Rahmen

Einzeltest: Seven Axiom SG Custom

Kuehn am 20.03.2009

Korrosionsfrei, komfortabel, kostspielig – drei Attribute, mit denen Titanrahmen gleichzeitig locken und polarisieren. Die US-Schmiede Seven treibt vor allem die Individualisierung auf die Spitze: Maßrahmen mit eigens für den Einsatzzweck ausgesuchten Rohren ergeben extravagante und exorbitant teure Maßrahmen.

Der erste Schritt zum individuell gefertigten Seven-Rahmen-Set ist ein vierseitiges Formular, das es abzuarbeiten gilt. Darin werden Körpermaße und Sitzposition auf dem derzeit genutzten Rad abgefragt. Fahrgewohnheiten, gewünschte Fahreigenschaften, geplante Einsatzzwecke, eventuelle Beschwerden und nicht zuletzt die Wunsch-Komponenten werden aufgenommen. Dann wählt man ein Basismodell und die Dekorfarbe aus und kann Anbauteile wie Pumpenspitzen oder Schutzblechösen bis hin zu Zerlege-Kupplungen für den Rahmen aussuchen. Auch individuelle Lackierungen sind möglich, verlängern die Lieferzeit aber mitunter beträchtlich. Nach wenigen Tagen schickt Seven dann einen Geometrievorschlag mit Sattelhöhen, Vorbaulängen und sogar Spaceranzahl; wenn der Kunde das schließlich absegnet, steht nach weiteren sechs Wochen üblicherweise der Rahmen vor der Tür.

So viel Aufwand kostet: im Falle des Testrahmens “Axiom SG” 3.795 Euro ohne Gabel; die schlägt mit angepasster Vorbiegung mit 599 Euro zu Buche, der 169 Gramm schwere, ebenfalls auf Maß gefertigte Titanvorbau mit weiteren 549 Euro. Die von Seven vorgeschlagene Sitzposition unterschied sich lediglich beim Abstand von Sattel zu Lenker um sieben Millimeter von der gewohnten Position; alle anderen Maße blieben unverändert und wurden so umgesetzt. Statt eines hohen Spacerturms setzten die Amerikaner ein nach oben verlängertes Steuerrohr ein – eine schöne Lösung. Der Vorbau weist hingegen eine Standardgeometrie auf, wie sie die großen Teile-Hersteller auch im Programm haben.

Aufgebaut haben wir das Rad mit Komponenten aus dem Seven-Angebot: Lenker und Sattelstütze bestehen aus Alu und können ihre Herkunft aus der Komponentenschmiede Oval nicht verleugnen. Ohne Seven-Dekor kosten sie dort allerdings rund ein Drittel weniger. Campagnolos neue Elffach-Record, Shamal-Laufräder in Titan-Finish und der “Endurance”-Sattel von AX-Lightness komplettieren den Rahmen.

Weil Sitzposition und Sattel vertraut waren, entfiel die Eingewöhnung – vom ersten Kilometer an galt die Aufmerksamkeit den Fahreigenschaften. Das Rad lenkt sich ausgewogen, im Wiegetritt fühlt sich der Renner leichtfüßig an. Das Gewicht summiert sich inklusive Pedale, Flaschenhalter und SRM-Kurbel auf 7,5 Kilogramm. Aufgrund des sehr kurzen Rahmenvorderbaus droht ab Schuhgröße 42 Fußkontakt mit dem Vorderrad beim Anfahren oder Abbiegen aus langsamem Tempo. Etwas mehr Gabelvorbiegung könnte hier Abhilfe schaffen, zumal Seven die Gabeln durch verschiedene einzuklebende Ausfallenden einfach abstimmen kann. Auf den gut 1.000 Kilometern über Lanzarotes teils rauhen Asphalt fühlte sich das Rad ordentlich komfortabel an. Dafür erschreckte der Renner den nicht einmal 70 Kilogramm schweren Fahrer bei höherem Tempo mit Fahrwerksunruhen. Pfeilschnelle Abfahrten verlangen nach einer konsequenten Hand am Lenker, andernfalls können Bodenwellen oder Risse und Beulen im Asphalt den Rahmen so zum Schwingen anregen, dass sich das Rad aufschaukelt. Man sollte tunlichst mit beiden Händen am Unterlenker greifen und die Knie ans Oberrohr anlegen, um den Renner bergab sauber auf Kurs zu halten. Die gewünschte rennorientierte Auslegung, um genussvoll über die Passtraßen der TOUR-Transalp talwärts zu fliegen, ließ die Kombination aus Rahmen und Gabel vermissen.

Der Blick auf die Laborwerte bestätigt die Erfahrungen der Testfahrten. Die Lenkkopfsteifigkeit des Rahmens liegt auf dem Niveau klassischer Stahlrahmen, die Gabel ist zwar komfortabel aber wenig seitensteif. Trotz des relativ stark nach hinten abfallenden Oberrohres kommt der Komfortwert nicht an Top- Carbonmodelle wie Specializeds “Roubaix”, Canyons “Ultimate CF SLX”, Isaacs “Ultra Sonic” oder die Titan- Konkurrenten Van Nicholas “Aeolus” und Kocmo “Road Master” heran.

Die Verarbeitung des “Axiom SG” macht dem noblen Material Ehre, die Schweißnähte sind tadellos und sehenswert. Darüber hinaus gibt sich der Rahmen betont puristisch. Lediglich die Steuerrohrplakette und Gravuren am Ausfallende schmücken den Rohrverbund. Die Rohre sind gebürstet und schimmern in gleichmäßigem Titangrau. Schön gearbeitet ist der Übergang vom Rahmen über das edle Chris-King- Lenkungslager und die Titanspacer in den Titanvorbau. Ästheten mögen sich am Aufeinandertreffen von Mattschwarz (Lenker, Sattelstütze und Gabel) und glänzendem Schwarz (Rahmendekor, Steuersatz, Bremsen) stören, aber das ist zweifellos Geschmackssache.

Sevens Anteil an unserem Testrad beträgt stolze 5.408 Euro. Dafür bekommt man einen höchst sauber gefertigten Maßrahmen, der aber weder durch extravagante Details noch durch Technik besonders hervorsticht – auch nicht im Vergleich zu den Titan-Konkurrenten, die wir im Titan-Spezial in TOUR 12/07 getestet hatten.

PLUS: korrosionsfrei; sehr sauber verarbeitet

MINUS: Tendenz zum Aufschaukeln; teuer

*Testrad-Rahmengröße gefettet; **projiziertes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr/Sattel- Steuer rohrüber höhung bei 75 cm Sitzhöhe (Mitte Sattelgestell–Oberkante Steuersatzdeckel); ***bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 und Gabelschaftlänge 225 mm; ****in die Note fließen weitere Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nicht abdrucken können.

Sehenswert: Der Übergang zwischen Steuerrohr, Spacern und Vorbau ist tadellos

Am Seven-Ausfallende prangt eine kleine Gravur

Kuehn am 20.03.2009
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