Test 2018: Rennradreifen Vittoria Corsa Speed Open TLR Test 2018: Rennradreifen Vittoria Corsa Speed Open TLR

Test 2018: Rennradreifen Vittoria Corsa Speed Open TLR

Der schnellste Reifen: Vittoria Corsa Speed Open TLR

Robert Kühnen am 10.01.2018

Breaking News für Sekundenschinder: Der Vittoria Corsa Speed Open TLR ist nach unseren Messungen der schnellste Rennradreifen der Welt.

Der Reifen ist, typisch für Vittoria, mit ­feiner Baumwollkarkasse aufgebaut – der derzeit einzige Tubeless-Ready-Reifen auf Naturfaserbasis. Luftdicht wird er durch die graue Gummierung und Dichtmittel. Die Lauffläche des 239 Gramm leichten Reifens ist nur 0,8 Millimeter dick, das entspricht etwa einem Drittel eines normalen Reifens. Viele Kilometer sind damit nicht zu erwarten, Vittoria verspricht aber, dass die Graphe­ne-Beimischung – röhrenförmige Nanopartikel aus Graphit – den Gummi vergleichsweise langlebig macht. 

Doch vor dem Fahrvergnügen kommt die Arbeit, denn Vittoria hat die Reifen stramm geschneidert; die Montage war ohne Werkzeug nicht möglich. Der Reifenfuß reibt stark, was es zusätzlich erschwert, den Reifen in den Felgensitz zu treiben. Typisch Tubeless: Mal gelang die Montage relativ leicht, mal mussten wir tief in die Trickkiste greifen, damit der Reifen überhaupt Luft fasste. Ventil raus, mit dem Kompressor direkt in den Ventilschaft pumpen, Seifenlauge verstreichen, Hunderte Liter Luft investieren und gleichzeitig mit den Händen nacharbeiten. Die endgültige Abdichtung mit Dichtmilch kann dann ein paar Tage dauern. Wenn man wirklich will, schafft man das. Aber mal eben vor einem Rennen neue Reifen aufziehen? Davon raten wir ab.    

Nomen est omen: Der Speed fährt sich straff und sehr, sehr schnell und sirrt dabei hell. Der Untergrund wird nicht weggedämpft, sondern ist immer präsent. So wird man beständig animiert, den Druck aufs Pedal hoch zu halten – ein Antreiber, ideal, um Bestzeiten auf den Asphalt zu brennen.

Das Einlenkverhalten ist spritzig, der Reifen fühlt sich agil an. In schnellen Kurven zieht der Gummi mit dem ausgeprägten Längsprofil seine Bahn, ohne zu wackeln. Bei Fahrten auf leicht feuchten Straßen vermittelt er guten Halt, das satte Sicherheitsgefühl eines üppig gummierten Allround-Pneus stellt sich dabei aber nicht ein. Eher erzeugt der Reifen das Gefühl, den Ritt auf einer Rasierklinge zu wagen. Aber auch das passt, denn was anderes ist ein Zeitfahren ja nicht. 

Gefühltes Tempo kann täuschen, aber unser Labortest zeigt, dass der Vittoria die Wettbewerber sensationell distanziert. 12 Watt bei Tempo 35 auf Beton sind die neue Bestmarke. Der nächstbessere Reifen, Specialized Turbo Cotton, kommt auf 15,2 Watt, der Klassiker Conti 4000 S II auf 17,3. Auf rauer Straße werden die Unterschiede noch größer. Die Schutzlage des Vittoria ist nicht so schnittfest wie die von guten Allroundern, liegt aber noch im Mittelfeld. Kleine Verletzungen dichtet zudem die Milch. Erst bei größeren Schnitten kommt dieses Konzept an Grenzen.
Im Kampf um Bestzeiten ist der "Speed" eine Macht und eigentlich ein Muss, denn keiner ist schneller. Dieser Wettkampf­reifen kann mehr bewirken als kleine aerodynamische Verbesserungen.

Test 2018: Rennradreifen Vittoria Corsa Speed Open TLR

Rollwiderstand bei 35 km/h und 85 Kilo


Technische Daten

Faltbarer Tubeless-Ready-Reifen mit Baumwollkarkasse
Gewicht  239 g 
Dimension  nur 622–23 erhältlich
Zulässiger Druck  6–9 bar 
Rollwiderstand (8 bar)  12 W 35 km/h, 85 kg (Beton); 20 W 35 km/h, 85 kg (raue Straße) 

Preis  77,95 Euro 
Info  www.vittoria.com


TOUR Titel 10/2017

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Robert Kühnen am 10.01.2018