Strava ArtInterview mit einem Straßenkünstler der sportlichen Art

Kristian Bauer

 · 14.02.2022

Strava Art: Interview mit einem Straßenkünstler der sportlichen Art

Christian Ohantel aus Pittriching ist Straßenkünstler der sportlichen Art: Mit seinem Renn- oder Crossrad wählt der 55-Jährige seine Touren so, dass auf Strava Bilder entstehen. TOUR hat mit ihm gesprochen.

TOUR: Wie kommt man auf die Idee, auf Strava Bilder zu schaffen?

Christian Ohantel: Ich habe in der Jugend Kunst gemacht – war auch im Kunst-Leistungskurs. Als ich mir vor ein paar Jahren ein Navi zugelegt habe, dachte ich: Ich könnte doch mal ein Kamel nachfahren. Am Ende waren es 380 Kilometer, und das Kamel hatte ein Bein zu wenig – das würde ich heute nicht mehr so machen. Ich habe aber gemerkt, dass es mir großen Spaß macht, Bilder auf Strava zu malen, und inzwischen plane ich die Bilder sehr gut.

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Strava-Kunst: Hinter den Bildern stecken eine gute Planung und einige Kilometer mit dem Crossrad.Foto: Strava
Strava-Kunst: Hinter den Bildern stecken eine gute Planung und einige Kilometer mit dem Crossrad.

Wie planen Sie die Strecke?

Mit dem Strava-Routenplaner geht das erstaunlich gut. Es kann natürlich passieren, dass vor Ort plötzlich eine Baustelle ist oder dass man sich verfährt. Ein klassisches Beispiel ist, dass ich erst nach dem Abbiegen merke, dass da ein kleiner Pfad reingegangen wäre, den ich verpasst habe. Bei einem großen Bild über 200 Kilometer fällt es aber nicht auf, wenn man ein paar Meter in die falsche Richtung fährt. Blöd ist, wenn man plötzlich auf Privatgelände trifft. Bei meinem Stierkämpfer-Bild stand ich plötzlich vor dem BMW-Gelände. Der Pförtner wollte mich nicht reinlassen, dann musste ich den Hut des Torreros spontan ändern. Zur Not steige ich aber auch mal über einen Zaun…

Tauschen Sie sich mit anderen Strava-Künstlern aus?

Man kennt sich in der Szene, und wir schreiben uns gegenseitig. Gerade gab es eine Challenge, bei dem sich zwei Partner aus zwei Ländern zusammentun: Einer plant – der andere fährt nach. So hat ein Australier aus Melbourne einen Adler geplant und ich bin ihn dann in München nachgefahren. Ich kenne auch jemanden in Brasilien, der komplizierte Sachen macht. Er hat zum Beispiel joggend Marilyn Monroe in eine Sandfläche gezeichnet.


Zur Not steige ich über einen Zaun

Welche Projekte haben Sie noch vor?

Ich habe mal einen Rugbyspieler geplant, dem ein zweiter in die Beine springt. Das wäre eine Tour von 300 Kilometern. Normalerweise starte ich um fünf Uhr morgens, dann geht es noch leichter mit dem Verkehr, und man kann auch mal über eine rote Ampel fahren. Bis Mittag bin ich dann fertig. Bei der Distanz müsste ich es aber auf zwei Tage aufteilen. Ich bekomme meine Ideen meist über Freunde: Einmal hat mich ein Boxer angesprochen, ob ich mal was machen kann, ein anderes Mal ein Ringer. Beides habe ich gemacht – ich freue mich, wenn ich neue Ideen bekomme.

Auf seinem Instagram-KanalFoto: Strava
Auf seinem Instagram-Kanal

Sind Sie auch sportlich unterwegs?

Ich bin Langstreckenfahrer und bei Radmarathons ziemlich überall gewesen. Ich fahre auch gerne Cross-Rennen. Eigentlich komme ich vom Triathlon, aber die sind seit Corona alle ausgefallen. Deshalb hatte ich auch mehr Zeit, mir neue Bilder zu überlegen – ich habe noch einige Ideen im Kopf.

Sie sind von Beruf Hochbaupolier. Was sagen die Kollegen zu Ihrem Hobby?

Es ist in meinem Beruf ungewöhnlich, dass man nach der Arbeit noch Sport macht. Ich habe einen Kollegen in der Kolonne, der sich für meine Sachen interessiert – den anderen ist das wurscht.

Foto: Strava

Auf seinem Instagram-Kanal postet Strava-Artist Christian Ohantel seine neuesten Kreationen. Viele weitere Strava-Kunstwerke von Radsportler aus der ganzen Welt findet man auf der Plattform Strav.Art