Sprint Sprint

So funktioniert ein Sprint im Radsport

Taktik: Zielsprint bei der Tour de France

Robert Kühnen am 07.06.2018

Radsport ist Mannschaftssport. Nirgends wird dies deutlicher als bei der Vorbereitung eines Sprintfinales. Wir erklären wie der optimale Sprint abläuft.

Ein Sprinterteam funktioniert wie eine mehrstufige Rakete, die den schnellsten Mann Richtung Ziel katapultiert. Das Vorarbeit folgt einer festen Choreografie, die oft schon über 100 Kilometer vor dem Zielstrich Struktur in das Renngeschehen bringt.

Kontrollieren – noch 100 Km ins Ziel

So funktioniert ein Sprint Tour de France

Drei Sprinterteams (rot, blau, grün) entsenden Controller an die Spitze des Feldes. Diese Fahrer kontrollieren mit ihrem Krafteinsatz den Abstand zu den Ausreißern, die sich früh vom Feld abgesetzt haben. Solange kein Sprinterteam klar dominiert, beteiligen sich meist mehrere Mannschaften an der Führung. Faustformel: 1 Minute pro 10 Kilometer ist aufholbar. Das Tempo wird meist so dosiert, dass die Ausreißer erst rund 10 Kilometer vor dem Ziel gestellt werden. So bleibt das Geschehen leichter kontrollierbar.

Positionieren – noch 7 km

So funktioniert ein Sprint Tour de France

Die Ausreißer sind gestellt. Die Sprinterteams kämpfen um die vorderen Positionen im Feld. Entsprechend nimmt das Tempo zu. Das rote Team macht mit zwei Positionierern Druck, die die Aufgabe haben,  das Tempo bis rund 1.500 Meter vor dem Ziel kontrolliert so hoch zu schrauben, dass der eigene Zug an der Spitze bleibt und sich gegen das blaue Team behauptet.  Der beschützte Sprinter fährt sich in Position. Kurze harte Zwischensprints können notwendig sein, um diese Position zu verteidigen.

Tempo machen – noch 1.500 m

So funktioniert ein Sprint Tour de France

Der Tempomacher des roten Teams geht nach vorne und gibt für rund 500 Meter alles. Das Tempo soll bis zur 1.000-Meter-Marke auf knapp 60 km/h steigen, sodass sich kein anderes Team mehr am eigenen Zug vorbeischrauben kann. Für diesen Job werden gerne Tempofeste Zeitfahrer eingesetzt wie zum Beispiel Tony Martin. 

Beschleunigen – noch 1.000 m

So funktioniert ein Sprint Tour de France

Der Beschleuniger ist der vorletzte Mann vor dem roten Sprinter. Er übernimmt die Spitze unter dem Teufelslappen und fährt mit Augenmaß und dosiert einen langgezogenen Sprint über rund 400 Meter. Das Tempo steigt auf über 60 km/h, die Luft wird bei diesen Tempo gefühlt zur Wand. Das grüne Team fährt parallel seinen Mann in Position,  der sich noch in den Zug drängt.

Sprint anfahren – noch 600 m

So funktioniert ein Sprint Tour de France

Der Anfahrer des roten Teams lanciert den eigentlichen Sprint 600 Meter vor dem Ziel. Der Sprinter folgt in seinem Windschatten und muss dort nur etwa die Hälfte der Leistung treten, die an der Spitze erforderlich ist. In guten Teams ist der Anfahrer ein versierter Sprinter, der selbst einige Chancen in einem Massensprint hätte. Je hochkarätiger die Vorarbeiter sind, desto besser stehen die Chancen für den letzten Mann.

Sprinten - Mann gegen Mann – noch 200 m

So funktioniert ein Sprint Tour de France

Der Showdown.  Noch etwa 12 Sekunden bis zur Ziellinie. Der Sprinter muss die Vorarbeit seines Teams nun abschließen. Timing und Tempo entscheiden über den Erfolg. Je explosiver der abschließende Fahrer ist, desto schwieriger ist es für die nachfolgenden noch vorbeizukommen. Ein weniger explosiver Schlussmann benötigt eine möglichst hohe Anfahrgeschwindigkeit, um sicher die Spitze zu behaupten.

Robert Kühnen am 07.06.2018