Rennradreifen müssen nicht unbedingt schmal sein Rennradreifen müssen nicht unbedingt schmal sein
Reifen

Breite Reifen

Manuel Jekel am 15.08.2003

Der Physik auf der Spur: Lange Zeit konnten Rennradreifen kaum schmal genug sein, doch mittlerweile weiß man, dass breitere Reifen bei gleichem Luftdruck leichter rollen. Außerdem bieten sie mehr Komfort und sind weniger anfällig für Pannen. Der Marktüberblick zeigt, wo’s die smarten Dickerchen gibt. (Tour 7/2003)

Peter Van Petegem hat’s vorgemacht. Der Belgier fuhr im Frühjahr auf Breitreifen zu seinen Siegen bei Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix. Vor beiden Rennen ließ der Profi des Domo-Lotto-Teams Reifen des Typs „Continental Competition 25“ montieren: einen Schlauchreifen, der nominell 25 Millimeter breit ist.

Nun leuchtet der Gebrauch von dicken Reifen auf rauem Pflaster in Belgien und Nordfrankreich durchaus ein. Schließlich bieten sie dank des größeren Luftvolumens und der Bauhöhe zweifelsfrei mehr Fahrkomfort und sind zugleich weniger anfällig für Durchschläge – beides Argumente, die auf schlechten Straßen doppelt zählen. Doch es kommt noch ein drittes, kaum weniger gewichtiges hinzu: Breitere Reifen rollen auch leichter als schmale.

Wie das?, werden nun viele Rennradfahrer fragen – suggerierten doch bis Mitte der 90er Jahre die bis zu 18 Millimeter schmalen Top-Reifen der Hersteller, dass nur die dünnen Dinger richtig schnell liefen. Doch bereits 1994 wies TOUR nach, dass diese Gleichung falsch ist.

Der physikalische Zusammenhang: Zwei Reifen, die sich in der Breite (und damit auch in der Höhe) unterscheiden, ansonsten aber identisch aufgebaut sind, weisen bei gleichem Luftdruck und gleicher Belastung durch das Fahrergewicht gleich große Reifenaufstandsflächen auf. Zwar unterscheiden sich die Flächen in der Form – bei schmalen Reifen fällt sie lang und schmal aus, bei breiteren Reifen ist sie kürzer und breiter; der Flächeninhalt ist jedoch in beiden Fällen identisch. Der schmale Reifen muss sich beim Einfedern aber auf größerer Länge und Höhe stärker verformen als der breite – er walkt mehr. Diese Verformung kann man sich als eine Art innere Reibung im Reifen vorstellen, die viel Energie verzehrt. Sie fällt bei breiteren Reifen geringer aus als bei schmalen; deshalb haben breite Reifen – bei gleichem Luftdruck – einen geringeren Rollwiderstand.

Weitere Informationen über Gewicht, Preise, Montage, Pannensicherheit und vieles mehr finden Sie in der Marktübersicht im kostenlosen Download.

Die Modelle in der Marktübersicht
Continental Grand Prix 3000 700x25C und 4-Season 700x25C, Hutchinson Carbon Comp Black 700x25C, Michelin Pro Race 700x25C und Axial Carbon 70x25C, Panaracer Stradius Pro 700x26C und Sport 700x26C, Specialized S-Works Mondo 700x25C und All Condition 700x25C sowie Pro All Contition 700x25C und 700x28C, Schwalbe Stelvio 700x25 C und Stelvio Rain 700x25 C, Vredestein Fortezza 700x25 C und Volante 700x25C

Manuel Jekel am 15.08.2003