News20 Jahre Mauerfall

Unbekannt

 · 20.11.2009

20 Jahre Mauerfall

20 Jahre, zehn Radsportler, zehn Leben – und zehn Sichtweisen, wie sie die Wende erlebt haben...

Leben mit der Wende – In der Nacht des 9. November 1989 kletterten die ersten auf die Mauer, die Deutschland 28 Jahre lang durchschnitt. Der große Umbruch, der dann folgte, wirbelte Millionen ostdeutscher Biographien durcheinander. Zehn Menschen aus dem Radsport schildern aus ihrer persönlichen, ganz unterschiedlichen Sicht, wie sie dieses Ereignis – und die Folgen – erlebt haben.

In diesem Rückblick (PDF-Download siehe unten) finden Sie Menschen wie

Uwe Trömer gewinnt als Junior im Bahnvierer WM-Silber und -Bronze. Schon als 19-Jähriger hat der Radsportler Prostata-Probleme und muss ein halbes Jahr mit dem Training aussetzen. Nachdem der Mannschaftsarzt eine Spritzkur mit einem offenbar bis heute geheimen Dopingmittel bei ihm durchgeführt habe, sei er 1983 vom Rad gefallen, erzählt Trömer. Diagnose: beidseitiges Nierenversagen. Weil Trömer laut eigener Aussage von seinen Betreuern erst dann ins Krankenhaus gelassen wird, als die Substanz im Körper abgebaut ist, gerät er in akute Lebensgefahr. Mit dem Radsport ist danach Schluss. Trömer ist wegen der Folgen des DDR-Staatsdopings als Dopingopfer anerkannt, engagiert sich in der systemkritischen Umweltbibliothek und wird nach der Wende zu einem leidenschaftlichen Antidoping-Kämpfer.
Uwe Trömer gewinnt als Junior im Bahnvierer WM-Silber und -Bronze. Schon als 19-Jähriger hat der Radsportler Prostata-Probleme und muss ein halbes Jahr mit dem Training aussetzen. Nachdem der Mannschaftsarzt eine Spritzkur mit einem offenbar bis heute geheimen Dopingmittel bei ihm durchgeführt habe, sei er 1983 vom Rad gefallen, erzählt Trömer. Diagnose: beidseitiges Nierenversagen. Weil Trömer laut eigener Aussage von seinen Betreuern erst dann ins Krankenhaus gelassen wird, als die Substanz im Körper abgebaut ist, gerät er in akute Lebensgefahr. Mit dem Radsport ist danach Schluss. Trömer ist wegen der Folgen des DDR-Staatsdopings als Dopingopfer anerkannt, engagiert sich in der systemkritischen Umweltbibliothek und wird nach der Wende zu einem leidenschaftlichen Antidoping-Kämpfer.
Wolfgang Lötzsch gilt in den 1970er-Jahren als größtes Talent des DDR-Radsports, ist mehrfacher DDR-Meister. Die Nominierung des 20-Jährigen für die Olympischen Spiele 1972 scheint sicher. Weil er jedoch unbedacht Unzufriedenheit mit dem System äußert und nicht in die SED eintritt, wird er „ausdelegiert“. Lötzsch darf nicht nach München, soll mit dem Leistungssport aufhören. Doch er schließt sich einer Betriebssportgruppe an, fährt weiter Rennen. Selbst eine zehnmonatige Stasi-Haft 1976 hindert ihn nicht, wie besessen weiterzutrainieren – und danach Rennen auch gegen offizielle“ DDR-Spitzenfahrer zu gewinnen. Als die Mauer fällt, ist Lötzsch 37. 1990 wird er Deutscher Meister im Straßenvierer. 1993 liest er in seinen Stasi-Akten, dass 51 Spitzel auf ihn angesetzt waren, darunter sein bester Freund. Seine aktive Karriere beendet er 1995 mit dem 550. Sieg. Er arbeitet als Trainer, später als Mechaniker bei diversen Rennteams. Seit deren Auflösung ist Lötzsch arbeitslos, arbeitet sporadisch als Rennmechaniker. 2008 erscheint ein preisgekrönter Kinofilm über sein Leben: „Sportsfreund Lötzsch“.
Wolfgang Lötzsch gilt in den 1970er-Jahren als größtes Talent des DDR-Radsports, ist mehrfacher DDR-Meister. Die Nominierung des 20-Jährigen für die Olympischen Spiele 1972 scheint sicher. Weil er jedoch unbedacht Unzufriedenheit mit dem System äußert und nicht in die SED eintritt, wird er „ausdelegiert“. Lötzsch darf nicht nach München, soll mit dem Leistungssport aufhören. Doch er schließt sich einer Betriebssportgruppe an, fährt weiter Rennen. Selbst eine zehnmonatige Stasi-Haft 1976 hindert ihn nicht, wie besessen weiterzutrainieren – und danach Rennen auch gegen offizielle“ DDR-Spitzenfahrer zu gewinnen. Als die Mauer fällt, ist Lötzsch 37. 1990 wird er Deutscher Meister im Straßenvierer. 1993 liest er in seinen Stasi-Akten, dass 51 Spitzel auf ihn angesetzt waren, darunter sein bester Freund. Seine aktive Karriere beendet er 1995 mit dem 550. Sieg. Er arbeitet als Trainer, später als Mechaniker bei diversen Rennteams. Seit deren Auflösung ist Lötzsch arbeitslos, arbeitet sporadisch als Rennmechaniker. 2008 erscheint ein preisgekrönter Kinofilm über sein Leben: „Sportsfreund Lötzsch“.
Mit Anfang 20 baut Christian Pyttel selbst Komponenten aus Aluminium und Ersatzteile für Campagnolo-Schaltungen, weil es die in der DDR nicht zu kaufen gibt. Nach seiner Arbeit als Diesellokschlosser ist Pyttel 1975 Mitbegründer der „Entwicklungsabteilung Rennrad“ bei den Diamant-Werken. Er baut vor allem Rahmen für die DDR-Nationalmannschaft aus Reynolds- und Ishiwata-Rohren – die ersten entstehen in seiner eigenen Werkstatt in Flöha bei Chemnitz – und betreut die Sportler als Mechaniker. Nach seiner Ausreise 1984 macht er sich als Rahmenbauer und Radhändler in Rastatt selbständig. Er baut Laufräder für die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta; die ersten „Shamal“-Räder von Campagnolo rollen mit Pyttels handgewalzten Aerospeichen.
Mit Anfang 20 baut Christian Pyttel selbst Komponenten aus Aluminium und Ersatzteile für Campagnolo-Schaltungen, weil es die in der DDR nicht zu kaufen gibt. Nach seiner Arbeit als Diesellokschlosser ist Pyttel 1975 Mitbegründer der „Entwicklungsabteilung Rennrad“ bei den Diamant-Werken. Er baut vor allem Rahmen für die DDR-Nationalmannschaft aus Reynolds- und Ishiwata-Rohren – die ersten entstehen in seiner eigenen Werkstatt in Flöha bei Chemnitz – und betreut die Sportler als Mechaniker. Nach seiner Ausreise 1984 macht er sich als Rahmenbauer und Radhändler in Rastatt selbständig. Er baut Laufräder für die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta; die ersten „Shamal“-Räder von Campagnolo rollen mit Pyttels handgewalzten Aerospeichen.
Erst war Michael Hübner zu jung, dann folgte der Boykott 1984, dann scheiterte er 1988 an seinem großen Rivalen Lutz Heßlich, und 1992 waren Profis nicht zugelassen: Michael Hübner, dreimaliger Sprint-Weltmeister, war wohl der stärkste Sprinter, der nie bei Olympischen Spielen dabei war. Nach der Wende war der Chemnitzer bei den Sechstagerennen und im Keirin einer der Stars. Der 50-jährige Sachse fördert heute als Sportlicher Leiter des Teams Erdgas 2012 Sprinttalente auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in London.
Erst war Michael Hübner zu jung, dann folgte der Boykott 1984, dann scheiterte er 1988 an seinem großen Rivalen Lutz Heßlich, und 1992 waren Profis nicht zugelassen: Michael Hübner, dreimaliger Sprint-Weltmeister, war wohl der stärkste Sprinter, der nie bei Olympischen Spielen dabei war. Nach der Wende war der Chemnitzer bei den Sechstagerennen und im Keirin einer der Stars. Der 50-jährige Sachse fördert heute als Sportlicher Leiter des Teams Erdgas 2012 Sprinttalente auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in London.
Während seiner aktiven Zeit (1950–1964) gewinnt Gustav-Adolf "Täve" Schur zweimal die Friedensfahrt, viermal die DDR-Rundfahrt, er wird zweimal Straßen-Weltmeister und sechsmal DDR-Meister. Zur lebenden Legende wird er 1960, als er als großer Favorit und Titelverteidiger seinem Landsmann Bernhard Eckstein den WM-Titel überlässt. Außerdem ist er von 1959 bis 1990 Abgeordneter der Volkskammer, nach der Wende (1998–2002) für die PDS im Deutschen Bundestag. Täve Schur fährt immer noch viel Rad und kommt nach eigener Aussage auf rund 4.000 Jahreskilometer.
Während seiner aktiven Zeit (1950–1964) gewinnt Gustav-Adolf "Täve" Schur zweimal die Friedensfahrt, viermal die DDR-Rundfahrt, er wird zweimal Straßen-Weltmeister und sechsmal DDR-Meister. Zur lebenden Legende wird er 1960, als er als großer Favorit und Titelverteidiger seinem Landsmann Bernhard Eckstein den WM-Titel überlässt. Außerdem ist er von 1959 bis 1990 Abgeordneter der Volkskammer, nach der Wende (1998–2002) für die PDS im Deutschen Bundestag. Täve Schur fährt immer noch viel Rad und kommt nach eigener Aussage auf rund 4.000 Jahreskilometer.
Die DDR entdeckte den Radsport für Frauen erst als förderungswürdig, als es Olympia-Medaillen zu gewinnen gab. Petra Roßner, die als Mittelstreckenläuferin eine Kinder- und Jugendsportschule besuchte, wechselte daraufhin 1985 zum Radsport und wurde zu einer der erfolgreichsten deutschen Radsportlerinnen. Die Siegerin der Thüringen-Rundfahrt 1987 und Vize-Weltmeisterin in der Bahnverfolgung startete nach der Wende richtig durch: Auf der Bahn gewann sie WM-Titel und Olympia-Gold in der Einerverfolgung, auf der Straße 2002 die Gesamtwertung des Weltcups und Etappen bei den wichtigsten Rundfahrten. Heute arbeitet sie als Trainerin für das Frauenteam Columbia.
Die DDR entdeckte den Radsport für Frauen erst als förderungswürdig, als es Olympia-Medaillen zu gewinnen gab. Petra Roßner, die als Mittelstreckenläuferin eine Kinder- und Jugendsportschule besuchte, wechselte daraufhin 1985 zum Radsport und wurde zu einer der erfolgreichsten deutschen Radsportlerinnen. Die Siegerin der Thüringen-Rundfahrt 1987 und Vize-Weltmeisterin in der Bahnverfolgung startete nach der Wende richtig durch: Auf der Bahn gewann sie WM-Titel und Olympia-Gold in der Einerverfolgung, auf der Straße 2002 die Gesamtwertung des Weltcups und Etappen bei den wichtigsten Rundfahrten. Heute arbeitet sie als Trainerin für das Frauenteam Columbia.
Deutschland war aus dem Häuschen, als Jan Ullrich 1997 als erster und bisher einziger Deutscher die Tour de France gewann – und den Radsport plötzlich für die breite Öffentlichkeit interessant machte. Gefördert in den Kinder- und Jugendsportschulen der DDR, wurde er nach der Wiedervereinigung zu einem der größten Sportstars in der Geschichte der Bundesrepublik, dessen Duelle mit Marco Pantani und Lance Armstrong im Juli jahrelang die Nation bewegten. Zweimal wurde der Olympiasieger und zweimalige Zeitfahr-Weltmeister zum Sportler des Jahres gewählt, ein erster Dopingfall noch als Jugendsünde gewertet. Seine durch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen belegte Verwicklung in die Fuentes-Affäre ließ den radelnden Volkshelden in der Gunst der Landsleute tief stürzen. Das Sportstrafverfahren in der Schweiz ist bis heute nicht abgeschlossen.
Deutschland war aus dem Häuschen, als Jan Ullrich 1997 als erster und bisher einziger Deutscher die Tour de France gewann – und den Radsport plötzlich für die breite Öffentlichkeit interessant machte. Gefördert in den Kinder- und Jugendsportschulen der DDR, wurde er nach der Wiedervereinigung zu einem der größten Sportstars in der Geschichte der Bundesrepublik, dessen Duelle mit Marco Pantani und Lance Armstrong im Juli jahrelang die Nation bewegten. Zweimal wurde der Olympiasieger und zweimalige Zeitfahr-Weltmeister zum Sportler des Jahres gewählt, ein erster Dopingfall noch als Jugendsünde gewertet. Seine durch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen belegte Verwicklung in die Fuentes-Affäre ließ den radelnden Volkshelden in der Gunst der Landsleute tief stürzen. Das Sportstrafverfahren in der Schweiz ist bis heute nicht abgeschlossen.
Uwe Ampler gewinnt vor der Wende dreimal die Friedensfahrt in Folge und holt mit dem DDR-Straßenvierer in Seoul 1988 Olympia-Gold. Trainiert wird er von seinem Vater Klaus, dem Friedensfahrtsieger von 1963. Nach der Wende fasst der Amateur-Weltmeister von 1986 in der Profi-Szene nie Fuß. Er fährt zwar 1990 für PDM die Tour de France, wechselt aber nach einem Streit 1991 zu Histor-Sigma und 1992 zum Team Telekom, von dem er sich aber auch nach einem Jahr trennt – und das er 1996 verklagte. Grund: Man habe ihn gegen seinen Willen gedopt; nach drei Jahren Pause gewinnt er beim Comeback 1998 zum vierten Mal die Friedensfahrt; 1999 wird er bei der Sachsen-Tour positiv auf Testosteron getestet und gesperrt.
Uwe Ampler gewinnt vor der Wende dreimal die Friedensfahrt in Folge und holt mit dem DDR-Straßenvierer in Seoul 1988 Olympia-Gold. Trainiert wird er von seinem Vater Klaus, dem Friedensfahrtsieger von 1963. Nach der Wende fasst der Amateur-Weltmeister von 1986 in der Profi-Szene nie Fuß. Er fährt zwar 1990 für PDM die Tour de France, wechselt aber nach einem Streit 1991 zu Histor-Sigma und 1992 zum Team Telekom, von dem er sich aber auch nach einem Jahr trennt – und das er 1996 verklagte. Grund: Man habe ihn gegen seinen Willen gedopt; nach drei Jahren Pause gewinnt er beim Comeback 1998 zum vierten Mal die Friedensfahrt; 1999 wird er bei der Sachsen-Tour positiv auf Testosteron getestet und gesperrt.
Harald Schaale ist zehn Jahre lang Segler in der DDR-Nationalmannschaft, wird 1977 Vize-Europameister und in den 1980er-Jahren mehrfacher DDR-Meister. Er lernt den Leiter des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) kennen, wird dort nach seinem Informatikstudium 1981 als Nachwuchs-Ingenieur eingestellt und 1985 Abteilungsleiter der Sektion Radsport. Er ist federführend an der Entwicklung von Scheibenrädern und Rennradrahmen aus Kohlefaser beteiligt, die 1987 zunächst verboten werden, bei den Olympischen Spielen 1988 aber Furore machen. Nach der Wende wird das FES durch den Bund mitfinanziert; seit 1993 ist Schaale Direktor des Instituts.
Harald Schaale ist zehn Jahre lang Segler in der DDR-Nationalmannschaft, wird 1977 Vize-Europameister und in den 1980er-Jahren mehrfacher DDR-Meister. Er lernt den Leiter des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) kennen, wird dort nach seinem Informatikstudium 1981 als Nachwuchs-Ingenieur eingestellt und 1985 Abteilungsleiter der Sektion Radsport. Er ist federführend an der Entwicklung von Scheibenrädern und Rennradrahmen aus Kohlefaser beteiligt, die 1987 zunächst verboten werden, bei den Olympischen Spielen 1988 aber Furore machen. Nach der Wende wird das FES durch den Bund mitfinanziert; seit 1993 ist Schaale Direktor des Instituts.
Olaf Ludwig darf als Musterbeispiel für die Integration der erfolgreichen DDR-Staatsamateure in den Profisport gelten: Vor der Wende wird Ludwig zweimal DDR-Sportler des Jahres (1986 und 1988); seine größten Erfolge als sogenannter „Staatsamateur“ sind zwei Siege bei der Friedensfahrt, „der Tour de France des Ostens“, und der Olympiasieg im Straßenrennen 1988; an Weihnachten 1989 unterschreibt er einen Profivertrag beim holländischen Team Panasonic und gewinnt gleich bei seinem ersten Tour-Start 1990 das Grüne Trikot des besten Sprinters. Nach Ende seiner Karriere wird er Vizepräsident des Bund Deutscher Radfahrer, erst Pressesprecher und dann Teamchef bei Telekom bzw. T-Mobile. 2006 trennt sich der Sponsor von Ludwig – nach der Aufdeckung des Fuentes-Skandals und dem Rausschmiss von Jan Ullrich.
Olaf Ludwig darf als Musterbeispiel für die Integration der erfolgreichen DDR-Staatsamateure in den Profisport gelten: Vor der Wende wird Ludwig zweimal DDR-Sportler des Jahres (1986 und 1988); seine größten Erfolge als sogenannter „Staatsamateur“ sind zwei Siege bei der Friedensfahrt, „der Tour de France des Ostens“, und der Olympiasieg im Straßenrennen 1988; an Weihnachten 1989 unterschreibt er einen Profivertrag beim holländischen Team Panasonic und gewinnt gleich bei seinem ersten Tour-Start 1990 das Grüne Trikot des besten Sprinters. Nach Ende seiner Karriere wird er Vizepräsident des Bund Deutscher Radfahrer, erst Pressesprecher und dann Teamchef bei Telekom bzw. T-Mobile. 2006 trennt sich der Sponsor von Ludwig – nach der Aufdeckung des Fuentes-Skandals und dem Rausschmiss von Jan Ullrich.
Uwe Trömer gewinnt als Junior im Bahnvierer WM-Silber und -Bronze. Schon als 19-Jähriger hat der Radsportler Prostata-Probleme und muss ein halbes Jahr mit dem Training aussetzen. Nachdem der Mannschaftsarzt eine Spritzkur mit einem offenbar bis heute geheimen Dopingmittel bei ihm durchgeführt habe, sei er 1983 vom Rad gefallen, erzählt Trömer. Diagnose: beidseitiges Nierenversagen. Weil Trömer laut eigener Aussage von seinen Betreuern erst dann ins Krankenhaus gelassen wird, als die Substanz im Körper abgebaut ist, gerät er in akute Lebensgefahr. Mit dem Radsport ist danach Schluss. Trömer ist wegen der Folgen des DDR-Staatsdopings als Dopingopfer anerkannt, engagiert sich in der systemkritischen Umweltbibliothek und wird nach der Wende zu einem leidenschaftlichen Antidoping-Kämpfer.
Uwe Trömer gewinnt als Junior im Bahnvierer WM-Silber und -Bronze. Schon als 19-Jähriger hat der Radsportler Prostata-Probleme und muss ein halbes Jahr mit dem Training aussetzen. Nachdem der Mannschaftsarzt eine Spritzkur mit einem offenbar bis heute geheimen Dopingmittel bei ihm durchgeführt habe, sei er 1983 vom Rad gefallen, erzählt Trömer. Diagnose: beidseitiges Nierenversagen. Weil Trömer laut eigener Aussage von seinen Betreuern erst dann ins Krankenhaus gelassen wird, als die Substanz im Körper abgebaut ist, gerät er in akute Lebensgefahr. Mit dem Radsport ist danach Schluss. Trömer ist wegen der Folgen des DDR-Staatsdopings als Dopingopfer anerkannt, engagiert sich in der systemkritischen Umweltbibliothek und wird nach der Wende zu einem leidenschaftlichen Antidoping-Kämpfer.
Wolfgang Lötzsch gilt in den 1970er-Jahren als größtes Talent des DDR-Radsports, ist mehrfacher DDR-Meister. Die Nominierung des 20-Jährigen für die Olympischen Spiele 1972 scheint sicher. Weil er jedoch unbedacht Unzufriedenheit mit dem System äußert und nicht in die SED eintritt, wird er „ausdelegiert“. Lötzsch darf nicht nach München, soll mit dem Leistungssport aufhören. Doch er schließt sich einer Betriebssportgruppe an, fährt weiter Rennen. Selbst eine zehnmonatige Stasi-Haft 1976 hindert ihn nicht, wie besessen weiterzutrainieren – und danach Rennen auch gegen offizielle“ DDR-Spitzenfahrer zu gewinnen. Als die Mauer fällt, ist Lötzsch 37. 1990 wird er Deutscher Meister im Straßenvierer. 1993 liest er in seinen Stasi-Akten, dass 51 Spitzel auf ihn angesetzt waren, darunter sein bester Freund. Seine aktive Karriere beendet er 1995 mit dem 550. Sieg. Er arbeitet als Trainer, später als Mechaniker bei diversen Rennteams. Seit deren Auflösung ist Lötzsch arbeitslos, arbeitet sporadisch als Rennmechaniker. 2008 erscheint ein preisgekrönter Kinofilm über sein Leben: „Sportsfreund Lötzsch“.
Wolfgang Lötzsch gilt in den 1970er-Jahren als größtes Talent des DDR-Radsports, ist mehrfacher DDR-Meister. Die Nominierung des 20-Jährigen für die Olympischen Spiele 1972 scheint sicher. Weil er jedoch unbedacht Unzufriedenheit mit dem System äußert und nicht in die SED eintritt, wird er „ausdelegiert“. Lötzsch darf nicht nach München, soll mit dem Leistungssport aufhören. Doch er schließt sich einer Betriebssportgruppe an, fährt weiter Rennen. Selbst eine zehnmonatige Stasi-Haft 1976 hindert ihn nicht, wie besessen weiterzutrainieren – und danach Rennen auch gegen offizielle“ DDR-Spitzenfahrer zu gewinnen. Als die Mauer fällt, ist Lötzsch 37. 1990 wird er Deutscher Meister im Straßenvierer. 1993 liest er in seinen Stasi-Akten, dass 51 Spitzel auf ihn angesetzt waren, darunter sein bester Freund. Seine aktive Karriere beendet er 1995 mit dem 550. Sieg. Er arbeitet als Trainer, später als Mechaniker bei diversen Rennteams. Seit deren Auflösung ist Lötzsch arbeitslos, arbeitet sporadisch als Rennmechaniker. 2008 erscheint ein preisgekrönter Kinofilm über sein Leben: „Sportsfreund Lötzsch“.
Wolfgang Lötzsch gilt in den 1970er-Jahren als größtes Talent des DDR-Radsports, ist mehrfacher DDR-Meister. Die Nominierung des 20-Jährigen für die Olympischen Spiele 1972 scheint sicher. Weil er jedoch unbedacht Unzufriedenheit mit dem System äußert und nicht in die SED eintritt, wird er „ausdelegiert“. Lötzsch darf nicht nach München, soll mit dem Leistungssport aufhören. Doch er schließt sich einer Betriebssportgruppe an, fährt weiter Rennen. Selbst eine zehnmonatige Stasi-Haft 1976 hindert ihn nicht, wie besessen weiterzutrainieren – und danach Rennen auch gegen offizielle“ DDR-Spitzenfahrer zu gewinnen. Als die Mauer fällt, ist Lötzsch 37. 1990 wird er Deutscher Meister im Straßenvierer. 1993 liest er in seinen Stasi-Akten, dass 51 Spitzel auf ihn angesetzt waren, darunter sein bester Freund. Seine aktive Karriere beendet er 1995 mit dem 550. Sieg. Er arbeitet als Trainer, später als Mechaniker bei diversen Rennteams. Seit deren Auflösung ist Lötzsch arbeitslos, arbeitet sporadisch als Rennmechaniker. 2008 erscheint ein preisgekrönter Kinofilm über sein Leben: „Sportsfreund Lötzsch“.
Mit Anfang 20 baut Christian Pyttel selbst Komponenten aus Aluminium und Ersatzteile für Campagnolo-Schaltungen, weil es die in der DDR nicht zu kaufen gibt. Nach seiner Arbeit als Diesellokschlosser ist Pyttel 1975 Mitbegründer der „Entwicklungsabteilung Rennrad“ bei den Diamant-Werken. Er baut vor allem Rahmen für die DDR-Nationalmannschaft aus Reynolds- und Ishiwata-Rohren – die ersten entstehen in seiner eigenen Werkstatt in Flöha bei Chemnitz – und betreut die Sportler als Mechaniker. Nach seiner Ausreise 1984 macht er sich als Rahmenbauer und Radhändler in Rastatt selbständig. Er baut Laufräder für die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta; die ersten „Shamal“-Räder von Campagnolo rollen mit Pyttels handgewalzten Aerospeichen.
Erst war Michael Hübner zu jung, dann folgte der Boykott 1984, dann scheiterte er 1988 an seinem großen Rivalen Lutz Heßlich, und 1992 waren Profis nicht zugelassen: Michael Hübner, dreimaliger Sprint-Weltmeister, war wohl der stärkste Sprinter, der nie bei Olympischen Spielen dabei war. Nach der Wende war der Chemnitzer bei den Sechstagerennen und im Keirin einer der Stars. Der 50-jährige Sachse fördert heute als Sportlicher Leiter des Teams Erdgas 2012 Sprinttalente auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in London.
Während seiner aktiven Zeit (1950–1964) gewinnt Gustav-Adolf "Täve" Schur zweimal die Friedensfahrt, viermal die DDR-Rundfahrt, er wird zweimal Straßen-Weltmeister und sechsmal DDR-Meister. Zur lebenden Legende wird er 1960, als er als großer Favorit und Titelverteidiger seinem Landsmann Bernhard Eckstein den WM-Titel überlässt. Außerdem ist er von 1959 bis 1990 Abgeordneter der Volkskammer, nach der Wende (1998–2002) für die PDS im Deutschen Bundestag. Täve Schur fährt immer noch viel Rad und kommt nach eigener Aussage auf rund 4.000 Jahreskilometer.
Die DDR entdeckte den Radsport für Frauen erst als förderungswürdig, als es Olympia-Medaillen zu gewinnen gab. Petra Roßner, die als Mittelstreckenläuferin eine Kinder- und Jugendsportschule besuchte, wechselte daraufhin 1985 zum Radsport und wurde zu einer der erfolgreichsten deutschen Radsportlerinnen. Die Siegerin der Thüringen-Rundfahrt 1987 und Vize-Weltmeisterin in der Bahnverfolgung startete nach der Wende richtig durch: Auf der Bahn gewann sie WM-Titel und Olympia-Gold in der Einerverfolgung, auf der Straße 2002 die Gesamtwertung des Weltcups und Etappen bei den wichtigsten Rundfahrten. Heute arbeitet sie als Trainerin für das Frauenteam Columbia.
Deutschland war aus dem Häuschen, als Jan Ullrich 1997 als erster und bisher einziger Deutscher die Tour de France gewann – und den Radsport plötzlich für die breite Öffentlichkeit interessant machte. Gefördert in den Kinder- und Jugendsportschulen der DDR, wurde er nach der Wiedervereinigung zu einem der größten Sportstars in der Geschichte der Bundesrepublik, dessen Duelle mit Marco Pantani und Lance Armstrong im Juli jahrelang die Nation bewegten. Zweimal wurde der Olympiasieger und zweimalige Zeitfahr-Weltmeister zum Sportler des Jahres gewählt, ein erster Dopingfall noch als Jugendsünde gewertet. Seine durch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen belegte Verwicklung in die Fuentes-Affäre ließ den radelnden Volkshelden in der Gunst der Landsleute tief stürzen. Das Sportstrafverfahren in der Schweiz ist bis heute nicht abgeschlossen.
Uwe Ampler gewinnt vor der Wende dreimal die Friedensfahrt in Folge und holt mit dem DDR-Straßenvierer in Seoul 1988 Olympia-Gold. Trainiert wird er von seinem Vater Klaus, dem Friedensfahrtsieger von 1963. Nach der Wende fasst der Amateur-Weltmeister von 1986 in der Profi-Szene nie Fuß. Er fährt zwar 1990 für PDM die Tour de France, wechselt aber nach einem Streit 1991 zu Histor-Sigma und 1992 zum Team Telekom, von dem er sich aber auch nach einem Jahr trennt – und das er 1996 verklagte. Grund: Man habe ihn gegen seinen Willen gedopt; nach drei Jahren Pause gewinnt er beim Comeback 1998 zum vierten Mal die Friedensfahrt; 1999 wird er bei der Sachsen-Tour positiv auf Testosteron getestet und gesperrt.
Harald Schaale ist zehn Jahre lang Segler in der DDR-Nationalmannschaft, wird 1977 Vize-Europameister und in den 1980er-Jahren mehrfacher DDR-Meister. Er lernt den Leiter des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) kennen, wird dort nach seinem Informatikstudium 1981 als Nachwuchs-Ingenieur eingestellt und 1985 Abteilungsleiter der Sektion Radsport. Er ist federführend an der Entwicklung von Scheibenrädern und Rennradrahmen aus Kohlefaser beteiligt, die 1987 zunächst verboten werden, bei den Olympischen Spielen 1988 aber Furore machen. Nach der Wende wird das FES durch den Bund mitfinanziert; seit 1993 ist Schaale Direktor des Instituts.
Olaf Ludwig darf als Musterbeispiel für die Integration der erfolgreichen DDR-Staatsamateure in den Profisport gelten: Vor der Wende wird Ludwig zweimal DDR-Sportler des Jahres (1986 und 1988); seine größten Erfolge als sogenannter „Staatsamateur“ sind zwei Siege bei der Friedensfahrt, „der Tour de France des Ostens“, und der Olympiasieg im Straßenrennen 1988; an Weihnachten 1989 unterschreibt er einen Profivertrag beim holländischen Team Panasonic und gewinnt gleich bei seinem ersten Tour-Start 1990 das Grüne Trikot des besten Sprinters. Nach Ende seiner Karriere wird er Vizepräsident des Bund Deutscher Radfahrer, erst Pressesprecher und dann Teamchef bei Telekom bzw. T-Mobile. 2006 trennt sich der Sponsor von Ludwig – nach der Aufdeckung des Fuentes-Skandals und dem Rausschmiss von Jan Ullrich.
Uwe Trömer gewinnt als Junior im Bahnvierer WM-Silber und -Bronze. Schon als 19-Jähriger hat der Radsportler Prostata-Probleme und muss ein halbes Jahr mit dem Training aussetzen. Nachdem der Mannschaftsarzt eine Spritzkur mit einem offenbar bis heute geheimen Dopingmittel bei ihm durchgeführt habe, sei er 1983 vom Rad gefallen, erzählt Trömer. Diagnose: beidseitiges Nierenversagen. Weil Trömer laut eigener Aussage von seinen Betreuern erst dann ins Krankenhaus gelassen wird, als die Substanz im Körper abgebaut ist, gerät er in akute Lebensgefahr. Mit dem Radsport ist danach Schluss. Trömer ist wegen der Folgen des DDR-Staatsdopings als Dopingopfer anerkannt, engagiert sich in der systemkritischen Umweltbibliothek und wird nach der Wende zu einem leidenschaftlichen Antidoping-Kämpfer.

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