WM in Katar: Atemberaubende Skyline WM in Katar: Atemberaubende Skyline

Die Strecken der Straßen-WM 2016 in Doha/Katar

Auf qualmenden Reifen zum Regenbogentrikot

Konstantin Rohé am 08.10.2016

Der Kampf um die Titel beginnt: Bei der Straßen-WM vom 9. bis 16. Oktober in Doha/Katar zählen André Greipel, Marcel Kittel und John Degenkolb zu den Favoriten.

Brennende Hitze und mitunter tückische Winde – das sind die besonderen Herausforderungen bei der Straßen-WM in Katar (9.-16.10.2016). Wegen der zu erwartenden Temperaturen im Wüstenstaat ist der WM-Termin schon vom Weltverband UCI um drei Wochen auf Mitte Oktober verschoben worden. Angesichts der angekündigten 40 Grad behält es sich die UCI vor, die Strecken nach Rücksprache mit einem Expertenteam aus Ärzten kurzfristig zu verkürzen. 

Die entscheidenden Rennkilometer werden auf dem 15,2-Kilometerlangen Rundkurs auf der künstlich angelegten Insel "The Pearl" absolviert. Durch die ständigen Richtungswechsel sollte dem Wind im Finale des Rennens keine große Bedeutung zukommen. Vielmehr gilt es, sich bei der anstrengenden Anfahrt durch die Wüste noch genügend Kräfte zu sparen, um die vielen Tempowechsel auf dem kurvigen Rundkurs mitgehen zu können. Nicht weniger als 24 Kreisverkehre haben die Fahrer in jeder der acht Runden zu meistern. Trotz breiter Straßen ist auf dem Rundkurs somit Vorsicht geboten, vor allem wenn das Peloton noch geschlossen auf die letzten 100 Kilometer fahren sollte.

WM in Katar: Über 150 Kilometer durch die Wüste

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Stelldichein der Sprinter

Die deutsche Mannschaft zählt mit den Topsprintern André Greipel, Marcel Kittel und John Degenkolb zum engeren Favoritenkreis. "Es gewinnt nicht unbedingt der von der Papierform Schnellste, sondern wer durch gute Rennübersicht die meiste Kraft gespart und die taktische Marschrichtung am besten umgesetzt hat. Deswegen zählen auch Alexander Kristoff, Peter Sagan und Nacer Bouhanni für mich zu den großen Favoriten", betont der deutsche Nationalcoach Jan Schaffrath. Die Deutschen haben den Nachteil, aufgrund der Weltranglistenplatzierung (aktuell Rang zwölf) nur mit sechs statt der neun maximal möglichen Rennfahrer an den Start gehen zu dürfen. Neben Kapitän André Greipel (34, Lotto-Soudal) sowie den ebenfalls endschnellen Marcel Kittel (28, Etixx-Quick Step) und John Degenkolb (27, Giant-Alpecin) stehen der tempofeste Marcel Sieberg (34, Lotto-Soudal) und Zeitfahr-Ass Tony Martin (31, Etixx-Quick Step) im Aufgebot. Der sechste Startplatz geht entweder an Nils Politt (22, Katuscha) oder Jasha Sütterlin (23, Movistar).

Der designierte Teamkapitän Greipel muss sich in Doha großer Konkurrenz erwehren: Ex-Weltmeister Mark Cavendish (vier Tour-Etappensiege in dieser Saison), der frisch gekürte Europameister und Titelverteidiger Peter Sagan oder die endschnellen Allrounder Alexander Kristoff, Tom Boonen und Greg Van Avermaet hoffen alle auf einen Medaillengewinn. Der topfebene Kurs in Doha bietet jedenfalls beste Chancen für Sprinter. 

Aber auch im eigenen Team haben Schafftrath und der zweite Sportliche Leiter Andreas Klier weitere Trumpfkarten in der Hinterhand. Je nach Rennverlauf sind sicherlich auch Marcel Kittel und John Degenkolb als Siegfahrer einzustufen. Letzterer dürfte aber wohl nur aus einer kleineren Gruppe heraus ums Regenbogentrikot sprinten können. Sein Sieg beim Münsterland-Giro in der vergangenen Woche war indes ein weiteres Indiz für seine aufsteigende Formkurve nach dem Horror-Crash zu Saisonbeginn.

WM in Katar: Gefährliche Kreisverkehre

Einer der 24 Kreisverkehre auf dem WM-Rundkurs

Martin will zurück auf den Zeitfahrthron

Tony Martin reiste als erste deutscher Fahrer nach Doha und trainiert bereits seit einer guten Woche auf dem WM-Kurs, da er mit seinem Team Etixx-Quick Step schon am Sonntag (9.10.2016) im Mannschaftszeitfahren an den Start geht. Um sich schon vorab an die heißen Temperaturen im Wüstenstaat zu gewöhnen, simulierte der 31-jährige Profi beim Rollentraining im heimischen Badezimmer die ungewohnte Hitze bereits mit einem Heizlüfter. Sein Fokus liegt dann auch auf dem Zeitfahr-Wettbewerb am Mittwoch, wo er seinen enttäuschenden siebten Platz aus dem vergangenen Jahr vergessen machen möchte. Härtester Konkurrent dürfte der 25-jährige Tom Dumoulin werden. Der niederländische Meister im Einzelzeitfahren überzeugte während der gesamten Saison mit starken Leistungen. Er gewann eine Etappe beim Giro, gar deren zwei bei der Tour und durfte sich über Silber beim Olympischen Einzelzeitfahren in Rio freuen – geschlagen nur vom mittlerweile zurückgetretenen Fabian Cancellara. Auch Rohan Dennis (Australien), der in diesem Jahr bereits drei Prüfungen gegen die Uhr gewann, der weißrussische Titelverteidiger Wassil Kirijenka sowie der  aktuelle Europameister Jonathan Castroviejo (Spanien) zählen auf dem topfebenen Kurs zum engeren Favoritenkreis.

Niederländische Übermacht bei den Frauen

Im Gegensatz zur Männerkonkurrenz sind bei den Frauen die Favoritenrollen im Straßenrennen klar verteilt. Das niederländische Team ist mit Kirsten Wild, Anna van der Breggen, Marianne Vos, Annemiek van Vleuten und Ellen van Dijk für jede Rennsituation vorbereitet und so ausgeglichen besetzt wie keine andere Nation. Die Niederländerinnen haben aufgrund der Weltranglistenplatzierung auch mit acht die meisten Startplätze im Fahrerfeld. Im Sprint sind zudem Titelverteidigerin Elisabeth Deignan, geborene Armitstead, sowie die zweimalige Weltmeisterin (2010, 2011) Giorgia Bronzini zu beachten. Auch die Amerikanerinnen um die Weltranglistenerste Megan Guarnier und die australische Mannschaft mit Chloe Hosking sind stark einzuschätzen – beide Teams können mit insgesamt sieben Fahrerinnen das Peloton bei Bedarf kontrollieren. Deutschland geht mit sechs Fahrerinnen an den Start. Nationalcoach André Korff setzt vor allem auf die Erfahrung und Endschnelligkeit von Lisa Brennauer. Unterstützung erhält sie von der routinierten Trixi Worrack und der jungen Sprinterin Lisa Klein.

U23: Kämna schielt auf Zeitfahr-Titel

Bei der U23 haben die Deutschen die besten Chancen auf eine Medaille im Kampf gegen die Uhr. Europameister Lennard Kämna und Maximilian Schachmann zählen zu den Favoriten im Nachwuchswettbewerb, ehe sie in der kommenden Saison zu World-Tour-Teams wechseln werden. Im Straßenrennen setzt Nachwuchs-Bundestrainer Ralf Grabsch auf die beiden Sprinter Pascal Ackermann und Philipp Bauhaus. Ackermann hat nicht zuletzt mit seinem Sieg bei der deutschen U23-Meisterschaft seine Endschnelligkeit unter Beweis gestellt. Bauhaus will von den wertvollen Erfahrungen profitieren, die er in seinem ersten Profijahr bei Bora-Argon 18 sammeln konnte. 

Alle Details zu den WM-Strecken finden Sie hier.

Der Zeitplan der Rad-WM:

Sonntag, 9. Oktober

Teamzeitfahren Frauen Elite, 40km - 13:10 - 14:15

Teamzeitfahren Männer Elite - 40km, 14:20 - 15:40

Montag, 10. Oktober

Einzelzeitfahren Juniorinnen, 13,7km, 8:30 - 9:40

Einzelzeitfahren U23 Männer, 28,9km - 10:30 - 14:50

Dienstag, 11. Oktober

Einzelzeitfahren Junioren, 28,9km - 8:00 - 11:30

Einzelzeitfahren Frauen Elite, 28,9km - 12:15 - 15:30

Mittwoch, 12. Oktober

Einzelzeitfahren Männer Elite, 40km - 12:45 - 15:05

Donnerstag 13. Oktober

Straßenrennen U23 Männer, 165,7km - 11:00-14:55

Freitag 14. Oktober

Straßenrennen Juniorinnen, 74,5 km - 7:30 - 9:30

Straßenrennen Junioren, 135,3 km - 12:15 - 15:30

Samstag, 15. Oktober

Straßenrennen Frauen Elite, 134,1km - 11:45 - 15:20

Sonntag 16. Oktober

Straßenrennen Männer Elite, 257,3km - 9:30 - 15:35

Alle Rennen (bis auf die Wettbewerbe der Juniorinnen) werden live auf Eurosport 1 übertragen.

Konstantin Rohé am 08.10.2016
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