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Günstige Rennräder für Einsteiger: Test der Schnäppchen

Rennräder unter 800 Euro im Test

Jens Klötzer am 02.11.2018

An Rennrädern für 600 Euro ist alles dran, was es zum Fahren braucht. Aber bereiten solche Modelle auch Freude? Wir haben fünf Flitzer zwischen 600 und 750 Euro getestet. Außerdem: Die günstigen Schaltgruppen von Shimano im Überblick

B’TWIN Triban 520
Preis: 599 Euro; Gewicht: 10,2 Kilo

B'Twin Triban 520

Das Schnäppchen des Sportdiscounters Decathlon konnte schon im Einzeltest in TOUR 11/2017 überzeugen. Auch im Vergleich mit teureren Konkurrenten etablierter Fachhandelsmarken braucht sich das 599 Euro günstige Rad nicht zu verstecken, es ist eine gelungene Basis für vielfältige Einsatzzwecke. Auf dem sehr steifen Rahmen sitzt man für Rennradverhältnisse sehr aufrecht, Lenker und Sattel sind überaus bequem. An Rahmen und Gabel sind Ösen integriert, um Schutzbleche bzw. einen Gepäckträger befestigen zu können. Gabel und Hinterbau lassen außerdem Platz für bis zu 32 Millimeter breite Reifen – vom robusten Alltagsrad bis zum entspannten Tourenrenner ist alles möglich. Das Übersetzungsspektrum der Sora-Schaltung mit Dreifach-Kurbel und neun Ritzeln ist riesig, es bietet mit sehr kleinen Gängen vor allem Reserven an steilen Anstiegen. Allerdings empfinden Anfänger die Bedienung von drei Kettenblättern oft als kompliziert. Kritik müssen sich die etwas schwachen Bremsen gefallen lassen. Das relativ hohe Gewicht muss man in dieser Preisklasse fast immer hinnehmen.

GIANT Contend 3
Preis: 700 Euro; Gewicht: 9,8 Kilo

Giant Contend 3

Mit der Contend-Reihe will Giant preisbewusste und komfortorientierte Fahrer ansprechen. Der steife Rahmen ist überraschend leicht; wegen der schweren Alu-Gabel kann das Rad davon aber nicht profitieren und kratzt knapp an der Zehn-Kilo-Marke. Auch auf dem günstigsten Rad der Modellreihe sitzt man für Rennradverhältnisse ziemlich aufrecht; Shimanos Claris-Getriebe deckt eine große Bandbreite ab, im ersten Gang hilft sogar ein 34er- Ritzel über die Berge. Die Sprünge von Gang zu Gang sind aller- dings vergleichsweise groß. Um Kosten zu sparen, wird die Schaltung mit einer günstigen FSA-Kurbel und Felgenbremsen von Tektro kombiniert; beide Alternativen konnten jedoch nicht überzeugen. Die Kurbel mit veraltetem Vierkant-Tretlager lässt das geschmeidige Schaltverhalten von Shimano-Kettenblättern vermissen; die Bremsen fühlen sich weniger direkt an und haben auch etwas weniger Biss. Ändern würden wir auch die Reifen, die für ein Rad mit diesem Anspruch sehr schmal ausfallen. Von diesen kleinen Abstrichen abgesehen, rollt das Rad gut, Lauf- räder und Anbauteile sind unspektakulär, erfüllen aber ihren Zweck. Ein weiteres Argument für das Giant ist die lebenslange Garantie auf Rahmen und Gabel.

CUBE Attain
Preis: 749 Euro; Gewicht: 9,5 Kilo

Cube Attain

Dass das Cube als teuerstes Rad den Test gewinnt, ist für sich genommen keine große Überraschung. Bemerkenswert ist, wie groß auch der gefühlte Abstand zu den anderen Rädern ist. Hätte man die Komponenten nicht vor Augen, könnte man denken, man säße auf einem doppelt so teuren Modell – vom hohen Gewicht und der geringeren Gangzahl abgesehen, funktioniert alles so gut wie an einem Ultegra-Rad. Technisch überzeugt vor allem das Rahmen-Set: Es ist fast ein Kilo leichter als die Schwergewichte von Scott oder Serious, modern designt, und es wirkt mit innenverlegten Zügen aufgeräumt. Man sitzt zumindest in tiefster Lenkerposition noch relativ sportlich, auch das wendige Fahrverhalten vermittelt ein unverfälschtes Rennrad-Gefühl. An Sattel und Lenker gibt es wenig auszusetzen, die Hebel der Claris-Schaltung liegen so gut in der Hand wie ihre teureren Pendants. Zwar verfügt das Ensemble nur über acht Ritzel, aber diese sind schlau zusammengestellt: Zu sieben relativ eng abgestuften Kränzen gesellt sich ein sprichwörtlicher "Rettungsring" mit 32 Zähnen, der über schwere Anstiege hilft.

SCOTT Speedster 50
Preis: 649 Euro; Gewicht: 10,6 Kilo

Scott Speedster 50

Das günstigste Scott Speedster 50 basiert auf einem einfachen, schweren Alu-Rahmen, der nur bei diesem Modell verwendet wird; dazu ist ein auf dem deutschen Markt recht selten anzutreffender Tourney-Siebenfach-Antrieb montiert. Die Sitzposition ist sehr aufrecht, Lenker und Sattel sind durchaus bequem. Den mäßigen Komfort von Rahmen und Gabel machen die breiten Reifen wieder etwas wett. Das hohe Gewicht von fast elf Kilo verleiht dem Rad im Vergleich zu den anderen eine gewisse Schwerfälligkeit. Die Tourney-Hebel mit vor dem Lenker verlaufenden Schaltzügen liegen längst nicht so gut in der Hand wie die Schaltbremsgriffe der höherwertigen Shimano-Gruppen; Der scharfkantige, kleine Daumenschalthebel stört, wenn man die Hände auf die Griffhöcker legt; vom Unterlenker aus lässt er sich überhaupt nicht erreichen. Die sieben Ritzel sind grob abgestuft, was vor allem in den oft benutzten, mittleren Gängen den Fahrspaß trübt. Insgesamt überzeugt das Rad trotz des günstigen Preises deshalb nicht. Die bessere Wahl dürfte das nur 50 Euro teurere Speedster 40 sein, das einen moderneren Rahmen mit innenverlegten Zügen und eine Claris-Schaltung vorweisen kann – womit es schon eher in der Liga des Testsiegers spielt.

SERIOUS Valparola Comp
Preis: 600 Euro; Gewicht: 10 Kilo

Serious Valparola Comp

Die Eigenmarke des Internethändlers fahrrad.de tritt mit einem 600 Euro günstigen Flitzer an, der nicht nur auf den ersten Blick richtig sportlich daherkommt. Die gestreckte Sitzposition trifft den Geschmack echter Rennfahrer, auch die eng abgestufte Neunfach-Kassette passt zum sportlichen Anspruch. Leichte Gänge für steile Anstiege sucht man allerdings vergebens. Auch beim Fahrgefühl darf man nicht allzu viel Komfort erwarten: Die relativ kurz aus dem Rahmen gezogene Stütze flext wenig, und die gerade mal 21,5 Millimeter schmalen Reifen verstärken den harten Eindruck. Immerhin lässt das Rad deutlich breitere Pneus zu, und der montierte Sattel ist sehr bequem. Dass ein Rad in dieser Preisklasse so betont sportlich abgestimmt ist, kommt eher selten vor. Die meisten anderen Hersteller sehen in der Zielgruppe überwiegend Radler, die noch wenig Übung haben oder selten auf dem Rad sitzen und deshalb deutlich aufrechter sitzen wollen. Wer sich als Ausnahme von dieser Regel betrachtet, kann das Valparola mit besseren Reifen und anderer Übersetzung aber durchaus fit für erste Rennabenteuer machen.

Shimano: Die Gruppen im Überblick

Der japanische Hersteller Shimano ist mit großem Abstand weltweit Marktführer bei Schaltungen und Bremsen für Rennräder. An der Spitze in Preis und Qualität steht die Top-Gruppe Dura-Ace als erste Wahl für Profiräder; darunter folgen Ultegra und 105, die bei Hobbyfahrern am weitesten verbreitet sind. Die Tiagra wird an Rennrädern um 1.000 Euro montiert. Für Rennräder, die deutlich weniger als 1.000 Euro kosten, hat Shimano noch drei weitere Schaltungen im Programm – wir erklären, was sich hinter den Bezeichnungen verbirgt.

SORA
Neunfach-Schaltung mit Kompakt- oder auf Wunsch auch Dreifach-Kurbel. Funktioniert und fühlt sich an wie die teureren Gruppen, die wesentliche Einschrän- kung sind die nur neun Ritzel am Hinterrad. Massive Alu-Kurbel mit Hollowtech-II-Standard, die Bremsen sind verwindungssteif und technisch auf aktuellem Stand, nur die Bremsbeläge weniger bissig. Ritzel- pakete sind von 12–25 bis 11–30 Zähnen erhältlich; auch Kassetten, die den Einschränkungen für Jugendrennen entsprechen, sind verfügbar (13–25 oder 14–25). Im Test an B’Twin Triban 520, Serious Valparola Comp

CLARIS
Preiswerte Gruppe im modernen Shimano-Design mit acht Ritzeln und wahlweise Zweifach-Kompakt- oder Dreifach-Kurbel. Technisch weitgehend vergleichbar mit der Sora, aber mit einem Ritzel weniger und etwas schwereren Teilen. Es gibt eine große Auswahl an Kassetten mit eng abgestuften Ritzeln von 12–25 Zäh- nen bis zu weit gespreizten 11–34; letztere benötigt das optional angebote Schaltwerk mit langem Käfig. Im Test an Cube Attain, Giant Contend 3

TOURNEY
Günstigste Rennrad-Gruppe von Shimano mit sieben Ritzeln und wahlweise zwei oder drei Kettenblättern. Die relativ klobigen Schalthebel entsprechen dem alten Shimano-Design mit frei vor dem Lenker verlaufenden Schaltzügen. Ein schlecht zu bedienender kleiner Daumenhebel dient zum Schalten auf kleinere Ritzel bzw. Kettenblätter. Dafür weisen die Hebel eine ein- fache mechanische Ganganzeige auf. Die Kurbeln gibt es nur im Vierkant-Standard, daher sind sie nur für Rahmen mit BSA-Gewinde geeignet. Rennbremsen gibt es für die Gruppe nicht; kombiniert werden meistens Shimano-Bremsen ohne Zuordnung zu einer Gruppe oder Modelle von Fremdanbietern wie Tektro. Im Test am Scott Speedster

Jens Klötzer am 02.11.2018