Trek Domane 2012 Trek Domane 2012
Rennräder

Trek Domane

Manuel Jekel am 26.07.2012

Das Trek Domane empfiehlt sich Liebhabern episch langer Ausritte, die gerne auf einem komfortablen, aber optisch sportlich gestalteten Rad sitzen.

In Messdaten drückt sich der Abstand von GranFondo GF01 und Domane (sprich "Do-Ma-Nie") am deutlichsten durch den Komfortwert am Sattel aus. Bislang galten Werte von weniger als 200 Newton pro Millimeter als sehr gut, Werte um 150 N/mm als herausragend (niedrigere Werte bedeuten mehr Federweg). Die 110 N/mm des Domane sind da schon ein gewaltiger Sprung, werden aber von den 96 N/mm, mit denen BMC auftrumpft, noch deutlich getoppt.

Dennoch hinterlässt das Trek zunächst den nachhaltigeren Eindruck. Schon beim ersten Kontakt mit dem Sattel registriert man, dass hier etwas anders ist als gewohnt. Das Geheimnis steckt unter einer Plastikverkleidung unter dem Oberrohr, kurz vor dem Sitzrohr. Entfernt man die Blende, fällt der Blick auf zwei Kugellager, durch die eine Schraube läuft, welche die einzige Verbindung zwischen Ober- und Sitzrohr darstellt. Durch diese teilweise Entkoppelung der Rohre wird das Sitzrohr zum Federelement und der ansonsten starre Diamantrahmen zu einer Art aktivem Fahrwerk. Die anfängliche Sorge, die softe Abstimmung könnte negative Effekte haben – etwa durch ein permanentes Wippen des Sitzdoms – zerstreut sich auf den Testfahrten schnell. Selbst unser Bildredakteur, Typ 90-Kilo-Sprinter, bemerkt nichts dergleichen. Stattdessen filtert das Rad deutlich wahrnehmbar Vibrationen und glättet selbst gröbere Unebenheiten im Asphalt effektiv.

Die Sitzrohrkonstruktion – die Sattelstütze aus Treks Madone-Baureihe wird nicht im sondern auf dem Sitzrohr geklemmt – ist jedoch nicht die einzige Maßnahme, die zum bisher ungekannten Komfort beiträgt. Mit dem Stack-to-Reach-Quotienten von 1,59 hat das Domane in Größe 56 eine der bequemsten Geometrien in der TOUR-Test-Geschichte und garantiert somit eine entspannte, aber nicht unsportliche Sitzposition. Erstaunlich ist, dass man dies dem Rad kaum ansieht. Durch einen Kunstgriff wird die hohe Lenkerposition, wie sie für Komfortrenner typisch ist, geschickt kaschiert. Weil die Gabelkrone höher baut als üblich, konnte das, was am Steuerrohr oben angesetzt wurde, unten weggelassen werden. Optisch auffällig ist deshalb allenfalls die ungewöhnlich starke Gabelvorbiegung, die den Federkomfort verbessern soll. Um die unerwünschte Folgewirkung – weniger Gabelnachlauf und ein daraus resultierendes nervöses Lenkverhalten – zu neutralisieren, wurden die Ausfallenden zurückgesetzt. Ein minimal längerer Radstand und großzügig bemessene Raddurchläufe erlauben auch mit 25-Millimeter-Reifen noch die Montage von Schutzblechen, für die fast unsichtbare Gewinde in Gabel und Sitzstreben vorgesehen sind.

Dieses Detail macht deutlich, welche Zielgruppe Trek vorrangig für das Rad sieht: Marathonfahrer, Randonneure und andere Liebhaber episch langer Ausritte, die sich nach einem Rad sehnen, das einerseits sportlich aussieht, dabei aber eine bequeme Sitzposition, Dämpfung sowie praktische Details nicht außer Acht lässt. Auch Profis scheinen sich mit dem Domane anfreunden zu können: Bei den Frühjahrsklassikern fuhren mehrere Radio-Shack-Profis das Rad – unter anderem Fabian Cancellara, der ankündigte, die ganze Saison damit bestreiten zu wollen. Unser aus dem Trek-Baukasten-Programm Project One konfiguriertes Testrad mit Dura- Ace-Ausstattung und Bontrager-Carbon-Laufrädern kostet knapp 7.900 Euro. Die Preisliste beginnt jedoch mit dem Domane 6.2 mit Ultegra-Ausstattung bei 4.000 Euro.

Preis Komplettrad 7.881 Euro
Gewicht 7,0 Kilo
Bezug/Info www.trekbikes.com

Rahmengrößen*** 44, 47, 50, 52, 54, 56, 58, 60, 62 cm
Sitz-/Lenkwinkel 73°/71 ,5°
Sitz-/Ober-/Steuerrohr 630/555/177 mm plus 7 mm Steuersatzkappe
Radstand/Nachlauf 1.010/60 mm
Stack/Reach/STR**** 595/375 mm/1,59

AUSSTATTUNG
Lenklager
FSA, oben 1-1/8, unten 1-1/2 Zoll
Bremsen/Schaltung/Tretlager Shimano Dura-Ace (50/34 Z., BB90)
Laufräder/Reifen Bontrager Aeolus 5.0/Bontrager R3 plus 25 mm
Lenker/Vorbau Bontrager RXL
Sattel/-stütze Bontrager Affinity RXL/Bontrager (integriert)

MESSWERTE & EINZELNOTEN
Gewicht Komplettrad (ohne Pedale)
6,95 kg
Gewicht Rahmen /Gabel/Steuerlager** 1.130/382/57 g
Normiertes Gewicht Rahmen-Set***** 1.619 g: 2,7
Lenkkopfsteifigkeit 83 Nm/°: 2,7
Seitensteifigkeit Gabel 50 N/mm: 1,7
Tretlagersteifigkeit 57 N/mm: 1,7
Komfort Rahmen 110 N/mm: 1 , 0
Komfort Gabel 75 N/mm: 2 , 7

Trek Domane 2012 Noten

Trek Domane 2012 Punkte

* In die Gesamtnote gehen das Rahmen-Set mit 40 Pr ozent, die Ausstattung mit 60 Prozent ein. In diese beiden Bewertungen fließen Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nur zum Teil abdrucken. Die Noten werden bis zur Endnote mit allen Nachkommastellen gerechnet; zur besseren Übersichtlichkeit geben wir aber alle Noten mit gerundeter Nachkommastelle an.
** Gewogene Gewichte.
*** Herstellerangabe. Getestete Rahmengröße gefettet.
**** Stack/Reach: projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerkappe; STR (Stack to Reach): Werte zwischen 1,45 und 1 ,55 bedeuten eine sportliche Sitzposition, Werte darunter rennmäßig, darüber komfortabel.
***** Bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 cm und Gabelschaftlänge 225 mm.

Manuel Jekel am 26.07.2012