Rahmentest 2012 Rahmentest 2012
Rahmen

Komforttest 2012: Rennradrahmen

Manuel Jekel am 30.10.2012

Bislang galt: Der Rahmen ist für den Fahrkomfort des Rennrads von untergeordneter Bedeutung. Aber gilt das auch noch in Zeiten ausfeilter Carbonrahmen-Konstruktionen? In einem aufwendigen Blindtest mit acht Testfahrern und acht extrem unterschiedlichen Rädern hat TOUR untersucht, ob die alte Wahrheit noch Bestand hat.

"Wow! Zum allerersten Mal hatte ich das Gefühl, dass auch ein Rennrad Vibrationen schlucken kann." Daniel Daksiewicz ist nach der Testrunde mit dem getarnten Renner sichtlich beeindruckt. Während er seine Fahreindrücke mit dem Flickwerk aus Gummi, Schaumstoff und Klebeband zu Protokoll gibt, wüsste der 45-jährige Hobby-Rennradler nun doch gerne, welchem Rad er seine neue Erkenntnis verdankt. Doch da muss er sich gedulden. Noch warten sieben weitere unkenntlich gemachte Räder, die er fahren und bewerten soll.

Die ungewöhnliche Verhüllungsaktion hat nichts mit einem Test von Erlkönigen zu tun, und auch nichts mit einem Kunstprojekt à la Christo. Vielmehr soll die Tarnung der Räder bezwecken, dass sich Daksiewicz und sieben weitere von TOUR engagierte Testfahrer ganz auf ihren Job konzentrieren und den Fahrkomfort von acht aktuellen, höchst unterschiedlichen Rennrädern objektiv bewerten können – ohne dass ihre Vorkenntnisse oder gar Vorurteile gegenüber bestimmten Markennamen ihr Urteil beeinflussen.

Welchen Anteil haben Rahmen und Gabel am Fahrkomfort des Rennrads? Seit der Erfindung des Rennrads diskutieren sich Radsportler über diese Frage die Köpfe heiß – auch deshalb, weil dieser ominöse Fahrkomfort keine Größe ist, die sich ohne Weiteres an Zahlen und Messwerten festmachen lässt. Was als komfortabel wahrgenommen wird, hängt letztlich von Erfahrungen und Erwartungen desjenigen ab, der den Komfort beurteilen soll. So mag ein Rennradler, der von einem supersteifen Alu-Renner Baujahr 2002 auf ein modernes Carbonrennrad umsattelt, möglicherweise ins Schwärmen geraten über dessen angenehme Dämpfung. Ein Mountainbiker, der vom Fully auf dasselbe Carbonrennrad umsteigt, könnte sich dagegen fragen, wie man sich das freiwillig antun kann: Sport treiben auf daumenbreiten, knallhart aufgepumpten Reifen.

KURZ & KNAPP

Der Fahrtest mit acht getarnten, völlig unterschiedlichen Rennradmodellen brachte überraschend eindeutige Ergebnisse. Zum einen: Komfort von Rahmen und Gabel ist spürbar. Am besten schnitten ab: BMC Granfondo, Cannondale Supersix Evo und Trek Domane.

Die Testergebnisse dieser Rahmen finden Sie unten als PDF-Download:
• BMC Granfondo Gf01
• Cannondale Supersix Evo 1 Dura-Ace
• Canyon Ultimate CF 9.0
• Cube Attempt
• Look 695 SR
• Specialized Roubaix SL3 Expert
• Specialized S-Works Venge McLaren
• Trek Domane 6Series

Manuel Jekel am 30.10.2012