Satteltest Satteltest
Sattel

Satteltest

Stefanie Weinberger am 28.07.2004

Der Sattel ist für den Radler die sensibelste Komponente. High-Tech-Modelle sollen nicht nur leicht und bequem sein, sondern auch schonend mit dem besten Stück am Mann umgehen. Ob sich das vereinen lässt, zeigt der Labor- und Praxistest 18 aktueller Sattelmodelle. (TOUR 6/2004)

Uniklinik Köln, urologische Abteilung, das Labor von Dr. Frank Sommer. Eine männliche Testperson in Radklamotten steigt auf ein Rad, das in eine Trainingsrolle eingespannt ist. Fängt an zu treten, ein paar Minuten lang. So weit nichts besonderes – nur ein dünnes Kabel, das aus seiner Radhose hängt, verrät, worauf sich das Interesse dieses Experiments richtet. Es soll zeigen, ob Radsättel schuld sein können an Erektionsstörungen: Das Kabel ist mit einer Elektrode verbunden, die auf der Penisspitze des Probanden platziert ist. Sie misst den Sauerstoff, der dort ankommt – als Indiz für die Durchblutung. Nach ein paar Minuten auf dem Sattel sinkt der Wert auf weniger als die Hälfte des Ausgangsniveaus. Der Proband spürt davon allerdings nichts und der Arzt erklärt: „Was Radfahrer oft als Taubheitsgefühle wahrnehmen, deutet oft – nicht immer – darauf hin, dass die Genitalien nicht mehr gut mit Blut versorgt sind. Ebenso können aber auch gereizte Nerven diese Empfindung hervorrufen.“

Ein ungewöhnlicher Test, zugegeben – zumal er, mit nur einer Testperson durchgeführt, wissenschaftlich nicht stichhaltig ist. Aber um den aktuellen Test von 18 Rennradsätteln auf ein möglichst breites Fundament zu stellen, erschien die Durchblutungsmessung als sinnvolle Ergänzung der beiden anderen Tests: der Messung der Druckverteilung mittels elektrischer Druckfolie und dem umfangreichen Fahrtest.

KURZ & KNAPP

Ein Rennradsattel muss viele, teils widersprüchliche Eigenschaften vereinen: er soll leicht, bequem, schick und renntauglich sein, zur Beckenbreite passen und überdies nicht die Manneskraft seines Fahrers gefährden. Der Test zeigt, dass alles zusammen nicht oder nur bedingt geht. Die meisten Sättel sind entweder leicht oder komfortabel oder durchblutungsfreundlich. Der Radfahrer muss gewisse Schwächen im einen oder anderen Bereich hinnehmen oder – besser noch – je nach Einsatzzweck bewusst zulassen.

Diese Sättel finden Sie im PDF-Download:

Klassiker: Selle Italia Flite Titan und San Marco Rolls
Leichtsättel: AX Lightness Sprint, Selle Italia SLR Carbonio und Aspide FX, Tune Speedneedle

Komforsättel: Fizik Aliante, Arione und Vitesse, SDG T-Fly, Selle Italia SLR Gel Flow und San Marco Era Arrowhead, Specialized BG Mountain Pro Women und BG2 Pro, SQ-Lab 611, Terry Fly Max Gel und Butterfly RS, Xtreme WCR RS-1

Stefanie Weinberger am 28.07.2004
    Anzeige
  • Branchen News
    Anzeige
  • Das könnte Sie auch interessieren