen Materialien mit spezifischer Rauheit, um turbulente und laminare Strömungen zu steuern. Die Nähte verlegten die Techniker in turbulente Zonen. Um Falten zu vermeiden, wurden die Anzüge nach Maß und nur für die Zeitfahrposition geschneidert. Nach Windkanalstudien und Berechnungen attestierten die Entwickler ihrem Anzug gegenüber einem normalen Zeitfahranzug bei einem 55-Kilometer-Zeitfahren einen Zeitvorteil von mehr als einer Minute. Für das Trikot alleine gibt es keine Vergleichsmessungen. Doch die Versuche weisen auch Hobbyfahrern den Weg: Ein eng sitzendes Trikot ohne flatternde Bereiche an Seiten, Schultern und im Nacken ist definitiv „schneller“ als ein legeres Jersey.
DIE REGEL
Die Regel Nr. 1.3.026 des Radsport-Weltverbandes UCI bestimmt den Schnitt des Trikots der Radsportler, die an Wettkämpfen teilnehmen: „Während des Rennens müssen alle Fahrer ein Trikot mit Ärmeln und kurze Radhosen tragen. (...) Ärmellose Trikots sind verboten.“ Auf mehreren folgenden Seiten des Regelwerks sind auch die zulässigen Größen der Werbeflächen in den verschiedenen Disziplinen und Kategorien aufgelistet.
DAS KÖRPERKLIMA
Für Textilforscher ist Radsport ein echter Problemsport. Der Grund dafür sind die stark schwankenden Bedingungen: Bergauf muss ein Trikot bis zu einen Liter Schweiß pro Stunde verdunsten, um den Körper zu kühlen. Immerhin entwickelt ein Profi, der mit einer Leistung von 400 Watt fährt, die Abwärme einer Herdplatte auf mittlerer Stufe. Seine Körper-Innentemperatur darf sich aber um nicht mehr als ein bis zwei Grad erhöhen, sonst leidet die Leistungsfähigkeit. Für die ideale Kühlung sollte der Schweiß auf möglichst großer Trikotfläche (Löschblatt-Effekt) und hautnah verdunsten. Dafür muss das Trikot eng sitzen. Bei Flattertrikots läuft der Schweiß am Körper entlang, ohne wirksam zu kühlen. Viele Profis öffnen das Trikot bergauf komplett. Auch das ergibt eine gute Kühlung, ist aber bei schneller Fahrt aus aerodynamischen Gründen keine Option. Geht es schließlich bergab, treten Windgeschwindigkeiten bis etwa 100 Stundenkilometer auf. Würde man bei zehn Grad mit feuchtem Trikot ohne Windjacke abfahren, ergäbe sich nach Windchill-Formeln eine Hauttemperatur von minus vier Grad… Ein rasch trocknendes Trikot schützt zwar nicht völlig, aber immerhin etwas vor Unterkühlung. Insgesamt puffert es die Temperaturspitzen ab. Die meisten Radsportler tragen nur bei extremen Sommertemperaturen das Trikot direkt auf der Haut, ansonsten in Kombination mit einem Funktionsunterhemd. Die physiologischen Anforderungen an dieses ähneln denen an das Trikot.