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Einzeltest: Canyon Grizl CF SL 8

Neues Gravelbike von Canyon: Mehr Gravel mit dem Grizl!

Jens Klötzer am 09.06.2021

Canyon präsentiert das neue Grizl als weiteres geländetaugliches Rad mit Rennlenker – Cross- und Gravel-Interessenten können nun beim Koblenzer Versender aus etlichen Rahmen mit zig Ausstattungsvarianten wählen. Was für das Grizl spricht, haben wir im Test herausgefunden

Schon früh im Gravel-Boom positionierte sich Canyon 2018 mit einem Bike, das sich nicht nur aufmerksamen Marktbeobachtern regelrecht in die Netzhaut brannte. Das auffällige Design des Grail CF mit dem markanten Doppeldecker-Lenker, der mehr Federkomfort am Oberlenker vermitteln soll, polarisiert bis heute. Dass dieses Gravelbike nicht den Massengeschmack trifft, lässt sich für Canyon aus heutiger Sicht sogar als Erfolg werten. Schließlich war die Marke dadurch in aller Munde. Aber auch bei den Verkäufen blieb das Rad – zumindest nach Aussage der Koblenzer – nicht hinter den Erwartungen zurück. Es scheint also genügend Radler zu geben, denen das spezielle Design gefällt. Dass das Grizl nun als weiterer Canyon-Spross das Gravel-Segment ergänzt, ist also zumindest erklärungsbedürftig. Ein Teil dieser Erklärung dürfte in der Konstruktion des Grail CF liegen – der Lenker ist eben doch nicht jedermanns Sache, dazu kaum verstellbar und im Falle eines Falles ein sehr teures Ersatzteil – sowie in der Konzeption der Modellreihe. Denn es gibt zwar auch ein Grail mit konventionellem Lenker, aber das spielt mit Aluminium-Rahmen und deutlich einfacher ausgestattet mindestens zwei Ligen tiefer als das Carbon-Grail. Da war also eine Lücke erkennbar für Interessenten, die ein leichtes, hochwertiges und gleichzeitig unkompliziertes Gravelbike suchen und nicht zu Canyons betont rennmäßigem Carbon-Crosser Inflite greifen wollen. Und so tritt auf: das neue Grizl.

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Bereit für grosse Bikepacking Abenteuer

Das Grizl CF SL 8 präsentiert sich als vergleichsweise simples und robustes Rad, das auch den Geschmack weniger extrovertierter Radler treffen dürfte. Auf den ersten Blick wirkt es denn auch fast nüchtern: mit einer gängigen und gefälligen Formensprache ohne viel Firlefanz, dazu ein klassisch geklemmter Lenker aus Alu und eine runde Sattelstütze. Auffällig sind höchstens die mit 45 Millimetern recht breiten Reifen, die das Rad noch geländegängiger machen als das Grail CF, das maximal 42 Millimeter breite Pneus verkraftet. Auch betont das Grizl seine Eignung fürs Bikepacking deutlich konsequenter als Canyons bisherige Graveller. Ösen für einen dritten Flaschenhalter unter dem Unterrohr sind ebenso vorhanden wie für eine Oberrohrtasche oder für Gepäck an der Gabel. Der Taschen-Spezialist Apidura fertigt für das Grizl ein spezielles Bikepacking-Set, das für Mehrtagestouren allerdings knapp bemessen ist. Natürlich lassen sich auch andere und größere Taschen an dem Rad befestigen – allein die Gabelholme können drei Kilogramm Gepäck auf jeder Seite tragen. Auch Schutzbleche sind vorgesehen, sie passen sogar noch um die serienmäßigen 45er-Reifen.

Souverän auf grobem Gravel

Gespannt waren wir auf unsere Labor- und vor allem auf die Fahrtests des Grizl. An den TOUR-Prüfständen zeigt sich schnell, dass das Grizl zumindest im Vergleichstest unseres Gravel-Spezials (TOUR 5/2021) mit dem Testsieger gleichgezogen hätte: Mit der Gesamtnote 1,7 hätte es sich in der gezeigten Variante den ersten Platz mit dem ähnlich teuren Cube Nuroad SL geteilt. Zwar wiegt das Canyon gut 600 Gramm mehr, was vor allem an den schwereren Laufrädern mit breiteren Reifen liegt. Allerdings punktet es mit beeindruckendem Komfort – zum einen eine Folge der breiteren Reifen, zum anderen aufgrund der bewährten Canyon-Blattfeder-Sattelstütze, die auch am Grizl verbaut ist.

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Die tief geklemmte Federstütze nimmt groben Schlägen die Spitzen.

Konservative Optik - Innovatives technisches Design

Im Sattel gefällt das Rad sofort mit fahrwerksähnlicher Federung, die schnellen Schlägen spürbar die Spitzen nimmt. Die hochwertigen Schwalbe-Tubeless-Reifen rollen gut und geben im Schotter viel Halt. Der Luftdruck lässt sich weit senken, sodass sich auch Matsch- und Wurzelpassagen sicher anfühlen. Mehr noch: Im Grizl sind bis zu 50 Millimeter breite Reifen auf den serienmäßigen 28-Zoll-Laufrädern möglich, womit sich der Einsatzbereich noch weiter in Richtung Gelände verschieben ließe. Größere Reifenfreiheit bieten derzeit nur Gravelbikes, die mit Einfach-Antrieb ohne Umwerfer auskommen oder sich auf das kleinere 650B-Laufradmaß umrüsten lassen. Diese Kniffe sind beim Grizl nicht nötig. Kleinere Laufräder sind lediglich für die beiden kleinsten Rahmengrößen vorgesehen, um kleinen Menschen sinnvolle Proportionen zu bieten.

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Die heruntergezogene Kettenstrebe lässt Raum für 50-Millimeter-Reifen und zwei Kettenblätter.

Wer vom Grizl allerdings eine anfängertaugliche und komfortable Langstrecken-Geometrie erwartet, wird enttäuscht. Die Sitzposition fällt ähnlich sportlich aus wie auf dem Grail und liegt zwischen Canyons Wettkampf-Rennrad Ultimate und dem Marathon-Modell Endurace. Auch das Lenkverhalten ist keineswegs träge, sondern lässt durchaus eine sportliche Gangart zu. Insofern passt das Rad gut ins Canyon-Portfolio und ist womöglich genau das, was manche Fans bislang vermissten: ein einfaches, sportliches und vielseitiges Gravelbike, das auch mal Abenteuer in anspruchsvolleres Gelände erlaubt. Die Top-Varianten mit leichterem SLX-Rahmen werden mit SRAM Force eTap oder Campagnolos Ekar-Schaltung 4.599 beziehungsweise 4.499 Euro kosten. Das Grizl CF SL beginnt mit einfacher GRX-Ausstattung schon bei 1.999 Euro. Wer einen noch günstigeren Einstieg sucht, muss noch etwas warten: Eine Alu-Variante ist bereits angekündigt.

Das Canyon Grizl CF SL 8 im Detail

Preis: 2.799 Euro

Gewicht: 9,2 Kilogramm

Rahmengrößen: 2XS, XS, S, M, L, XL, XXL

AUSSTATTUNG

Antrieb: Shimano GRX 810 (48/31, 11-34 Z.)

Schaltung: Shimano GRX 810

Bremsen: Shimano GRX 810 (160/160 mm)

Laufräder/Reifen: DT Swiss G 1800 Spline/Schwalbe G-One Bite 45 mm

Den vollständigen Test mit detaillierten Noten und Messwerten zu Gewicht, Steifigkeit und Ausstattung finden Sie unten zum Download für 0,99 Euro.

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Jens Klötzer am 09.06.2021
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