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Interview Emanuel Buchmann

Buchmann: Kapitänsrolle bei großer Rundfahrt und WM?

Andreas Kublik am 25.12.2017

Er ist aktuell Deutschlands bester Spezialist für schwere Rundfahrten: Emanuel Buchmann vom Team Bora-Hansgrohe. Vor der Saison 2018 stellte er sich den Fragen von TOUR

TOUR: Emanuel, wie fällt die Bilanz Ihrer dritten Profisaison aus?

BUCHMANN: Ich denke, ich habe mich letztes Jahr sehr gut entwickelt. Ich war von Anfang an richtig fit. Schon die Mallorca Challenge lief sehr gut. Bei Paris-Nizza bin ich leider gestürzt und bei Abu Dhabi (Abu Dhabi Tour) war ich krank – das war ein kleiner Rückschlag. Danach ging es steil bergauf: Baskenland-Rundfahrt, dann die Romandie, wo ich Dritter auf der Königsetappe und Zehnter der Gesamtwertung war. Und dann natürlich das Highlight bei der Dauphiné, wo ich in Topform sein sollte und auch wirklich meine beste Form hatte. Da war ich wirklich mit den Allerallerbesten auf einem Niveau. Wenn ich die Form dann nächstes Jahr bei einer großen Rundfahrt hinbekomm', ist da auch etwas möglich.

Für die Tour de France waren Sie als Helfer eingeplant. Nach dem Sturz und dem Ausscheiden von Kapitän Rafal Majka hatten Sie eine Leader-Rolle. Wie schwer war der Rollentausch?

Bei der Dauphiné war ich wirklich in Topform. Da war ich wirklich auf einem Niveau mit Froome, Bardet und den ganzen anderen. Bei der Deutschen Meisterschaft lief es noch sehr gut (Buchmann überließ im Ziel dem Teamkollegen Marcus Burghardt kampflos den Sieg; Anm. d. Red.), auch das erste Tour-Zeitfahren. Da war schon die Hoffnung da, dass bei der Tour mehr geht. Als ich dann freie Fahrt hatte und doch nicht mehr ganz die Leistung abrufen konnte – das war auch nicht ganz einfach. Ich hatte mir Hoffnung auf ein bisschen mehr gemacht. Aber im Nachhinein ist der 15. Platz natürlich auch noch mal eine Verbesserung zum Jahr davor.

Bei der Tour 2016 waren Sie im Gesamtklassement 21. Was nehmen Sie mit in die Saison 2018?

Darauf kann man aufbauen. Ich habe wieder viel gelernt. Ich habe allgemein Erfahrung gesammelt in einer Grand Tour – wie das abläuft, wie sich mein Körper verhält. Was wir nächstes Jahr anders machen müssen, damit ich bei der Tour in Topform bin und nicht schon davor.

Was wollen Sie verändern?

Das Höhentrainingslager ist ein sehr wichtiger Faktor bei mir. Ich denke, dass es wichtig ist, dass ich direkt vor einer großen Rundfahrt nochmal in die Höhe gehen sollte. 

Buchmann

Starker Auftritt: Emanuel Buchmann erreichte bei der Dauphiné-Rundfahrt Rang sieben und gewann das Weiße Trikot des besten Jungprofis

Sie haben als Ziel ausgegeben, dass Sie der Leader Ihres Teams bei einer der drei großen Rundfahrten – Giro, Tour oder Vuelta sein wollen. Ist schon besprochen, wo Sie die Chance bekommen?

Das ist noch nicht klar. Die Strecke der Vuelta ist noch nicht präsentiert worden (die Präsentation findet zu Jahresbeginn 2018 statt; Anm. d. Red.). Bis dahin ist noch keine finale Entscheidung gefallen.

Wissen Sie schon, ob Sie 2018 bei der Tour de France am Start stehen werden?

Auch das ist noch nicht besprochen.

Ende September findet in Innsbruck die Straßen-WM statt. Der Parcours ist für Kletterer gemacht. Ist das ein wichtiges Ziel für Sie im Jahr 2018?

Auf jeden Fall. In Deutschland gibt es ja nicht so viele Bergfahrer, die auf diesem Kurs konkurrenzfähig sind. Da werde ich dann wahrscheinlich auch die Käpitänsrolle haben. In Innsbruck hat meine Freundin studiert. Dort habe ich oft trainiert. Das ist quasi ein halbes Heimrennen für mich. Bei Olympia hat man ja auch gesehen, dass ich bei so langen und schweren Eintagesrennen vorne mitmischen kann (Buchmann belegt in Rio 2016 Rang 14, zeitgleich mit Christopher Froome; Anm. d. Red.)

Andreas Kublik am 25.12.2017