Specialized S-Works Roubaix Specialized S-Works Roubaix

Neuheiten 2020: Specialized S-Works Roubaix

Specialized launcht neues Roubaix

Manuel Jekel am 10.04.2019

Future-Shock-2.0-Federung mit einstellbarem hydraulischem Dämpfer am Lenker, aerodynamischer Rahmen, elf Größen, zwei Geometrie-Varianten: Beim neuen Roubaix sparte Specialized nicht mit Innovationen. Ebenso wichtig für den Erfolg des Rades dürfte aber sein, dass es richtig chic geworden ist

Über die Roubaix-Baureihe von Specialized lässt sich viel Positives sagen. Das erste Roubaix von 2004 war das erste Rennrad, das explizit für ambitionierte Hobbyradsportler statt, wie bis dahin üblich, für Radprofis entwickelt wurde. Mit seiner im Vergleich zu Profirädern entspannten Sitzposition und weiteren Details, die den Fahrkomfort in den Mittelpunkt stellen, wurde das Rad zum Vorbild für das boomende Genre der Marathonrenner. Außerdem führte Specialized beim Roubaix immer wieder spannende Innovationen ein, zuletzt das Federsystem Futureshock mit bis zu 20 Millimetern Federweg am Lenker.

Eines allerdings war über das Roubaix nur selten zu hören: Dass es ein besonders schönes Rennrad ist. Die Formsprache war immer exzentrisch und umstritten. Bestes Beispiel dafür: Die Cobble-Gobble-Sattelstütze mit ihrer Schwanenhals-Optik, die zwar spürbar den Federkomfort verbesserte, optisch aber immer befremdlich wirkte.

Bei der neusten Roubaix-Generation, die jetzt im westflämischen Kortrijk vorgestellt wurde, verzichtete Specialized auf Extravaganzen wie die Cobble-Gobble-Stütze. Das Rad ist deutlich geradliniger gezeichnet als sein Vorgänger, erinnert an den populären Allrounder Tarmac und wirkt deutlich dynamischer als bisher. Was nicht zuletzt daran liegt, dass der Rahmen seinen letzten Schliff im Windkanal erhielt. Laut Specialized soll das Roubaix sogar windschnittiger sein als das aktuelle S-Works Tarmac SL6.

Die wichtigste technische Innovation des Vorgängers hat Specialized auf das neue Roubaix übertragen: Das Futureshock-Federelement zwischen Vorbau und Lenklager für bis zu 20 Millimeter Federweg am Lenker. Allerdings wurde das System, das nun "Futureshock 2.0" heißt, verfeinert und so effektiv getarnt, dass es kaum als Federung erkennbar ist. Der Rückschlag der Spiralfeder wird nun hydraulisch gedämpft. Wie stark, lässt sich durch einen Drehregler, der über dem Vorbau sitzt, auch während der Fahrt individuell einstellen. Statt wie bisher unter einem Faltenbalg sitzt das Federelement unter einem Elastomer-Überzug, der kaum von einem etwas höheren Distanzring zu unterscheiden ist. Allerdings bleibt Futureshock 2.0 nur den Topversionen S-Works und Pro vorbehalten; bei den günstigeren Roubaix-Varianten Comp und Sport kommt ein "Future-Shock 1.5"-System zum Einsatz, das ähnlich funktioniert wie beim Vorgängermodell und auf eine hydraulische Dämpfung verzichtet.

Auch bei der Federung am Heck knüpften die Entwickler an das Vorgängermodell an. Die Pavé-Sattelstütze, die beim neuen Modell ein aerodynamisches Profil erhielt, sitzt in einem Sitzrohr, das am oberen Ende einen größeren Durchmesser hat als die Stütze selbst. Die Klemmung der Stütze sitzt 65 Millimeter unterhalb des Oberrohrs. Diese Lösung verlängert die effektive Auszugslänge der Stütze, die auf diese Weise deutlich besser federn kann.

Interessant ist auch, worüber das neue Roubaix nicht verfügt. Die Entwickler widerstanden der Versuchung, alle Leitungen zu integrieren, wie das zuletzt bei immer mehr Highend-Rennrädern zu sehen war. Auch wurde auf eine eigene Lenkerlösung verzichtet. Trotz Futureshock passt am Roubaix jeder normale Vorbau – und damit auch jeder normale Rennlenker. Dass die Leitungen für Bremsen und Schaltung deshalb sichtbar bleiben, hören Mechaniker vermutlich genauso gerne wie, dass alle Roubaix-Modelle über ein wartungsfreundliches und leicht austauschbares BSA-Gewinde-Tretlager verfügen.

Statt wie bisher in sieben ist das neue Roubaix in elf Größen von 44 bis 64 Zentimeter lieferbar, darunter neben acht Ausführungen mit langstreckentauglicher Sitzposition drei Größen (53, 57, 59 cm) mit rennmäßiger Sitzposition. Letztere sind allerdings nur als teure S-Works-Variante und nur als Rahmen-Set erhältlich. Vorbei sind damit die Zeiten, als Specialized seine Profi-Teams mit Spezialanfertigungen des Roubaix mit Renngeometrie belieferte, die nicht im Handel erhältlich waren.

Das neue Roubaix ist ab sofort in neun Ausstattungsvarianten erhältlich. Der Einstieg beginnt mit dem Roubaix Sport mit 105-Gruppe von Shimano. Am oberen Ende der Palette rangieren zwei S-Works-Varianten mit Dura-Ace-Di2-Gruppe von Shimano beziehungsweise der neuen eTap AXS-Schaltgruppe von SRAM. Preislich besonders attraktiv ist das Roubaix Comp Sagan Collection mit mechanischer Ultegra-Gruppe von Shimano für 3.999 Euro. Für die beiden S-Works-Varianten werden jeweils 11.199 Euro fällig.

Manuel Jekel am 10.04.2019