TOUR Transalp 2019 TOUR Transalp 2019

Blick hinter die Kulisssen der TOUR Transalp

TOUR Transalp-Streckenchef Marc Schneider im Interview

Kristian Bauer/Kirsten Elschner am 20.01.2020

Als Streckenchef der TOUR Transalp gibt Marc Schneider vor, wo es 2020 lang geht. Vom 21. bis 27. Juni führt das Rennen in sieben Etappen von Bruneck nach Arco. Wie man nach 17 Jahren noch neue Wege findet, verrät Marc Schneider im Interview.

TOUR Transalp Interview Marc Schneider

Interview: Kirsten Elschner


Frage: Die 2020er Strecke führt nicht nur über berühmte Pässe, sondern auch in versteckte Winkel der Alpen. Wie findet man die nach 17 Jahren TOUR Transalp noch?

Schneider: Kartenlesen, mit den Locals sprechen, einfach mal drauf los fahren. Manchmal kommen einem Straßen in den Sinn, die man irgendwann vor ein paar Jahren schon mal gefahren ist. Aber es stimmt schon, dass es nach fast 20 Jahren in dem Bereich der Alpen, in dem wir uns bewegen, nicht mehr so viele Straßen gibt, die noch nie dabei waren. Im Alpenhauptkamm mit nur wenigen Pass-Straßen, die über die ganz hohen Berge führen, sind die Möglichkeiten begrenzter als weiter südlich, wo es wieder ein stärker verzweigtes Netz an Bergstraßen gibt.

Manch einer meint, das ist gar keine richtige Transalp mehr, eher eine Dolomitenfahrt.

Als wir 2012 von Mittenwald erstmals über Crespano nach Arco gefahren sind, hat diese Diskussion keiner angestoßen. Dabei war die Transalp in diesem engen Sinne nach Tag 5 längst vorbei. In Crespano sind die Alpen vorüber, in Arco noch nicht ganz. Wir fuhren also zwei Tage quer, sogar ein wenig zurück. Die Transalp streifte schon immer – neben dem Gedanken von Norden nach Süden über die Alpen zu fahren – kreuz und quer durch die Berge. Die Basis des Erlebnisses ist es, an sieben Tagen mit dem Rad die schönsten Pässe zu überwinden, die schönsten Regionen zu erkunden. Und sowieso: Wer an sieben Tagen 800 Kilometer und 18.000 Höhenmeter in den Alpen bewältigt, braucht sich von niemandem sagen zu lassen, er sei keine richtige Transalp gefahren!

Das gab es noch nie: Possagno ist Startort für gleich zwei Etappen. Wie kommt das?

Wir verfolgten mit unserem Partner vom Tourismusverband "Vivere il Grappa" die Idee, zwei Stopps in einer Region einzulegen. Am Ende fanden sich mit Possagno und Asolo zwei Orte, die Lust auf das Event hatten und uns schöne Optionen boten. Asolo ermöglicht  eine herrliche Zielankunft, Possagno bietet das bessere Startgelände. Es sind verschiedene Punkte aus organisatorischer und sportlicher Sicht, die zu diesem ungewöhnlichen Ablauf führen.

Seit 2019 dürfen auch Einzelfahrer starten. Verändert das den Renncharakter?

Im Grunde nicht. Auch früher bildeten sich Gruppen, größere und kleinere, die über lange Strecken zusammenblieben. Das war 2019 genauso, nur dass in den Gruppen Teams und Einzelstarter gemeinsam fuhren. Und es gab auch früher Ausreißer. Ob sich zwei als Team absetzen oder ein Einzelstarter wegsprintet, macht für die Organisation keinen großen Unterschied. Wichtig ist, dass Team- und Einzelfahrer, die auf gleichem Niveau fahren, fair miteinander umgehen. Und diesen Eindruck hatte ich im letzten Jahr.

Mit 784 km und 17.795 hm ist die Strecke etwas kürzer als 2019. Habt ihr bewusst einen Gang zurückgeschaltet?

Nein. Die Streckenplanung hängt von den Etappenorten ab und den Straßen, die es dazwischen gibt. Manchmal kann man gestalten, weil man Optionen hat, manchmal ist man Spielball der Straßensituation. Mal ist der kürzere Weg attraktiver als der längere. Mal fällt der kürzere Weg aus, weil er verkehrstechnisch zu schwierig ist. Da spielen viele Faktoren rein. Generell orientieren wir uns am Jedermann-Charakter: Eine Standard-Etappe hat rund 120 km und etwas über 2.500 hm. Eine Königsetappe darf das mal deutlich toppen, es ist aber auch schön, mal eine leichtere Etappe drin zu haben. So kommt man in der Regel auf ein vernünftiges Transalp-Maß. Eine Woche, die für die Top-Leute sportlich selektiv, für die Jedermänner herausfordernd aber machbar ist.


 

Kristian Bauer/Kirsten Elschner am 20.01.2020
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