Mit aerodynamisch optimierten Rahmen von Straßenrädern lassen sich in vielen Situationen Sekunden gut machen Mit aerodynamisch optimierten Rahmen von Straßenrädern lassen sich in vielen Situationen Sekunden gut machen
Rennräder

Aero-Räder 2011

Manuel Jekel, Robert Kühnen am 20.02.2011

Schneller dank Aero-Rahmen? Im weltweit ersten Windkanal-Test hat TOUR untersucht, was aerodynamisch optimierte Straßenrennräder wirklich bringen. Sieben Kandidaten von 3.500 bis 10.000 Euro stellen sich der Prüfung.

Die Behauptung klingt kühn: 58 bis 75 Sekunden pro Stunde – so viel Zeitgewinn gegenüber einem Rennrad mit Rundrohrrahmen verspricht Radhersteller Felt für seinen Aero-Renner AR 0. Rund eine Minute schneller pro Stunde – im Spitzensport sind das Welten, für starke Jedermänner auch nicht zu verachten. Sollte die Rechnung stimmen, sähen klassisch geformte Rennräder plötzlich ganz schön alt aus. Und Felt ist weder der erste noch der einzige Hersteller, der neuerdings auf Aerodynamik als Verkaufsargument setzt. Cervélos Soloist darf als Begründer dieses Trends gelten, inzwischen haben weitere Anbieter nachgezogen – und sicher werden andere folgen. Heißt es also Abschied nehmen von der Vorstellung, dass das beste Rennrad “nur” leicht, steif und komfortabel muss? Zählt jetzt bei normalen Straßenrennern auch die Aerodynamik? Ganz abwegig erscheint dies nicht. Schließlich ist und bleibt der Luftwiderstand der größte Gegner des Radfahrers. Bis zu 80 Prozent seiner Leistung muss ein Fahrer investieren, nur um ihn zu überwinden. Das Hinterhältige daran: Die zur Überwindung des Luftwiderstands notwendige Leistung wächst mit der Geschwindigkeit in der dritten Potenz – doppeltes Tempo erfordert achtfache Leistung! Da scheint es nur konsequent, auch die aerodynamische Qualität des Rades zu untersuchen. Schließlich können bei Top-Speed im Rennen selbst kleinste Vorteile den Unterschied zwischen Sieg und Platz zwei ausmachen.

Andererseits muss man Aussagen wie der von Felt mit Skepsis begegnen. Im Gegensatz zu klar umgrenzten Körpern wie Autos sind Fahrräder aus aerodynamischer Sicht messtechnisch extrem schwer zu fassen. Ein anderer Fahrer, andere Laufräder, eine andere Rahmengröße – schon ändert sich der cw-Wert, der die aerodynamische Qualität eines Körpers beschreibt. Verbindliche Aussagen über Zeitvorteile sind daher kaum zu treffen. Jedes Messergebnis gilt nur für die jeweils gemessene Konfiguration von Fahrer und Rad. Dazu kommt, dass der Rahmen innerhalb des Gesamtsystems aus Fahrer und Rad nur einen kleinen Einfluss auf die Aerodynamik hat, während allein der Fahrer etwa 75 Prozent zum Gesamtwiderstand beiträgt. Trotz dieser diffusen Ausgangslage ist es natürlich spannend, wie groß der Einfluss auf die Aerodynamik denn nun ist. Höchste Zeit also für den ersten vergleichenden Windkanaltest, der die wichtigsten Fragen klärt: Welche Vorteile in Watt bieten aerodynamische Rahmen gegenüber Rundrohrrahmen? Und welche Kompromisse gehen die Hersteller dafür in Hinblick auf Gewicht, Steifigkeit und Komfort eventuell ein? Nach unseren Erfahrungen aus dem vergangenen Windkanaltest von Zeitfahrrädern (TOUR 2/09->) war klar: Um reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen, kommt nur ein Versuchsaufbau mit Fahrer-Dummy in Betracht. Ein lebender Fahrer verursacht zu viele Messfehler, weil selbst kleinste Bewegungen und Positionsänderungen das Ergebnis beeinflussen. Da passende Dummys nicht von der Stange zu haben sind, stand vor den Messungen der Bau eines Testpiloten.

Die Testergebnisse finden Sie unten im PDF-Download.

Der Kern des neuen Kollegen besteht aus Hartschaum, der mit Glasfaser überzogen wurde. Größe: 1,80 Meter, Luftwiderstandsbeiwert cwA: 0,32. Das entspricht rund 300 Watt für 40 km/h auf der Straße mit Rundrohrrahmen.

Eine luftige Halle: die Dresdner Windkanalanlage von oben

Fotos: Markus Greber, Daniel Kraus, Robert Kühnen

Manuel Jekel, Robert Kühnen am 20.02.2011
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