Rennräder

Rennräder für Große 2010

Manuel Jekel am 20.08.2010

Wer groß ist, braucht auch ein großes Rad – nicht nur, um den Überblick zu behalten. Wir zeigen fünf Renner in Übergröße und geben Tipps zur Rennrad-Geometrie für große und schwere Fahrer.

Groß und stark werden – das wollen eigentlich alle kleinen Jungs, und viele von ihnen werden es heutzutage auch: Jüngste statistische Erhebungen besagen, dass mittlerweile etwa zehn Prozent aller deutschen Männer 1,90 Meter oder größer sind. Doch wer annimmt, die Radindustrie hätte sich darauf mit passenden Modellen für Hünen auf Rennrädern eingestellt, der irrt. Ein Blick in unsere großen Testfelder im zurückliegenden Frühjahr zeigt: Von 27 im März getesteten Rahmen sind nur vier in Größen über 62 Zentimeter lieferbar. Bei den Kompletträdern im April sind immerhin 18 von 60 getesteten Modellen in Größen jenseits von 62 zu haben. Allerdings zählen allein acht dieser Riesenräder mit Preisen um 1.500 Euro zur günstigsten der drei getesteten Preisklassen. Mit anderen Worten: Wer ein edleres oder technisch ausgefeilteres Rad sucht, tut sich als großer Fahrer schwer, eine passende Größe zu finden.

Dass XXL-Rennräder so rar sind, hat mehrere Gründe, vor allem wirtschaftliche. Denn auch wenn es heute verhältnismäßig mehr Riesen gibt, ist ihre absolute Zahl immer noch klein. Räder in Übergröße sind deshalb für Hersteller und Händler weniger lukrativ als die Standardgrößen 56 und 58. Bei teuren Rädern kommt hinzu, dass ab 2.000 Euro aufwärts heute fast selbstverständlich ein Carbonrahmen vorausgesetzt wird. Anders als bei Rahmen aus Alu oder Stahl erfordert hier jede Größe eine eigene Form, die schnell 30.000 Euro und mehr kostet – Fixkosten, die sich nur bei höheren Stückzahlen rechnen. Weil die mit XXLModellen schwer zu erzielen sind, beschränken sich die meisten Hersteller auf gängige Größen und überlassen das Feld der Maxi-Modelle wenigen Spezialisten.

Fall für Spezialisten

Das muss jedoch keine schlechte Nachricht sein. Es kann nicht schaden, wenn ein Radhersteller über entsprechende Erfahrung verfügt, immerhin stellen King-Size-Fahrer wesentlich höhere Anforderungen an ihr Rennrad als der Durchschnitt. Das fängt damit an, dass große Fahrer meist auch schwer sind. 100 Kilo und mehr kommen bei 1,95 Metern Größe schnell zusammen. Entsprechend steif sollte daher das Fahrwerk konstruiert sein, damit es auch auf schnell gefahrenen Abfahrten spurtreu und sicher auf der Straße liegt. Spezialwissen ist zudem bei der Geometrie-Gestaltung großer Räder gefragt. Für ein möglichst ausgewogenes Fahrverhalten ist es sinnvoll, den Radstand gegenüber einer Standardrahmengröße etwas zu verlängern. Geschieht das nicht und wächst der Rahmen nur in die Höhe, wandert der Schwerpunkt nach oben, was die Überschlagsgefahr erhöht. Zudem wird der Lenkwinkel steiler als üblich und damit das Lenkverhalten nervöser. Ein sehr steiler Lenkwinkel kann zudem die Fußfreiheit einschränken, was bei einer Zielgruppe, die meist auf großem Fuß lebt, problematisch sein kann.

Bei unserer Recherche nach XXL-Rennrädern stießen wir auf insgesamt fünf Modelle. Dass es nicht mehr wurden, liegt daran, dass einige der in den Katalogen aufgeführten Jumbo-Modelle seit Mai schon nicht mehr lieferbar waren. Auch das ist eine Erkenntnis: Wegen kleiner Stückzahlen sind große Räder mitunter früh ausverkauft. Längere Lieferzeiten sind also einzukalkulieren. Vom niederländischen Hersteller Koga bekamen wir statt des nicht mehr lieferbaren Rades in Größe 66 das nächstkleinere in Größe 63 – auch das geht mit 60 Zentimetern Oberrohrlänge noch als Riesenrad durch.

Obwohl die Auswahl klein ist, deckt das Quintett ein breites Spektrum ab. Drei Modellen mit Aluminium-Rahmen stehen zwei Carbonrenner gegenüber, zwei Versandräder treffen auf drei Modelle, die via Fachhandel vertrieben werden. Die Preisspanne reicht von 1.500 bis 6.500 Euro. Vier der fünf Räder sin Baukastenräder, die nach Kundenwunsch ausgestattet werden. Letzteres ist gerade für große Kunden interessant, die oft spezielle Anforderungen an die Ausstattung stellen.

KURZ & KNAPP

Fünf XXL-Renner mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet Red Bull. Solvente Technik-Liebhaber finden ihr Traumrad bei Storck. Simplon präsentiert sich durchdacht und erfreulich leicht. Den größten Serienrahmen in Größe 66 liefert Koga (auch wenn am Test der drei Zentimeter kleinere Bruder teilnimmt). Bei Canyon ist die Geometrie nicht konsequent zu Ende gedacht.

Großer Rahmen, langer Vorbau: 125 Millimeter – wie hier bei Simplon – sind bei den XXL-Rennern das Minimum

46 Zentimeter breiter Lenker für Breitschultrige (bei Canyon).

Klassisch gespeichte Laufräder wie bei Red Bull sind für schwere Fahrer eine sichere Wahl

Manuel Jekel am 20.08.2010
    Anzeige
  • Branchen News
    Anzeige
  • Das könnte Sie auch interessieren