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Wundversorgung

Eva Stammberger am 15.09.2006

Schürfwunden sind zwar „nur“ oberflächliche Verletzungen, doch unglaublich schmerzhaft – und Sie müssen richtig versorgt werden.

Der Schmerz kommt jäh, und mit ihm die Tränen: Jeder, der schon einmal vom Rad gestürzt ist, weiß, wie sehr Schürfwunden schmerzen. Warum das so ist? Schon bei einem leichten Sturz wird die obere Hautschicht, die Epidermis, verletzt. Dabei werden viele kleine, direkt unter der Haut liegende Nerven beschädigt, die den Schmerz auslösen. Solange nur die oberste Hautschicht betroffen ist, blutet die Schürfwunde nicht einmal, denn in der Epidermis befinden sich keine Blutgefäße. Erst wenn die darunter liegende Lederhaut verletzt wird, blutet die  Schürfwunde. Dann versucht der Körper, die Blutung zu stillen und aktiviert die Blutgerinnung: Die verletzten  Gefäße sollen so schnell wie möglich abgedichtet werden, damit Krankheitserreger und Keime nicht in die Wunde gelangen. Dazu produziert der Körper vermehrt das Protein  Fibrin, das wie Klebstoff auf der Wunde wirkt. Mit diesen Reaktionen versucht der Körper, die größte Gefahr bei einer Schürfwunde auszuschließen: eine Infektion.

Doch das gelingt ihm nicht immer – weshalb Schürfwunden behandelt werden müssen. Zuerst müssen Sie die Wunde mechanisch reinigen:  Fremdkörper wie etwa Rollsplittsteine müssen entfernt werden. Dann säubern und desinfizieren Sie die Wunde. Haben Sie sich nur leicht aufgeschürft, reicht ein Sprühverband oder ein einfaches Pflaster. Bei stärkeren Wunden sollten Sie einen sterilen Verband anlegen und die Verletzung von einem Arzt begutachten lassen.

Gerade wenn Sie sich an für Radler typischen Stellen wie Ellenbogen oder  Knie eine tiefe Schürfwunde zugezogen haben, braucht diese Zeit zum Abheilen. Lassen Sie in den ersten Tagen  kein Wasser an die Wunde kommen und achten sie darauf, dass die verletzte Stelle immer sauber ist. Die erste Phase der Wundheilung dauert etwa vier Tage. Der Körper produziert Granulationsgewebe, um die Wunde selbstständig zu schließen. In der zweiten Phase werden zusätzlich Kollagenfasern aufgebaut, die die Wundfläche verkleinern und die Wundränder näher zueinander bringen. In der abschließenden Regenerationsphase werden die Kollagenfasern   stabilisiert; die Wunde schließt sich vollständig, es hat sich bereits eine neue Hautschicht gebildet. Der Heilungsprozess dauert insgesamt etwa zehn Tage. Spätestens dann kann es wieder losgehen mit Radfahren.

Wenn Sie eine so lange Pause vermeiden wollen, machen Sie’s am besten  wie Milram-Profi Erik Zabel: „Mein Rezept gegen Schürfwunden? Ich sehe zu, dass ich mir erst gar keine hole!“

Bloß keine Salbe auf die Wunde

Sebastian Zimatschek ist Anästhesist und Notarzt. Seit der ersten Ausgabe der Jeantex-TOUR-Transalp leitet er das Ärzte-Team und hat viel Erfahrung mit Radler- Verletzungen

Wo schürfen sich Radfahrer am häufigsten auf?
An Ellenbogen, Gesäß und Knien, das sind die typischen Stellen.

Wie sieht die richtige Erstversorgung einer Schürfwunde aus?
Das hängt von der Schwere der Wunde ab. Alle Wunden sollten am besten mit sterilem Wasser gründlich gereinigt und anschließend desinfiziert werden. Wir verwenden sterile Kochsalzlösung zum Reinigen und eine wenig reizende Alkohollösung. Auf jodhaltige Lösungen verzichten wir, da manche Menschen darauf allergisch reagieren. Oberflächliche Aufschürfungen werden von uns steril abgedeckt und verbunden. Bei tieferen Wunden ist gegebenenfalls ein Druckverband nötig und im Einzelfall eine Wundadaption mit Tape oder durch eine Naht. Grundsätzlich sollte ein Radfahrer immer über einen ausreichenden Tetanus-Schutz  verfügen und diesen nötigenfalls auffrischen lassen.

Was halten Sie von der Methode der Profis, abends die Wunde  aufzubürsten und dann frisch zu verbinden?
Ein Aufbürsten halten wir für wenig sinnvoll. Ist eine Wunde nach der Verletzung gut gereinigt worden, würde das den Heilprozess nur stören. Regelmäßige Wundkontrolle mit anschließendem Verbandwechsel scheint da geeigneter. Bildet sich eitriges Wundsekret, sollte ein Arzt das dringend kontrollieren. Der kann  eventuell verbliebene Schmutzreste und Wundsekret entfernen, und die Wunde kann besser abheilen. Aber ich würde keinem Hobbyfahrer raten, daheim selbst mit der Wurzelbürste zu Werke zu gehen – das ist Sache eines Arztes!

Muss man mit einer schweren Schürfwunde pausieren?
In der Regel schon. Vor allem bei Wunden im Gelenkbereich, also an Knien oder Ellenbogen, kann die aufgeschürfte Stelle durch die ständige Beanspruchung nicht in Ruhe heilen. Es kann zu Wundinfektionen kommen, die im schlimmsten Fall auch die betroffenen Gelenke in Mitleidenschaft ziehen können.

Welche Fehler machen Radfahrer am häufigsten, wenn sie sich  Schürfwunden holen?
Salbe auf frische, blutende Wunden aufzutragen. In offene Wunden gehört keine Salbe! Sie sollten, vor allem wenn sie bluten, mit einem sterilen Verband versorgt werden.

Wie lange dauert es, bis eine Schürfwunde abgeheilt ist?
Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, in der Regel sieben bis zehn Tage. Mit dem Radeln sollte man frühestens wieder beginnen, wenn sich fester Wundschorf gebildet hat. Im Gelenkbereich kann das schon einige Tage dauern.  

Wie Profis Schürfwunden behandeln
Drei Fragen an Claudio Sprenger, Arzt beim Team Milram um Erik Zabel

Im Rennen ist bei leichteren Verletzungen oft keine Zeit für eine ausführliche Wundversorgung – wie behandeln Sie die Fahrer unterwegs?
Wenn die Wunde nicht sehr stark blutet, wird sie zuerst mit einem Desinfektionsspray behandelt. Das versiegelt die Wunde  auch ein wenig, so kommt der Fahrer ohne allzu große Probleme bis ins Ziel.

Was passiert nach dem Rennen mit der Wunde?
Sie wird gründlich gesäubert – da muss man auch manchmal die   ungeliebte Handbürste benutzen. Das tut zwar weh, muss aber sein. Die Stelle wird erneut desinfiziert; das Wichtigste ist, eine  Entzündung zu verhindern.

Sind die Fahrer in der Regel am nächsten Tag wieder einsatzfähig?
Wenn die Wunden nicht allzu tief sind, ja. Sie tragen dann spezielle  Netzverbände, die nicht verrutschen, aber so wenig wie möglich die  Bewegungen auf dem Rad einschränken. Trotzdem tun Schürfwunden  noch einige Tage weh und müssen jeden Abend behandelt werden.

Das braucht man, um eine Schurfwunde richtig zu verarzten

- steriles, feuchtes Tuch, um die Wunde zu säubern 
- Desinfektionsspray (z.B. Octenisept)
- Wundsalbe, wenn die Wunde ausgetrocket ist
- Verbandsmaterial (im Idealfall plus Netzverband) bei kleineren Wunden reichen Pflaster oder Tapes, um den Verband zu befestigen

Eva Stammberger am 15.09.2006
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