NewsAufsichtspflicht beim Hunde-Spaziergang - Radfahrer stürzt wegen Hundeleine, Hundehalter haftet

Unbekannt

 · 29.01.2016

Aufsichtspflicht beim Hunde-Spaziergang - Radfahrer stürzt wegen Hundeleine, Hundehalter haftetFoto: Jeanette Kühn

Wer seinen Hund nicht ausreichend beaufsichtigt und kontrolliert, haftet für die Folgen, wenn ein Radfahrer deswegen stürzt.

Dies wurde ­einem Spaziergänger bescheinigt, der einen landwirtschaftlichen Weg auf der rechten Seite benutzte, während sein Hund am linken Rand des Weges lief und die – von Herrchen nicht in der Hand gehaltene – Leine hinter sich herzog. Von hinten näherte sich eine Radfahrerin. Sie klingelte, und der Fußgänger pfiff nach seinem Hund, der aber zunächst links blieb. Als die Radfahrerin bis auf wenige Meter herangekommen war, lief der Hund nach rechts, und die Frau stürzte. Das Gericht verurteilte den Hundehalter zum vollen Schadensersatz. Schon der Anscheinsbeweis spreche für eine Verursachung des Sturzes durch den Hund im Hinblick auf einen unmittelbaren zeitlichen und örtlichen Zusammenhang. Nach der örtlichen Polizei­verordnung, die als Schutzgesetz anzusehen sei, habe der Hund grundsätzlich angeleint sein müssen. Die gegen den Hundehalter sprechende Fahrlässigkeit sei noch dadurch erhöht ­worden, dass der Hund die Leine hinter sich herziehen durfte; dadurch seien die Gefahren bei einem Zusammentreffen mit Radfahrern noch weiter erhöht worden, denn die Leine habe sich mit dem Fahrrad verhaken oder den Weg voll­ständig sperren können, auch ein Ausweichen werde für den Radfahrer nochmals deutlich erschwert. Die Radfahrerin treffe kein Mitverschulden; ein Absteigen und Vorbeischieben widerspreche der Teilnahme am Verkehr und sei nicht zumutbar.

(LG Tübingen, Grundurteil v. 12.5.2015 – 5 O 218/14, NJW-RR 2015, 1246)