Rennräder

Idworx Road Marathon (Einzeltest)

Matthias Borchers am 20.12.2009

Das ”Road Marathon” von Idworx ist ein Rennrad für viele Gelegenheiten.

Nein – als ein ausgesprochenes Winterrennrad sehe er das “Road Marathon” trotz serienmäßig montierter Schutzbleche und komplett gekapselter Brems- und Schaltzüge nicht, sagt Gerrit Gaastra. Eher als Sorglos-Rad für den täglichen Einsatz bei jedem Wetter – und damit als Sportgerät, wie es für 90 Prozent aller Rennradler eigentlich ideal wäre, fügt der seit vielen Jahren in Bonn lebende Niederländer hinzu. Dass Gaastra einmal Fahrradhersteller würde, wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. Sein Urgroßvater gründete 1904 die Marke Batavus, seine Eltern bauten ab 1974 die Marke Koga Miyata auf. Gaastra selbst arbeitet seit Mitte der 1990er Jahre als Berater in der Rad-Branche. Nebenbei entschloss er sich im Jahr 2000 zur Gründung von Idworx. Die Marke wurde in wenigen Jahren zum angesagten Premium-Label für Trekkingräder. Das Erfolgsrezept: komfortable, zuverlässige Räder mit hohem Design-Anspruch. Diesem Ansatz folgt auch das “Road Marathon”, das erste Rennrad von Idworx.

Mit langem Steuerrohr und relativ kurzem Oberrohr zielt es auf Fahrer, die gerne entspannt sitzen. Ein relativ langer Radstand – nötig, um Platz fürs Schutzblech und ausreichende Fußfreiheit zu schaffen – und ein flacher Lenkwinkel erzeugen eine Laufruhe, die eingefleischte Rennradler durchaus als zu behäbig empfinden könnten. Allerdings gewöhnt man sich schnell an das Lenkverhalten, das betont auf guten Geradeauslauf getrimmt ist. Was dauerhaft bleibt, ist die Freude an der kommoden und zugleich sicheren Fahrt. Brüchigen Asphalt und holperige Boden wellen bügelt dieses Allwetter-Rennrad platt, ohne dass es dem Fahrer durch Mark und Bein fährt. Trotzdem ist das Fahrverhalten nie schwammig – im Gegenteil: Dank hoher Steifigkeitswerte des sauber verarbeiteten Alu-Rahmens ist das Rad extrem fahrstabil.

Maßgeblichen Anteil am Fahrkomfort leisten die leichten “Ultremo R”-Reifen von Schwalbe, die Idworx als erster Hersteller in der neuerdings lieferbaren Breite mit 28 Millimetern montiert. Dabei geht das hohe Dämpfungsvermögen der voluminösen Gummis nicht zu Lasten des Vortriebs: Breite Reifen rollen bei gleichem Luftdruck und sonst gleichem Aufbau grundsätzlich besser als schmale. Daraus folgt im Umkehrschluss: Mit etwas geringerem Druck – wir fuhren das Rad mit 5,5 bis 6 bar – lässt sich der Komfort spürbar steigern, ohne dass der Rollwiderstand über Gebühr ansteigt. Die edle, gut dämpfende Titan-Sattelstütze von USE sowie die leichte Lenker- Vorbau-Kombination von Syntace steigern den Komfort zusätzlich.

Qualitätsbewusst auch die übrige Ausstattung: Stabile, handgebaute Laufräder drehen sich um hochwertige Naben von DT-Swiss; die funktional guten Bremsen von Cane Creek gehören zu den wenigen Modellen, die genug Platz für die breiten Reifen und die eleganten Schutzbleche des belgischen Herstellers Curana lassen, die Gaastra extra für das “Road Marathon” anfertigen lässt. Shimanos “Ultegra”-Schalthebel bieten hohen Schaltkomfort, die Dreifach-Kurbel von Truvativ, die bei der größten Rahmengröße in der seltenen Länge von 180 Millimetern montiert wird, bietet für jedes Terrain die passende Übersetzung. Angesichts des Entwicklungsaufwands für all die Sonderlösungen erscheint der hohe Preis von 2.950 Euro für das “Road Marathon” in einem anderen Licht.

Größtes Manko des Rades: die zunächst nur vier Rahmengrößen. Gerrit Gasstra hat aber in Aussicht gestellt, die Größenpalette im nächsten Jahr zu erweitern.

Web: www.idworx-bikes.com

*Testrad-Rahmengröße gefettet; **projiziertes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr/Sattel- Steuer rohrüber höhung bei 75 cm Sitzhöhe (Mitte Sattelgestell–Oberkante Steuersatzdeckel); ***bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 und Gabelschaftlänge 225 mm; ****in die Note fließen weitere Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nicht abdrucken können. Die Ausstattung geht bei Kompletträdern mit 60 Prozent in die Endnote ein.

Ganzheitliches Komfort-Konzept: 28 Millimeter breite Ultremo-Reifen von Schwalbe steigern den Fahrkomfort, die eleganten Schutzbleche schützen vor Nässe

Perfektion im Detail: durchgehend ummantelter Schaltzug und Kettenfänger am Sitzrohr

Matthias Borchers am 20.12.2009
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