Erik Zabel

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Unbekannt

 1/31/2009, Lesezeit: 3 Minuten

Erik Zabel hört auf: Nach 15 Jahren als Profi endet die erfolgreichste Karriere im deutschen Radsport – doch die Zeiten sind nicht so, dass darauf eine Lobeshymne anzustimmen wäre. Dazu hat Erik Zabel mit seinem Dopingge ständnis im vergangenen Jahr selbst beigetragen. Versuch einer Einordnung.

Erik Zabel mag nicht mehr reden. Es sei doch, schreibt er in einer dürren SMS, schon alles gesagt. Zabel fragt erst gar nicht, was der Journalist hätte wissen wollen; er entscheidet vorab, dass er nichts mehr von sich preisgeben will. Er will seine Ruhe haben, und ab dem 27. Januar 2009, zum Ende des Berliner Sechstagerennens, wird er sie ja auch bekommen. Dann endet die aktive Karriere des Rennfahrers Erik Zabel endgültig – wobei das kein Grund sein müsste, sich in Schweigen zu hüllen. Im Gegenteil: Sie werden jubeln in seiner Heimatstadt, sie werden im Stehen applaudieren, Blumen auf die Bahn werfen, und es werden Tränen fließen, auf den Rängen und im Oval, egal ob er gewinnt oder verliert. Schließ lich verabschiedet sich DER deutsche Radprofi der Jahre 1993 bis 2008.

Doch diese 15 Jahre werden eben auch überschattet von jenem einen Tag, diesem 24. Mai 2007, als er auf einer Pressekonferenz in Bonn einräumen musste, auch zum großen Kreis derer zu gehören, die ihre Leistung mit Doping aufgepeppt haben. Ausgerechnet er, der Bescheidene, der Arbeiter, der Glaubwürdige. Eiserne Trainingsdisziplin, Konsequenz und Siegeswillen, diese traditionellen Werte des Radsports lebte Zabel wie kein Zweiter. In jedem Jahr seiner langen Karriere machte er von Mailand-San Remo im März bis Paris-Tours im Oktober seinen Job und wollte nichts wissen von den Diven der Szene mit ihrem einen Saisonhöhepunkt im Juli. Ausgerechnet er saß nun da und gestand Doping. Auch er also ein Betrüger. Dabei hatten gerade an ihm viele Radsport-Fans ihre Resthoffnung auf die Lauterkeit des Radsports angedockt. Das war schon ein Hammer. Dummerweise brachte das Geständnis nicht die erhoffte Befreiung. Was Zabel zugegeben hat – er habe eine Woche EPO ausprobiert im Sommer 1996 –, wollten und wollen viele Leute so nicht glauben. Das hat den Mann ins Mark getroffen, aber was hat er erwartet? Dass danach alles ist wie vorher? Sorry Leute, tut mir leid, und weiter geht’s? Schade, dass Zabel auf solche Fragen keine Antworten mehr geben will.

Sei’s drum. So geht die wohl glanzvollste Karriere des deutschen Radsports ein wenig kraftlos zu Ende. Das muss Erik Zabel auf seine Kappe nehmen. Manches andere dagegen, was ihm zugemutet wurde, hat er trotz dieses Geständnisses nicht verdient. Dass ihn etwa Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann aus dem WM-Kader 2007 mobben wollte, war anmaßend. Schwarzweiß-Malerei wird selten einem Menschen gerecht, Zabel auch nicht. Er hat in seinem Sport zu lange zu viel auf bemerkenswerte Weise erreicht, um nur ein böser Sünder zu sein.

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  Moment des Triumphs: Der Sieg im belgischen Charleroi 1995 war Erik Zabels erster Etappensieg bei der Tour de France – elf weitere sollten folgen
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  Moment der Scham: Erik Zabel gesteht, dass er elf Jahre zuvor gedopt hat
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