Trek Madone 6.5 H1 2013 Trek Madone 6.5 H1 2013
Rennräder

Vergleichstest: Trek Madone 6.5 H1 gegen 6.5 H2

Manuel Jekel am 19.12.2012

Trek offeriert das neue Madone in zwei Ausführungen: Als H1 für alle, die gern sportlich gestreckt sitzen, und als H2 für jene Fahrer, die es etwas komfortabler mögen. TOUR hat die zweieiigen Zwillinge verglichen.

Der Lenker tief, der Sattel hoch darüber thronend – die Botschaft ist klar: "Fahr. Mich. Schnell!" Aber auch: "Es könnte wehtun ..." Denn eine so flache, gestreckte Sitzposition, wie sie das Madone H1 einfordert, müssen Rücken und Nacken erst einmal aushalten. Rennfahrer können das meist. Und für die ist die H1-Geometrie auch gedacht. Ganz anders das Madone H2. Das Steuerrohr ist exakt drei Zentimeter länger, der Lenker um dieses Maß höher positioniert als beim H1. Da das Oberrohr zugleich kürzer ist, sitzt der Fahrer aufrechter und rückenschonender, wenn auch dafür nicht so aerodynamisch. Doch was zählt mehr: Ob man schneller von A nach B kommt? Oder dass man sich möglichst lange wohlfühlt auf seinem Rad? Wer ein Faible für ausgedehnte Touren hat, beantwortet diese Frage vermutlich anders als ein Rennfahrer.

Die Idee von Trek ist so simpel wie bestechend: Statt für verschiedene Fahrertypen unterschiedliche Modelle anzubieten, steht das neue Madone in zwei technisch eng verwandten, bezüglich der Geometrie jedoch grundverschiedenen Auslegungen zur Wahl. Dass es sich bei dem Konzept tatsächlich um zwei Ausführungen eines Modells handelt, zeigen die vielen Parallelen zwischen H1 und H2. Zunächst die technischen Werte: In Größe 58 wiegen beide Rahmen haarscharf über 1.000 Gramm, was nicht sensationell leicht ist, in Anbetracht vieler aufwendiger Detaillösungen aber in Ordnung. Die Komfortwerte am Sattel liegen bei beiden auf höchstem Niveau – vor allem dank der Ride-Tuned-Sattelstütze, die auf statt in das Sitzrohr gesteckt wird. Auch Radstände, Sitz- und Lenkwinkel sind identisch.

Trek Madone 6.5 H2 2013

Trek Madone 6.5 H2 2013

Dass beide Rahmen das gleiche Erbgut tragen, zeigt sich auch formal. Sogenannte Kammtail-Profile – vereinfacht gesagt: Tragflächenprofile, denen der spitz zulaufende hintere Teil fehlt – an fast allen Rohren sollen die Madone-Rahmen so aerodynamisch machen wie "echte" Aero-Modelle – das behauptet zumindest Trek; wir werden es beim nächsten Windkanaltest überprüfen. Spektakulärer als die Rohrprofile sind allerdings die integrierten Seitenzugbremsen der Trekeigenen Komponentenmarke Bontrager, die ebenfalls aerodynamische Vorteile bringen sollen und in dieser Form erstmals an einem Serienrad verwendet werden. Trek hat hierfür in der Entwicklung eng mit dem Komponentenhersteller Shimano kooperiert, der für die neue Dura-Ace-Gruppe in Kürze eine ähnliche Bremse bringen wird. In der Bontrager-Variante fügt sich die vordere Bremszange fast formschlüssig an den Madone-Gabelkopf. Der hintere Stopper sitzt hinterm Tretlager, was einen ungewohnten Durchblick durch die Sitzstreben auf den Reifen erlaubt. Funktional gibt es an den Madone-Bremsen nichts zu mäkeln. Ob es aber der Weisheit letzter Schluss ist, die Hinterradbremse unterm Tretlager zu platzieren, muss sich noch zeigen; dort liegt sie jedenfalls voll in der Wasser- und Schmutzfontäne des Vorderrades.

Trek Madone Bremse

Funktional überzeugend: die integrierte Bremse. Richtig leicht sind die Stopper jedoch nicht (vorne 157, hinten 153 Gramm ohne Gewinde in Rahmen und Gabel)

Im Praxistest waren die Unterschiede im Fahrverhalten größer als erwartet. Aus Vergleichsgründen fuhren wir beide Räder mit jeweils tiefstmöglicher Lenkereinstellung sowie identischen Laufrädern; anders als unser Testrad rollt das H2 in der Serie auf Alu-Laufrädern von Bontrager. Kleine Unterschiede in der Ausstattung – das H2 hatte einen zehn Millimeter kürzeren Vorbau und einen breiteren Lenker – verstärken den Eindruck, dass die Räder von grundlegend unterschiedlichem Charakter sind. Hier das H1, das mit unbändigem Vorwärtsdrang ständig am Limit bewegt werden will. Die enorme Fahrstabilität, gepaart mit dem tiefen Schwerpunkt und nicht zuletzt die Kombination mit den schnellen Aeolus-5-Carbon-Laufrädern auf exzellent haftenden Reifen, ergeben ein in allen Situationen beeindruckend souveränes Fahrverhalten. Dagegen lädt das Madone H2 eher zum genussvollen Cruisen ein. Die Spur Aggressivität, die beim H1 den besonderen Reiz ausmacht, fehlt dem Rad – was keine Kritik ist, sondern logische Konsequenz des Geometriekonzepts. Das Rad ist weniger agil und liegt wegen der höheren Schwerpunktlage des Fahrers nicht so extrem satt auf dem Asphalt. Der Fahrgenuss stellt sich hier mit etwas Verzögerung ein – wenn man etwa feststellt, dass man schon vier Stunden unterwegs ist und noch immer das Gefühl hat, gerade losgefahren zu sein.

Trek Madone Tretlager

Rund ums Tretlager versammeln sich Di2-Akku, Bremse und ein Sender, der Signale für Geschwindigkeit und Trittfrequenz zum Tacho funkt.

Alles prima also mit dem Madone? Nicht ganz: Als Trek die Preise mitteilte – 7.589 Euro für das Madone 6.5 H1 und 5.799 Euro für das Madone 6.5 H2 – sackte uns kurz der Blutdruck ab. Der größte Teil der Differenz steckt dabei in den Rädern. Wie erwähnt, wird die H2-Variante ab Werk mit Alu-Laufrädern von Bontrager ausgeliefert, auf die sich auch der Preis bezieht. Ein weiterer Unterschied: Das H1 ist nur im Rahmen des Trek-Baukastens Project One erhältlich, das H2 nur als Serienrad. Im Gegensatz zum Geometriekonzept ist dieser Teil von Treks Modellpolitik nicht wirklich nachvollziehbar.

Trek Madone 6.5 H1 Noten

Bezug/Info www.trekbikes.com
Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager 1.003/386/62 Gramm
Rahmengrößen** 50, 52, 54, 56, 58, 60, 62 cm
Sitz-/Lenkwinkel 73,5°/74°
Sitz-/Ober-/Steuerrohr 650/580/159 mm plus 15 mm Steuersatzkappe
Radstand/Nachlauf 990/51 mm
Stack/Reach/STR*** 569/409 mm/1,39
AUSSTATTUNG
Lenklager Cane Creek, oben 1-1/8, unten 1,5 Zoll 
Bremsen Bontrager integriert 
Schaltung/Tretlager Shimano Ultegra Di2 (50/34 Z., BB90) 
Laufräder/Reifen Bontrager Aeolus 5.0/Bontrager R3 
Lenker/Vorbau Bontrager XXX/Bontrager RXL 
Sattel/-stütze Bontrager Team Issue/Trek Ride Tuned

Trek Madone 6.5 H1 Punkte

Trek Madone 6.5 H2 Noten


Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager 1.010/392/55 Gramm
Rahmengrößen** 47, 50, 52, 54, 56, 58, 60, 62, 64 cm
Sitz-/Lenkwinkel 73,5°/74°
Sitz-/Ober-/Steuerrohr 650/575/190 mm plus 14 mm Steuersatzkappe
Radstand/Nachlauf 990/51 mm
Stack/Reach/STR*** 599/397 mm/1,51
AUSSTATTUNG
Lenklager
Cane Creek, oben 1-1/8, unten 1,5 Zoll
Bremsen Bontrager integriert
Schaltung/Tretlager Shimano Ultegra Di2 (50/34 Z., BB90)
Laufräder/Reifen Bontrager Race X Lite/Bontrager R3
Lenker/Vorbau Bontrager RL/Bontrager RXL
Sattel/-stütze Bontrager Affinity/Trek Ride Tuned

Trek Madone 6.5 H2 Punkte

Trek Madone 6.5 H1 und H2 Notenvergleich

* In die Gesamtnote gehen das Rahmen-Set mit 40 Prozent, die Ausstattung mit 60 Prozent ein. In diese Bewertungen fließen Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nur zum Teil abdrucken. Die Noten werden bis zur Endnote mit allen Nachkommastellen gerechnet; zur besseren Übersichtlichkeit geben wir aber alle Noten mit gerundeter Nachkommastelle an.
** Getestete Rahmengröße gefettet.
*** Stack/Reach: projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerkappe; STR (Stack to Reach): Werte zwischen 1,45 und 1,55 bedeuten eine sportliche Sitzposition, Werte darunter rennmäßig, darüber komfortabel.
**** Bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 cm und Gabelschaftlänge 225 mm.

Manuel Jekel am 19.12.2012
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