Cannondale strikes back: Mit dem „SuperSix“ will die US-Marke in der Top-Klasse Cannondale strikes back: Mit dem „SuperSix“ will die US-Marke in der Top-Klasse
Rennräder

Einzeltest: Cannondale Super Six

holmgrein am 23.01.2008

Cannondale als Synonym für Alu-Rahmen – das war einmal. Als einer der letzten Oberklasse-Anbieter ist nun auch die US-Marke auf den Carbon-Zug aufgesprungen. Nach dem 2005 eingeführten Mittelklasserenner “Synapse” ist das “SuperSix” das zweite Modell der Amerikaner mit Vollcarbonrahmen – und das erste für die oberste Preisklasse.

Cannondale als Synonym für Alu-Rahmen – das war einmal. Als einer der letzten Oberklasse-Anbieter ist nun auch die US-Marke auf den Carbon-Zug aufgesprungen. Nach dem 2005 eingeführten Mittelklasserenner „Synapse“ ist das „SuperSix“ das zweite Modell der Amerikaner mit Vollcarbonrahmen – und das erste für die oberste Preisklasse. Der Einstiegspreis für das nur als Komplettrad lieferbare „SuperSix“ liegt bei 3.999 Euro mit Ultegra-Ausstattung und Ksyrium-Elite-Laufrädern von Mavic.

Die hier gezeigte Version mit Dura-Ace- Bremsen und -Schaltung, Ksyrium-ESLaufrädern und Cannondales SI-Kurbeln kostet 5.999 Euro – und die Version in Liquigas-Team-Lackierung mit Campa-Record-Gruppe abgehobene 9.999 Euro! Preise, die Cannondale mit überlegener Technik des Rades begründet.

Bei genauem Hinsehen zeigt sich, an wem sich das Team um Chef-Entwickler Chris Peck dabei orientiert hat. Das großvolumige Steuerrohr, das eine ebenso üppig dimensionierte Gabel aufnimmt, deren Schaft sich nach oben vom Lagermaß 1,5 Zoll auf 1-1/8 Zoll verjüngt, erinnert an Canyons „F10“. Zierliche Sitzstreben lassen Cervélos „R3“ als Vorbild erkennen. Auf unserem Prüfstand konnte das „SuperSix“ überzeugen – mit kleiner Einschränkung.

Nicht vielen Herstellern gelang es bisher, hohe Lenkkopfsteifigkeit mit nennenswertem Federkomfort am Sattel zu paaren. Offenbar ist das Konzept der dünnen Sitzstreben, die vertikale Nachgiebigkeit am Heck bewirken, sinnvoll. Etwas inkonsequent ist vor diesem Hintergrund allerdings die Auslegung der Gabel, die zu den steifsten zählt, die wir bislang gemessen haben. Insbesondere leichten Piloten fahren Unebenheiten im Asphalt da schon mal heftig in die Arme.Von uns empfohlenes Gegenmittel: eine Umrüstung auf 25-Millimeter-Pneus.

Den Fahrspaß trübt das unnachgiebige Steuerinstrument allerdings kaum. Zielsicher lässt sich das Rad durch jede Kurve steuern, mit jedem Meter wächst das Vertrauen ins Fahrgestell. Besonders gut fühlt es sich an, wenn man aus dem Sattel geht. Kein Jota weicht das Tretlager aus. Unterstützt wird dieser Eindruck durch das steife SI Tretlager mit Kurbeln und Welle aus Aluminium, das gut 60 Gramm leichter ist als eine Dura-Ace-Kurbel. Mit normierten 1.102 Gramm in Größe 57 ist der „SuperSix“-Rahmen nach heutigen Maßstäben nicht superleicht. Durch den Gewichtsbonus der Kurbeln reduziert sich zwar etwas der Rückstand zu Rivalen wie „Scott Addict“ und „Cervelo R3“, deren Rahmensets bei minimal niedrigeren Steifigkeitswerten etwa 250 Gramm leichter sind. Doch wer gehofft hatte, Cannondale würde mit dem neuen Modell zumindest die Ein-Kilo-Marke knacken, könnte etwas enttäuscht sein. Doch dies ist eine rein technische Diskussion, die im Sattel des „SuperSix“ schnell vergessen ist. Bei nur 6,85 Kilo Gesamtgewicht lässt das Rad nichts an Agilität vermissen – und allzu leicht vergessen, wie teuer der Fahrspaß bezahlt sein will.

PLUS: extrem fahrstabil, spürbarer Komfort am Sattel, viele Größen

MINUS: teuer, unkomfortable Gabel

Bezug/Info: Cannondale Europe, Telefon 0041/61/4879380, www.cannondale.com

Preis: 5.999 Euro

Gewicht Komplettrad: 6.850 g (ohne Pedale)

Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager (Rahmenset): 1.080/391/96 g

Normiertes Gewicht Rahmenset**: 1.598 g

Rahmengrößen: 48, 50, 52, 54, 56, 58, 60, 63 Zentimeter

Sitz-/Lenkwinkel: 73,5°/73°

Radstand/Nachlauf: 993/55 mm

Rahmenhöhe/Überhöhung***: 160 mm

AUSSTATTUNG

Gabel: Cannondale SuperSix

Lenklager: Cannondale, oben 1-1/8, unten 1,5 Zoll

Schaltung und Bremsen: Shimano Dura-Ace

Tretlager: Cannondale SI, 50/36 Zähne

Laufräder/Reifen: Mavic Ksyrium ES/Vittoria Diamante Pro Light

Lenker/Vorbau: FSA K-Force Carbon/FSA OS 115

Sattel/-stütze: Fizik Arione Titanio/ FSA K-Force light 31,6 mm

MESSWERTE

Lenkkopfsteifigkeit: 96 Nm/°

Seitensteifigkeit Gabel: 54 N/mm

Tretlagersteifigkeit: 65 N/mm

Komfort Rahmen: 269 N/mm

Komfort Gabel: 102 N/mm

*Gesamt- wie Teilnoten werden auf eine Stelle hinterm Komma gerundet angegeben. Für ihre Berechnung sind jedoch zwei Stellen hinterm Komma maßgeblich; **bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 und Gabelschaftlänge 225 mm; ***projiziertes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr/Sattel-Steuerrohrüberhöhung bei 75 cm Sitzhöhe (Mitte Sattelgestell-Oberkante Steuerrohr)

(Fotos: Geissler, Grewel)

holmgrein am 23.01.2008
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