Rennräder

Einzeltest: FRM Black Hole HC

Kuehn am 30.11.2008

Das ”Black Hole HC” zeichnet sich aus durch Individualität und Leichtigkeit. Doch hat FRM sein Entwicklungsziel in punkto Gewicht und Fahrsicherheit nicht erreicht.

Früher zog Franco Ricci Mingani mit Musterkoffer durch die ganze Welt und versuchte, schwere Steine mit schönen Mustern an den Mann zu bringen. Der Italiener aus der Emilia Romagna war nämlich Fliesenverkäufer. Heute ist Mingani Kopf der Tuningschmiede FRM und beschäftigt sich mit leichten Rennrädern, Mountainbikes und Anbauteilen. Der Auslöser für seine Wandlung vom Fliesen- zum Fahrradverkäufer war eine Geschäftsreise Ende der 1980er-Jahre in die USA. Dort sah er, wie waghalsige Typen mit seltsam aussehenden Fahrrädern mit dicken Stollenreifen im Gelände fuhren. Es war die Boomzeit des Mountainbikes. Mingani kündigte seinen Vertreterjob, wurde Unternehmer, gründete seine eigene Firma und baute mit Freunden Mountainbikes, Naben und Sattelstützen, später auch Rennräder.

Heute ist FRM einer der wenigen Hersteller weltweit, der bis auf Schaltgruppe, Reifen und Speichen ein komplettes Rennrad bauen kann. Zudem ist FRM einer der wenigen Carbonanbieter aus Italien, der vor Ort seine eigenen Rahmen aus zuvor selbst gewickelten Carbonrohren baut. Weitaus bekanntere Marken wie beispielsweise Pinarello lassen längst in Fernost produzieren.

Daher waren die TOUR-Tester gespannt, was das Testrad von FRM zu bieten hat: Vom “Blackhole HC” war lediglich das sehr leichte Gesamtgewicht des Rades von exakt sechs Kilogramm bekannt, wobei der Carbonrahmen allein mit weniger als 900 Gramm angepriesen wurde. Über die Bauweise des Rahmens berichtete FRM, dass man doppelwandige Rohre mit einer dazwischenliegenden Struktur nach dem Vorbild einer Honigwabe verwende. Daher das Kürzel “HC” im Namen, abgeleitet vom englischen “Honeycomb”. Laut Hersteller soll diese Konstruktion dem Rahmen eine besondere Steifigkeit verleihen. Neben fünf Standardgrößen gibt es jeden Rahmen ohne Aufpreis als Maßfertigung.

Eine Besonderheit ist die Verwendung von zwei Sattelklemmen am Rad. Während eine wie üblich den Schaft der Sattelstütze mit dem unüblichen Schaftmaß von 34,9 Millimetern im Sitzrohr klemmt, dient Nummer zwei als Klemme, um die Vorbau-Lenker-Einheit auf dem Gabelschaft verdrehsicher zu fixieren. Vorbau und Lenker bestehen übrigens anfangs aus zwei Einzelteilen, die nach Kundenwunsch in einer bestimmten Position mit einem Carbonsack überzogen und so untrennbar verbunden werden. Eigene Wege gehen die Italiener auch bei der Klemmung von Sattelstütze mit der aus einem Stück laminierten Sattelschale: Zwei Metall-Schellen klemmen zwei Metall-Halbschalen, die wiederum das integrierte Carbon-Sattelgestell halten. Sehr filigran wirken die Alu-Carbon- Naben der FRM-Hochprofil-Laufräder, in denen sich winzige Kugellager drehen. Um das Ganze optisch aufzupeppen, haben die Italiener alle Metallteile am “Black Hole” entweder blau oder golden eloxiert, womit sie deutlich im Kontrast zu allen Carbon-Bauteilen stehen.

Ausgestattet war das FRM mit der Topgruppe “Red” von SRAM – allerdings nur teilweise: Schaltwerk, Ritzelpaket, Umwerfer, Kette und Schaltbremsgriffe stammen von SRAM; Kurbelgarnitur, Innenlager und Bremsen tragen das FRM-Logo. Ob und wie die einzelnen Komponenten miteinander harmonieren würden, haben wir auf unserer Standard- Testrunde überprüft. Bleibende Eindrücke hinterließen dabei vor allem die Bremsen und die Schalteigenschaften an den vorderen Kettenblättern. War die Fuhre inklusive 80-Kilo-Pilot erst einmal beschleunigt und man versuchte, mit einem beherzten Griff zu bremsen, wanden sich die kleinen Bremsärmchen zwar sichtbar, doch langsamer wurd’s kaum. So nahmen wir die erste Kurve in der Abfahrt zwangs läufig mit neuem Topspeed und fixierten bei den folgenden Kurve sicherheitshalber frühere Bremspunkte.

Bergauf testeten wir das Zusammenspiel von SRAM-Umwerfer und -Kette mit den FRM-Kettenblättern in der Kompaktversion mit 34/50 Zähnen. Auffällig widerwillig kletterte die Kette beim Schaltimpuls unter Last vom kleinen aufs große Kettenblatt. Dies liegt vor allem an den kaum vorhandenen Schalthilfen, wie sie bei Standard-Kettenblättern von Campa, Shimano und SRAM üblich sind.

Insgesamt wirkte das “Black Hole” während der Fahrt nicht hunderprozentig flattersicher. Nach einem Schlag gegen das Steuerrohr bei Tempo 50 beruhigte sich der Rahmen erst wieder nach drei vier Schwüngen. Das bestätigen im übrigen die miedrigen Steifigkeitswerte aus dem Testlabor. Für Rahmen und Gabel liegen diese deutlich unter Durchschnitt, womit FRM sein Entwicklungsziel verfehlt hat. Ansonsten gefiel das FRM aber durch neutrales Fahrverhalten, und bergauf ist dem Renner seine Leichtigkeit positiv anzumerken. Nachgewogen lag der Rahmen allerdings bei mehr als einem Kilogramm – statt der versprochenen “weniger als 900 Gramm”.

Beim Durchfahren von Schlaglöchern war immer wieder ein Knacken aus dem Klemmbereich des Sattels zu hören. Dies ist zurückzuführen auf zu geringe Klemm kräfte der Sattelklemmung.

Fazit: Das “Black Hole HC” zeichnet sich aus durch Individualität und Leichtigkeit. Doch hat FRM sein Entwicklungsziel in punkto Gewicht und Fahrsicherheit nicht erreicht. Sammler und Fans italienischer Radbaukunst sowie leichte Bergflöhe werden Spaß an diesem Rad haben. Athletische Fahrer, Sprintertypen oder preisbewusste Radler, suchen sich besser etwas anderes.

PLUS: leicht; eigenständiges Design

MINUS: geringe Fahrstabilität, Brems- und Schaltfunktion unter Durchschnitt

*Testrad-Rahmengröße gefettet;

**projiziertes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr/Sattel-Steuerrohrüberhöhung bei 75 cm Sitzhöhe (Mitte Sattelgestell–Oberkante Steuersatzdeckel);

***bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 und Gabelschaftlänge 225 mm;

****in die Note fließen weitere Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nicht abdrucken.

Fotos: Markus Greber

Vorbau und Lenker sind untrennbar verbunden

Kuehn am 30.11.2008
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