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Gravelbike kaufen: die besten Tipps

Gravelbike kaufen: das muss man beachten

Manuel Jekel/Kristian Bauer am 03.07.2020

Ob auf Asphalt, Feld- oder Waldwegen: Das Gravelbike ist das Rennrad für alle Fälle und damit gerade schwer angesagt. Was ist beim Kauf zu beachten? Worauf kommt es beim Rahmen an? Was ist bei der Ausstattung wichtig?

Was ist ein Gravelbike?

Was genau ein Gravelbike ist, ist nirgends geregelt. Einig sind sich die Hersteller nur darüber, dass Gravelbikes einen Rennlenker, breitere Reifen (ab 37 Millimeter), Scheibenbremsen und eine Schaltung haben, die auch leichte Gänge für steile Anstiege im Gelände bereithält. Die Sitzpositionen und der von den Herstellern anvisierte Einsatzbereich sind jedoch sehr unterschiedlich. Von ihrem Urahn, dem klassischen Cross-Rennrad, haben sich viele Gravelbikes inzwischen weit entfernt.

>>>Was unterscheidet ein Gravelrad von einem Rennrad oder Cyclocrossrad?<<<

Wofür brauche ich ein Gravelbike?

Der Reiz der  Radgattung ist, dass sie sich auf keinen Einsatzzweck richtig festlegen lässt. Als Trainingsgerät für die flotte Feierabendrunde ist das Gravelbike genauso geeignet wie fürs Pendeln zur Arbeit, kurze Wochenend-Trips, lange Radreisen und Bikepacking-Abenteuer. Dieser Universalansatz trifft ganz offensichtlich einen Nerv.

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Flex im Sitzrohr, zahlreiche Montage-Optionen fürs Bikepacking: Das GT Grade Carbon Experte ist ein Paradebeispiel für die Einsatzbreite von Gravelbikes. Den kompletten Test von 10 Modellen bis 2.300 Euro finden Sie hier.

Rahmen aus Alu oder Carbon?

Weil sich der Werkstoff frei formen lässt, kann ein Rahmen aus Carbon komfortabler abgestimmt werden als einer aus Alu. Für einen Alu-Rahmen wiederum spricht neben dem Preisvorteil: Er ist vor allem robuster. Ein Sturz oder Kettenklemmer verursacht maximal eine Beule im Rohr oder einen Kratzer – bei einem Carbonrahmen kann es im ungünstigen Fall zum Totalschaden führen.

>>>Günstige Gravelbikes mit Alurahmen im Test<<<

>>>Gravelbikes mit Carbonrahemn im Test<<<

Welche Gruppe brauche ich?

Rennrad-Gruppen (105/Sora etc.)
Im Prinzip sind Straßengruppen wie die Shimano 105 auch für Räder, die nicht ausschließlich auf Asphalt gefahren werden, eine prima Wahl. Ihre Scheibenbremsen sind super, die Schaltung ist präzise und leichtgängig. Weil die 105-Schaltung serienmäßig keine extrem leichten Gänge erlaubt, die bei steilen Anstiegen im Gelände sinnvoll sein können, kombinieren viele Hersteller die Schaltung mit Kurbeln von anderen Herstellern als Shimano. Damit sind im ersten Gang auch kleinere als 1:1-Übersetzungen möglich.

Shimano GRX
Shimanos GRX-Gruppe ist für ein breites Übersetzungsspektrum inklusive leichter Berggänge ausgelegt. Die Versionen für 2 x 11-Antriebe sind mit den Kettenblattabstufungen 48/31 und 46/30 Zähne lieferbar. In Verbindung mit einer Kassette mit 11 bis 36 Zähnen ist damit sogar eine extreme Untersetzung möglich. Kompliziert ist es die Qualität der GRX einzuordnen, weil die Gruppe etliche unterschiedliche Varianten unterschiedlicher Qualität bietet. Einfach gesagt zeigt die höhere Zahl die gehobenere Variante an. Beispiel: die Kurbel FC-RX810 ist leichter und doppelt so teuer wie die Kurbel FC-RX600. Auch die Schalthebel ST-RX810 sind teurer als die ST-RX600.

<<Noch mehr Infos zur Gravelgruppe GRX finden Sie hier.>>

SRAM eTap AXS
Sram bietet mit der eTap AXS eine elektronische Gruppe an, die an hochwertigen Gravelbikes zu finden ist. Die 12-fach-Schaltung bietet ein großes Übersetzungsspektrum. Parallel zur Variante mit Scheibenbremsen ist die Force eTap AXS auch mit Felgenbremsen, wahlweise mit klassischer oder Direct-Mount-Befestigung, erhältlich. Die Gruppe ist sowohl für 2-fach-Antriebe als auch für 1-fach-Antriebe konzipiert.

Sram Red eTap AXS

Sie Sram Red eTap AXS liefert im Vergleich zur herkömmlichen eTap eine größere Bandbreite, kleine Sprünge zwischen den Gängen, wiegt allerdings auch mehr. Hier geht's zum Praxistest der Gruppe.

<<Die eTap AXS im TOUR-Test.>>

Campagnolo Ekar
Eine Schaltgruppe, speziell für Gravelbikes, mit 13 mechanisch geschalteten Gängen. Damit setzen sich die Italiener an die Spitze der Entwicklung hin zu Antrieben mit nur einem Kettenblatt, denn: Mehr Ritzel bedeuten kleinere, harmonischere Sprünge zwischen den Gängen, ohne dass die Übersetzungsbandbreite leidet. Zur Wahl stehen drei Abstufungen mit 9-36, 9-42 und 10-44 Zähnen. Den rechten Ergopower-Schaltbremshebel kennzeichnet ein neu designter und aus allen Griffpositionen sehr gut erreichbarer Daumenschalter. Rauf können bis zu drei Gänge auf einmal geschaltet werden, runter geht’s Gang für Gang.

Classified
Das innovative Getriebe des belgischen Start-ups Classified will das Beste aus zwei Welten verbinden: Die vielen, eng gestuften Gänge einer Zweifach-Kettenschaltung mit der Robustheit und einfachen Bedienung eines Einfach-Antriebs bzw. einer Getriebenabe. Die clevere Kombination aus Ketten- und Nabenschaltung bietet 22 Gänge – mit nur einem Kettenblatt. Das zweistufige Planetengetriebe in der Hinterradnabe wird per Bluetooth-Signal aus dem Schalthebel betätigt. Das elektromechanische Meisterstück feierte in Ridleys Gravelrenner Kanzo Fast Premiere, inzwischen rüstet beispielsweise auch Rose sein Gravelbike Backroad mit dem Antrieb aus.
 

Wie viele Gänge brauche ich?

Ob ein Einfach-Antrieb ausreicht (also eine Schaltgruppe ohne Umwerfer - mit nur einem Kettenblatt an der Kurbel), hängt vom Fahrertyp und vom Einsatzgebiet ab. Ein Vorteil liegt darin, dass man nur noch einen Schalthebel bedienen muss. Zudem fällt der Umwerfer als potenzielle Störquelle weg. Der Nachteil von Einfach-Antrieben ist, dass die Übersetzungssprünge zwischen den Gängen bei 11-fach-Antrieben relativ groß ausfallen. Bei 12- oder 13-fach Antrieben (Campa Ekar) sind diese Sprünge deutlich kleiner.

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Das Merida Silex verdeutlicht die im Vergleich zum Straßenrennrad aufrechtere Sitzposition von Gravelbikes.

Welche Laufräder?

Grundsätzlich fährt sich ein Fahrrad mit leichten Laufrädern agiler und beschleunigt flotter. Deutlich stärker wirken sich aber die Reifen auf die Fahr-Eigenschaften aus.

Schlauchreifen, Clincher, Tubeless

Verschiedene Reifentypen im Schnittbild: Schlauchreifen (englisch Tubular) haben bessere Notlaufeigenschaften, doch die Montage ist aufwendig. Am verbreitetsten sind Clincher-Reifen, Tubeless gewinnt beim Rennrad zunehmend an Bedeutung

Welche Reifen brauche ich?

Eine allgemeine Empfehlung ist schwierig, weil man den Reifen je nach Terrain wählen sollte, auf dem man das Rad überwiegend bewegt: Reifen mit feinem Diamantprofil funktionieren am besten auf Asphalt, während  Reifen mit ausgeprägtem Stollenprofil sich auf weicheren Böden wohlfühlen. Ein breiterer Reifen bietet mehr Komfort. An den meisten Rädern finden sich derzeit 37 bis 40 Millimeter breite Reifen. Mittelfristig dürfte der Trend bei Gravelbikes sogar zu noch breiteren Pneus gehen.

<<Im Test: 12 Tubeless-Reifen fürs Gelände.>>

Eine Überlegung kann es  sein, mit Tubeless-Reifen zu fahren. Tubeless-Reifen werden, wie man das von Autos kennt, ohne Schlauch gefahren. Sie erfordern spezielle Felgen, die an allen Rädern montiert sind. Gerade am Gravelbike bietet die Tubeless-Technologie große Vorteile: weniger Gewicht, besserer Pannenschutz, mehr Komfort und mehr Haftung. Außerdem reduziert die fehlende Reibung zwischen Schlauch und Reifenwand den Rollwiderstand. Dem steht zwar eine kompliziertere Erstmontage gegenüber. Die Vorteile sind jedoch speziell bei Fahrten im Gelände so deutlich spürbar, dass es sich unbedingt lohnt, Tubeless-Reifen auszuprobieren.

Respekt vor der Tubeless-Montage? Kein Problem: Mit unserer How-to-Videoanleitung können auch Einsteiger auf Tubeless wechseln.

Wo soll ich ein Gravelbike kaufen?

Kaufe ich mein Rad im Fachhandel? Oder bestelle ich es bei einem Internetanbieter, von denen mit Canyon und Storck zwei im Test vertreten sind? Bei Fachhändlern kann man meist verschiedene Räder Probe fahren. Sie beraten bei der Größe, bieten manchmal Bikefitting und sind erster Ansprechpartner für Service und Reparaturen. Internetmarken wie Canyon, Rose und Storck sind dagegen Hersteller und Händler in einem. Daher können sie ihre Räder meist günstiger anbieten als Fachhandelsmarken. Dafür müssen sich Käufer um vieles selbst kümmern, etwa die richtige Größe herauszufinden oder ihr Rad nach Lieferung selbst zusammenzubauen und einzustellen. Ein weiteres Problem: Manche Händler lehnen es ab, Räder von Versandmarken zu reparieren. Wer sich nicht zutraut, sein Rad selbst zu warten, sollte sich nach einem Händler in seiner Nähe umschauen, der auch Räder von Versandmarken zum Service annimmt.

Unser XXL Gravel-Spezial mit detaillierten Noten, allen Gewichten und Beschreibungen zu Gravelbikes, Gravelschuhen und Gravelreifen finden Sie im Gravel-Spezial auf 48 Seiten aus TOUR 05/2021. Es ist unten im Download für 4,99 Euro oder in der TOUR App (für iOS und Android) erhältlich.

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Manuel Jekel/Kristian Bauer am 03.07.2020
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