Test 2018: Federgabel für Gravelbikes von Lauf Forks Test 2018: Federgabel für Gravelbikes von Lauf Forks

Test 2018: Federgabel für Gravelbikes von Lauf Forks

Lauf Forks: Federgabel für Gravelbikes im Test

Manuel Jekel am 09.01.2018

Island ist bekannt für Vulkane, heiße Quellen – und seit 2014 für die extravagante Federgabel von Lauf Forks, die von Mountainbikern viel Lob erntet. Inzwischen gibt es eine Variante für Gravelbikes.

"Lauf" ist das isländische Wort für "Blatt". Was das mit der gleichnamigen Federgabel zu tun hat, zeigt ein Blick auf deren Konstruktion: Je sechs Blattfedern verbinden die Vorderradaufnahmen mit den Gabelscheiden. Ganz neu ist diese Idee nicht; neu sind aber die technischen Möglichkeiten durch den Einsatz moderner Verbundwerkstoffe. Benedikt Skulason, Erfinder der Gabel, entwickelte früher Beinprothesen. Dadurch hatte er Zugang zu einem hochelastischen, extrem bruchfesten Glasfasermaterial, aus dem die zwölf Federn gefertigt sind. Sie ­sollen angeblich weder ermüden noch verschleißen. Da der Mechanismus zudem ohne Lager und Dichtungen auskommt, ist die Gabel wartungsfrei.

Inzwischen bietet Lauf Forks mit der "Grit" auch eine auf Gravelbikes abgestimmte Version. Für unseren Test montierte der Importeur Tehava die Gabel in einem T5G-Rahmen der US-Titanschmiede Litespeed. Im Prüflabor gibt sich die Grit keine Blöße. Die Messung auf dem BIKE-Gabelprüfstand ergibt 28 Millimeter ­Federweg. Mountainbikern nötigt das ein mitleidiges Lächeln ab, beim Gravelbiken ­bedeuten 28 Millimeter aber einen gewaltigen Unterschied gegenüber einer starren ­Gabel. Obwohl die Federn filigran wirken, stemmen sie sich tapfer gegen seitlich wirkende Kräfte: 39 N/mm sind für Rennrad­gabeln ein durchschnittlicher Wert, der in der Praxis keine Probleme erwarten lässt. Das Gewicht von 940 Gramm geht angesichts der Federung ebenfalls in Ordnung.

Geteilte Meinungen

Spannender ist die Frage, wie sich das Ding fährt. Die Meinungen sind geteilt: Von ­"sensationell" bis "unfahrbar" reichen die Kommentare der fünf Tester. Aber woher rühren diese krassen Unterschiede in der Wahrnehmung?
Dass die Grit sehr sensibel anspricht, bestä­tigen alle Fahrer. Da weder Dichtungen noch Gelenke die Reaktion hemmen, reagiert die Gabel viel unmittel­barer auf Vibrationen und kleinere Erschütterungen als Teleskop-­Gabeln. Kommen die Schläge nicht zu heftig, spielt es auch keine Rolle, dass die Grit bauartbedingt nicht dämpft. Grenzen zeigen sich erst, wenn’s heftiger oder in rascher ­Folge holpert, etwa bei Wurzelpassagen. Dann neigt die Gabel deutlich zum Springen und fordert den Fahrer ähnlich wie eine Starrgabel.

Starker Einfluss auf die Lenkung

Dass die Gabel dennoch so unterschiedliche Reaktionen bei den Testern hervorruft, ­dürfte vor allem mit dem Einfluss auf die Lenkgeometrie zu tun haben. Die Grit baut rund 10 bis 30 Millimeter höher als typische Großserien-Gabeln. Durch den Einbau wird folglich der Lenkwinkel flacher, das Rad lenkt sich träger. Für den Litespeed-Rahmen ergibt sich mit der Grit ein Lenkwinkel von 70 Grad; normal sind 72 bis 73 Grad. Besonders im Wiegetritt empfanden zwei Fahrer das Testrad als regelrecht störrisch und in engen Kurven als unangenehm zu fahren.

Das finale Urteil über die Grit ist damit aber nicht gesprochen. Vor Kurzem kündigte Lauf Forks für 2018 ein Gravel­bike mit auf die Gabel abgestimmter Rahmengeometrie an. Zudem soll die Grit leichter und seitensteifer werden. Gut möglich, dass die ­Gabel erst mit speziell abgestimmter Rahmengeometrie ihr Potenzial voll ausspielt.

PLUS   sensibles Ansprechverhalten, wartungsfrei
MINUS   starke Veränderung der Lenkgeometrie

Preis  829 Euro
Info  www.laufforks.com

Abmessungen 
Gabelschaft  1-1/8 x 1-1/4 Zoll 
Bauhöhe (Steckachse–Gabelkrone) 414 Millimeter 
Steckachsen  12 und 15 Millimeter
Bremsen  Flatmount
maximale Reifenbreite  42 Millimeter


TOUR Titel 10/2017

Diesen und weitere Artikel finden Sie in TOUR 10/2017: Heft bestellen->  TOUR IOS-App->   TOUR Android-App->


 

Manuel Jekel am 09.01.2018