TOUR-Transalp

Jeantex-TOUR-Transalp 2005

Henri Lesewitz am 20.08.2005

785 Kilometer und 18.800 Höhenmeter in sieben Tagen: Die ”Jeantex-TOUR-Transalp” ist das größte Rennrad-Abenteuer der Alpen. Doch Egoisten bleiben beim einwöchigen Gipfelsturm auf der Strecke: Nur Teams kommen in die Wertung. Rosenkrieg oder Doppelerfolg – schon die Wahl des Teampartners kann entscheiden.

Die Flitterwoche hat gerade begonnen, da hängt schon der Haussegen schief. Das Haus ist ein Wohnmobil. Vor dem sitzt Bernd Schreiber (49) – den Kopf in die Hände vergraben, Salzränder auf dem Trikot, Tränen in den Augen. Seit gestern ist er Teil einer “Zweckehe”. Hinten auf den Rückentaschen heftet der Ehevertrag. Es ist kein richtiger. Eigentlich nur eine Startnummer. Trotzdem wird ihn die “209” nun für eine Woche untrennbar an Teampartner Diddie Werner (42) schweißen. Doch der ist genervt, weil Bernd beim letzten Anstieg “abreißen” lassen musste.

7.000 Kilometer hatten beide für das Rennen trainiert. Und sich anschließend die Beine glatt rasiert. Diddie, der Radhändler. Und Bernd, sein bester Kunde. Diddie liebt die Alpen. Mit dem Mountainbike ist er sogar schon drübergefahren. Bernd hasst die Alpen, jedenfalls im Moment. Er kannte sie bisher nur aus Heimatfilmen. Die höchste “Rampe” in seinem Trainingsrevier hat nicht einmal 200 Höhenmeter. Der Anstieg zur “Bielerhöhe” vor dem heutigen Etappenziel hatte zehnmal so viele. Kein Wunder, dass er da “explodiert” sei, jammert Bernd und vergräbt den Kopf wieder verzweifelt in den Händen. Diddie lässt sich in den Klappstuhl daneben plumpsen, rührt in einem “Recovery-Shake” und giftet: “Habe ich dir doch gesagt: Du wirst jeden Abend im Bett liegen und heulen. So ist das eben.” Demoralisierung mit dem Vorschlaghammer.

Transalp – das Teamabenteuer. Bei keinem anderen Radrennen der Welt sind zwei Partner derart aufeinander angewiesen wie beim Marathon über die Alpen. Rosenkrieg oder Doppelerfolg. Schon die Wahl des Partners entscheidet darüber, wie jeder Renntag endet. Die Idee mit der “Zweckehe” hatte Uli Stanciu, geistiger Vater und Rennchef der “Jeantex TOUR Transalp”. “Das schafft eine einzigartige Atmosphäre. Zwei Menschen leiden, helfen, kämpfen und freuen sich gemeinsam. Man kann das Erlebte mit seinem Teampartner teilen. Das bringt große Glücksmomente, selbst wenn man sich mal zofft”, erzählt Stanciu, während er im Zielbereich der zweiten Etappe zufrieden die einrollenden Teams beobachtet. Er muss es wissen. Seit 1998 organisiert Stanciu das selbe Rennen auch für Mountainbiker.

Weitere Infos unter www.tourtransalp.de

Schwitzen in dreidimensionaler Fototapete: Das einwöchige Bergfest war schwere Kost für die Beine – aber ein Festschmaus für die Augen.

Der Gavia zeigte dem Transalp-Tross die kalte Schulter: Der Schnee leckte an der Passhöhe und ließ das Quecksilber bei zwei Grad erstarren.

Bunte Punkte auf grauem Asphalt: Bei der Transalp kurbelte keiner allein.

Den gesamten Transalp-Bericht finden sie unten als PDF-Download.

Henri Lesewitz am 20.08.2005
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