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Eddy Merck - Held seiner Generation Teil 2

Tim Farin am 17.06.2015

Im zweiten Teil haben wir vier Radsport-Experten um Ihren Kommentar zum 70. Geburtstag von Eddy Merckx gebeten.

Walter Godefroot

Der 71-Jährige Belgier ist den meisten noch als Teamchef des Team Telekom bekannt. Dass er auf dem Rad ein langjähriger Konkurrent von Eddy Merckx war, haben manche schon fast vergessen

"Jede Generation hat einen Superfahrer wie Anquetil und Hinault. Aber was Eddy Merckx von allen anderen unterschieden hat, ist der Ehrgeiz: Für ihn war selbst das kleinste Kriterium wichtig. Ein zweiter Merckx wird nicht kommen! Eddy ist noch heute einer der populärsten Belgier, die es gibt. Was ihn auszeichnet: Er war nicht nur ein guter Rennfahrer, sondern er ist auch ein guter, gemütlicher Mensch. Er steht immer zu Verfügung, er sagt nicht einfach nein. Wir waren nach unseren Karrieren noch lange geschäftlich in Kontakt: Bis zum ersten Jahr bei Team Telekom sind meine Teams immer Merckx-Räder gefahren. Vor ein paar Jahren hat mich Eddy noch mal gefragt, ob ich mit seiner Gruppe Rad fahren gehe. Aber ich fahre lieber allein und gemütlich. Nun habe ich schon seit ein paar Jahren keinen Kontakt mehr zu Eddy. Da ich denke, dass er alles hat, was er will, wünsche ich ihm noch lange gute Gesundheit."

Peter Leissl

Der 57-jährige Sportreporter arbeitet seit 1983 fürs ZDF, leitet seit 2001 die Sendung "ZDF Sport extra" und kommentierte für den Fernsehsender über zehn Jahre die Tour de France

"Paris, Champs-Elysées, Finale der Jubiläums-Tour 2003: babylonisches Stimmengewirr auf der internationalen Reportertribüne. Eher zufällig entdecke ich rechts neben uns Eddy Merckx als Co-Kommentator für das belgische Fernsehen. Ein Blick, ein Gedanke: Ich frage ihn, ob er kurz fürs ZDF zur Verfügung stünde. Prompt steht er auf, kommt zu uns, streift sich das Sprechgeschirr meines Kollegen Michael Pfeffer über und steht uns minutenlang Rede und Antwort. Spätestens seit diesem Erlebnis weiß ich: Eddy Merckx trägt zwar den größten Namen im Radsport, aber er ist ein sympathischer, unkomplizierter und nahbarer Mensch."

Wolfgang Renner

Der Gründer der Marke Centurion hat in den 1980er-Jahren das Mountainbike nach Deutschland gebracht; 1987 wurde seine Firma Generalimporteur der Eddy-Merck-Räder. Seitdem der inzwischen 68-Jährige ??? mit Merckx befreundet

"Menschlich verbunden hat uns die unstillbare Lust am Radsport. Mehrmals war ich Teil von Eddys legendärer Rennwoche, zu der er stets alte Weggefährten und Freunde einlud. Mit minutiös ausgearbeitetem Streckenplan und Begleittross samt Mechaniker ging es in wilder Fahrt etwa durch Korsika (siehe TOUR 7/88), ein anderes Mal durch die französischen Seealpen (TOUR 8/89). Da blieben dann schon Körner auf der Strecke ... Abends endete es in rauschenden Gelagen: Wir lachten, sangen belgische Gassenhauer und fühlten uns, als hätten wir gerade höchstpersönlich die Tour de France gewonnen. Diese freundschaftlichen "Rennen" gehören zu meinen schönsten Radsport-Erinnerungen überhaupt.
Leiden sah ich Eddy in Tibet. Dahin zog es ihn, als er die Diashow meiner Reise aufs Dach der Welt gesehen hatte. Dort kostete es ihn – wie uns alle – unendlich viel Kraft, in der dünnen Luft auf 4.500 Metern Höhe Rad zu fahren. Doch während die Kondition der anderen von Tag zu Tag abnahm, wurde er immer stärker! Am Ende der Reise fuhr er uns dann in Grund und Boden. Von dort stammt auch sein Satz: "Es sind nicht die Berge, die uns töten, es ist die Geschwindigkeit."
Ich kenne Eddy als Souverän, der lächelnd in sich ruht und aus dem tiefsten Keller seiner Persönlichkeit unglaubliche Kräfte mobilisieren kann. Ein geborener Chef. Und der beste Freund, den man sich nur verdienen kann!
Jetzt wird er 70, und ich bin sicher, dass er sein Leben auch weiterhin so führt, dass es ihm Freude macht, ihn erfüllt – und die beglückt, die ihm nahestehen. Das ist neben seiner Familie eine verschworene Schar von wahren Freunden, die füreinander wohl auch mit dem Rollator noch durch dick und dünn heizen würden. Alles Gute, Eddy!"

Tom Boonen

Der 34-Jährige gilt als bester belgischer Radsportler seit Eddy Merckx – obwohl er keine der großen Rundfahrten jemals gewonnen hat, dafür sieben Frühjahrsklassiker, sechs Tour-de-France-Etappen und drei WM-Titel. Unter anderem

"Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Eddy Merckx! Ich war auf seiner Geburtstagsparty, als er 65 wurde, und das war schon etwas Besonderes. Aber jetzt wird er 70 Jahre alt und ist immer noch gesund, gut in Form und gesellig – das ist wirklich erstaunlich. Ich bewundere ihn sehr und habe hoffentlich wenigstens zehn Prozent dessen, was ihn jetzt ausmacht, wenn ich mal so alt bin."

Eddy Merckx 70. Geburtstag

Zur Person

Eddy, eigentlich Edouard Louis Joseph Merckx, wurde am 17. Juni 1945 in Meensel-Kiezegem, Belgien, geboren. Seit 1996 trägt er den Titel eines belgischen Barons. Merckx gilt als der erfolgreichste Radsportler aller Zeiten. Merckx wurde 1964 Weltmeister der Amateure und avancierte im folgenden Jahr zum Profi. Er siegte 1969, 1970, 1971, 1972 und 1974 bei der Tour de France, beim Giro 1968, 1970, 1972, 1973 und 1974 – und bei der Vuelta ebenfalls 1973. Zudem gewann er siebenmal Mailand-San Remo, zweimal die Flandernrundfahrt, dreimal Paris-Roubaix, fünfmal Lüttich-Bastogne-Lüttich sowie die Weltmeisterschaften der Profis 1967, 1971 und 1974. Seine Karriere beendete Merckx 1978, ehe er 1980 seine eigene Rennradfirma gründete. Seine letzten Anteile an dem Unternehmen, verkaufte er vor zwei Jahren. Merckx ist seit Ende 1967 mit Claudine verheiratet. Die beiden haben zwei Kinder, Sabrina und Axel, der von 1993 bis 2007 ebenfalls Profi war.

Tim Farin am 17.06.2015
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