TOUR-Transalp

Jeantex-TOUR-Transalp 2008

Kuehn am 20.08.2008

Ein Mann und eine Frau als Team am Start eines Radrennens – sportliches Handicap oder zusätzlicher Wohlfühl-Faktor? Wir haben Paare bei der Jeantex-TOUR-Transalp beobachtet.

Zwei Teilnehmer kämpfen, leiden und schwitzen gemeinsam, um dann am Ende zusammen zu jubeln. So klingt die positive Beschreibung des Grundgedankens bei der Jeantex-TOUR-Transalp, dem wichtigsten Rennrad-Etappenrennen für Jedermänner. In einer Zeit, in der Fußbälle “Teamgeist” heißen und der Slogan “Impossible is Nothing” zum Leitmotto einer Sportmarke wird, scheint das Sportlerdasein ein lockeres Schaulaufen. Doch fern der bunten Werbewelt herrscht eine andere Realität. Denn wenn die Beine brennen, wird auch mal mit Tränen gelöscht. 16.849 Höhenmeter in sieben Tagen sollten genügend Gelegenheit bieten, die eigenen Grenzen kennenzulernen – und die des Partners dazu. Ein Mann und eine Frau gemeinsam bei einem Etappenrennen – kann das gut gehen?

Vom grauen Himmel prasselt erbarmungslos der Regen, von vorne bläst den Radfahrern sechs Grad kalter Wind ins Gesicht. In bunte Regenjacken eingehüllt, arbeiten sich Radfahrer in dieser unwirtlichen Umgebung die steilen Rampen auf das 2.509 Meter hohe Timmelsjoch. Gleich die zweite Etappe der Jeantex-TOURTransalp 2008 stellt eine harte Prüfung dar. Gefragt sind Durchhaltevermögen und echter Sportsgeist. Zwei Eigenschaften, die das Team Greenhorn bitter nötig hat. Nachdem Kirsten Wolff (47) aus dem Westerwald im Training vor der Transalp zweimal von einem Auto angefahren wurde, fährt die Unsicherheit mit. Während der Abfahrten auf rutschigen Straßen übermannt sie die Angst. Sie schiebt. Frank (43), Ehemann und Motivator, bleibt gelassen an ihrer Seite. Die Einladung des Besenwagens lehnen beide dankend ab und kommen nach neun Stunden ins Ziel – vier Stunden nach den Siegern. Am nächsten Tag kommt es noch schlimmer: Auch bergauf läuft es sehr zäh. Fast elf Stunden dauert die Fahrt ins längst menschenleere Ziel. Dennoch erntet ihre Leistung bei vielen anderen Teilnehmern mehr Respekt als der Kampf an der Spitze. Aber führen der deutliche Leistungsunterschied und Kirstens Angst nicht unausweichlich zum Streit? Frank könnte Stunden früher im Ziel sein, bei Pasta und Saftschorle schon entspannen, statt sanftmütig die nächste Pause einzulegen und verständnisvoll das Rad zu schieben. Doch beide schütteln den Kopf. “Frank hat wirklich sehr viel Geduld”, lobt Kirsten.

Wegreden lässt sich der Leistungsunterschied bei den Mixed-Teams jedoch nicht. “Das Ego des Mannes muss zurückstecken”, meint die Schweizerin Regula Gertsch (44) die froh ist, dass ihr Mann sich ihrem Rhythmus anpasst. Eine Rollenaufteilung, die man am besten im Vorfeld abspricht.

Weitere Infos unter www.tourtransalp.de

Den gesamten Transalp-Bericht finden sie unten als PDF-Download.

Man darf nicht nur an sich selbst denken...Hans-Jorgen Fiskdaal (49) und Renate Haegeland (47) aus Norwegen

Lieber langsam und gesund ankommen...Kirsten (47) und Frank (43) Wolff aus dem Westerwald

Schiebung oder Teamwork? Besonders bei Mixed-Teams gibt es darüber Diskussionen.

Fotos: Henning Angerer, Uwe Geißler

Kuehn am 20.08.2008