Cube Agree GTC Pro (links) und Cube Agree SL (rechts) Cube Agree GTC Pro (links) und Cube Agree SL (rechts)
Rennräder

Einzeltelst: Cube Agree GTC Pro gegen Cubre Agree SL

Kuehn am 11.03.2010

Das Modell ”Agree” ist Cubes Verkaufsschlager, egal ob aus Aluminium oder Carbon. Aber: Welches von beiden ist besser?

Was für Volkswagen der ,Golf‘, ist für Cube das ,Agree‘”, hebt Claus Wachsmann, Marketing-Manager bei Cube Bikes, die Bedeutung des Mittelklasse-Renners zum Preis von 1.700 Euro hervor. Bereits seit 1998 gibt es das Modell, bis 2004 ausschließlich auf Basis eines Aluminium-Rahmens mit dem Namenszusatz “SL”. Seit fünf Jahren steht dem die Carbon-Variante unter gleichem Namen mit dem Zusatz “GTC Pro” zur Seite.

Für das Modelljahr 2010 hat Cube nun beide Modelle komplett überarbeitet: Beim Aluminium-Modell wurden, abgesehen vom jetzt etwas stärker abfallenden Oberrohr auch die Rohrquerschnitte verändert. Das Oberrohr ist im Bereich des Sitzrohrs deutlich queroval statt wie bisher rund, während das Unterrohr ein tropfenförmiges Profil zeigt. Das Verfahren, das angewendet wurde, nennt sich Hydroforming: Die Rohre werden mit sehr hohem Wasserdruck in Form gepresst. Schalt- und Bremszüge können nun in den Rohren verlegt werden, wodurch das Rad sehr aufgeräumt wirkt. Wesentlich filigraner als früher sind die zum Sitzrohr hin querovalen Sitzstreben beim neuen Alu-Agree, die dem Rahmen mehr Komfort verleihen sollen.

Das Carbon-Agree profitiert laut Cube von den Erfahrungen aus der Produktion des Top-Modells “Litening HPC”, was man an der ähnlichen Linienführung erkennen kann. Im Inneren soll ein ver besserter Faser-Belegungsplan die Faltenbildung an der Innenseite des in Monocoque-Bauweise hergestellten Rahmens verringern. Da gleichzeitig der Harzanteil im Carbongewebe reduziert wurde, wiegt der aktuelle Agree “GTC Pro” weniger als das Vorjahresmodell.

Beiden Rahmenvarianten gemein ist der neue Innenlager-Standard “Press-Fit”, bei dem die Lager von außen ins verbreiterte Gehäuse eingepresst werden, sowie das konische Steuerrohr, bei dem sich der Gabelschaft oben in einem herkömmlichen 1-1/8-Zoll-Steuerlager und unten in einem 1-1/2-Zoll-Lager dreht. Das soll im Ergebnis eine noch höhere Lenkkopfsteifigkeit bringen als zuvor. Mit Erfolg: Beide Modelle sind gut zehn Prozent steifer als ihre Vorgänger. Als Gabel verwenden beide Modelle eine Easton “EC 70 SL CNT Carbon”.

Der kleine große Unterschied

Während man weder dem Alu- noch dem Carbon-Agree ihre technischen Feinheiten ansehen kann, zeigt sich der Hauptunterschied im Erscheinungsbild: Der Alu-Renner verbirgt die Schweißnähte der Rohre unter einem korrosionsbeständigen, schwarzen Eloxal-Kleid, während das Carbon-Pendant mit fließenden Formen und einer sauber aufgetragenen Lackschicht aufwartet.

Erwartungsgemäß deutlich fällt der Unterschied bei der Ausstattung aus. Der Carbonrahmen ist in der Herstellung teurer und frisst somit einen großen Teil des Gesamtbudgets von 1.700 Euro schon auf. Hier trumpft das “SL” mit einer lupenrein verbauten “Ultegra”-Gruppe von Shimano auf sowie hochwertigen Komponenten von Syntace und einem Mittelklasse-Laufradsatz von Easton mit Top-Reifen von Schwalbe. Beim “GTC Pro” muss man dagegen einige Abstriche hinnehmen: Bremsen wie Kurbelgarnitur entstammen der günstigen “Gossamer”- Linie von FSA ebenso wie Sattelstütze, Lenker und Vorbau. Gleichstand herrscht zwar bei der Bereifung, der Radsatz jedoch ist das günstigste und relativ schwere Einstiegsmodell von Fulcrum.

Was das bloße Auge den beiden Rahmen-Sets nicht ansieht, macht unser Labortest transparent. In den Kategorien Fahrstabilität und Kraftübertragung liefern sich die Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf Top-Niveau. “SL” wie “GTC Pro” erreichen ein Sehr Gut und präsentieren sich auch beim Komfort ebenbürtig, beide Kandidaten erhalten hier eine 2,7. Ein Verwirrspiel liefern die Gabeln: Mit gleicher Typenbezeichnung und äußerlich baugleich, sind sie unterschiedlich schwer (zwölf Gramm Differenz) und unterschiedlich steif. Die leichtere der beiden erzielt bei der Seitensteifigkeit mit einer 2,0 eine deutlich bessere Note als ihre “schwerere” Schwester mit 2,7 – unkomfortabel sind wiederum beide. Interessant der Gewichtsvergleich: Der Carbonrahmen ist 110 Gramm leichter als der Alu-Rahmen, das preiswertere Ausstattungspaket des “GTC Pro” aber 600 Gramm schwerer, was den Vorteil des Carbonrahmens komplett zunichte macht und auch das Komplettrad am Ende ein Pfund schwerer als das Alu-Cube.

Preis-Leistungs-Sieger Alu

Im Fahrtest überzeugen beide Modelle mit absolut sicherem Fahrverhalten; kein noch so abruptes Lenkmanöver bei Top-Speed kann die beiden Cubes aus der Ruhe bringen, als Pilot fühlt man sich stets souverän. Das Lenkverhalten ist bei beiden Rennern neutral, die Sitzposition sportlich bis komfortabel. Das “GTC Pro” wirkt aufgrund der etwas schwereren Laufräder minimal behäbiger. Größere Unterschiede lassen sich vor allem zwischen den Antriebsgruppen ausmachen. Die FSA-Bremsen beim GTC fühlen sich etwas teigiger an und sind weniger gut dosierbar als die Ultegra-Stopper; das Schaltverhalten der Ultegra-Kettenblätter ist präziser als bei der FSA-Variante. Dem Trend zu mehr Fahrkomfort folgt der “Compact- Lenker” von FSA am Carbon-Agree, was unseren Testern gefiel. Leichte Schläge gab’s vom Hinterrad des Alu-Renners, weil der montierte “Ultremo R” einen Höhenschlag hatte.

Beide Agrees schlagen sich insgesamt gut, Carbon gewinnt knapp die Rahmenwertung, Aluminium dafür deutlich die Ausstattungswertung, was schließlich zum Gesamtsieg im internen Duell führt. Vielfahrer und Radler die einen Mehrwert in hochwertigeren Komponenten sehen, finden im “SL” den passenden Begleiter. Piloten, die auf Carbon stehen, nehmen lieber den “GTC Pro” – und dafür ein Funktionsdefizit in Kauf, das sie später beheben können, wenn sie ihren Renner mit hochwertigeren Teilen tunen.

Web: www.cube.eu

CUBE AGREE GTC PRO

CUBE AGREE SL

 

*Herstellerangaben, Testrad-Rahmengröße gefettet; **projiziertes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr/STR (Stack to Reach), Erklärung ab Seite 26; Werte zwischen 1,45 und 1,55 bezeichnen eine sportliche Sitzposition, Werte darunter rennmäßig, darüber komfortabel; ***bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 und Gabelschaftlänge 225 mm; ****in die Note fließen weitere Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nicht abdrucken können. Die Ausstattung geht bei Kompletträdern mit 60 Prozent in die Endnote ein.

Fotos: Daniel Kraus

Cube Agree GTC Pro

Cube Agree SL

Press-Fit 1: Beim „SL“ nutzt Cube das breitere Innenlager-Gehäuse, um die Schaltzüge komplett zu integrieren. Der Schaltzug fürs hintere Schaltwerk verläuft sogar weiter durch die rechte Kettenstrebe und tritt erst kurz vorm Ausfallende aus.

Press-Fit 2: Durch eingepresste Lager konnte man den Tretlager bereich beim „GTC Pro“ voluminös konstruieren und scharfe Kanten vermeiden. Die Schaltzüge verlaufen außen.

Kuehn am 11.03.2010
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