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TOUR-News

Michael Rich hebt ab

Andreas Kublik am 30.08.2015

Ab ins Gelände: Michael Rich, Olympiasieger und dreimaliger Vize-Weltmeister im Zeitfahren, ist begeisterter Mountainbiker geworden: Am liebsten fährt er bergab und spricht von "Drops" und "Air time"

Zeit war für Michael Rich immer eine wichtige Kategorie: Als Radprofi war der Badener jahrelang die Referenz als Zeitfahrer – weltweit. Er feierte den Olympiasieg im Straßenvierer und war dreimal Vize-Weltmeister im Einzelzeitfahren. Inzwischen ist Rich 45 Jahre alt, schnell auf dem Rennrad zu fahren, das falle ihm mittlerweile schwer, sagt er im Gespräch während der Eurobike. Er spricht jetzt von "Air time", wenn er den Begriff Zeit verwendet. Rich hat, radsportlich betrachtet, die Bodenhaftung verloren, seit er das Mountainbiken für sich entdeckt hat. "Air time", das ist die Zeit, die man bei einem Sprung – am besten mitsamt Rad – in der Luft verbringt. Man findet Rich, der im Produktmanagement bei der Radmarke Canyon arbeitet, jetzt in seiner Freizeit öfter im Bikepark als auf der Straße. Seit einem Fahrtechnikkurs beim BIKE-Experten Stefan Herrmann ist er mit dem Bike-Virus infiziert. Er erzählt stolz von einem "Zwei-Meter-Drop", den er sturzfrei gestanden hat. Für alle Rennradfahrer, die mit dem Mountainbike-Sprech nicht vertraut sind: Das heißt, Rich hat sich aus zwei Meter Höhe auf dem Fahrrad in die Tiefe fallen lassen. 89 Kilo muss das Bike aktuell bei Rich wegfedern. Die Narben im Gesicht stammen übrigens alle aus dem Straßenradsport. Aktuell bildet sich der ehemalige Gerolsteiner-Profi als Mountainbike-Trainer fort, er will die B-Lizenz erwerben und künftig Kinder im Bike-Sport trainieren. Mit Jugendlichen auf die Straße zu gehen – das wäre ihm wegen des Verkehrs mit vielen aggressiven Autofahrern aktuell zu gefährlich.

Andreas Kublik am 30.08.2015