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Titan: Komponenten und Kleinteile

Manuel Jekel, Dirk Zedler am 19.02.2008

Nicht nur Rahmen, auch viele Komponenten und Kleinteile werden aus Titan gefertigt – nicht immer ist das sinnvoll. Ein Überblick...

Nicht nur Rahmen, auch viele Komponenten und Kleinteile werden aus Titan gefertigt – nicht immer ist das sinnvoll. Hier ein kleiner Überblick: 

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KETTE

Titanketten gab es schon in den 70er-Jahren, durchsetzen konnten sie sich bisher nicht. Als Werkstoff für Lagerungen ist Titan wegen seines schlechten Reibverhaltens problematisch. Auch ist das Einsparpotenzial begrenzt: Die „ConneX TR“ von Wippermann (250 Euro) wiegt 246 Gramm und ist damit kaum leichter als die leichtesten Standard-Zehnfachketten von Campagnolo, KMC und Sram. Dafür kostet sie etwa das Fünffache.

PEDALE

Viele Pedalhersteller bieten ihre jeweiligen Top-Modelle mit Titanachsen an, um Gewicht zu sparen: Das Material wiegt rund 40 Prozent weniger als Stahl. Allerdings ist Titan auch deutlich elastischer und biegt bei gleicher Dimensionierung doppelt so weit durch wie Stahl. Sinnvoll sind Titanachsen deshalb nur für leichte Fahrer. Die meisten Hersteller, so auch Speedplay beim abgebildeten Modell „Light Action Titanium“ (285 Euro), setzen daher für den Gebrauch dieser Pedale Gewichtslimits (in diesem Fall 84 Kilo).

RITZEL

Titankassetten wie das abgebildete Modell „Rasselbande“ von Tune (273 Euro, 152 Gramm) sparen gegenüber Standard-Zehnfach-Kassetten aus Stahl mit 12 bis 25 Zähnen 50 bis 100 Gramm Gewicht. Allerdings ist das Schaltverhalten im Vergleich zu normalen Kassetten mit Stahlritzeln bescheiden. Zudem halten die Ritzel wegen der geringeren Härte von Titan nicht so lange wie Stahlritzel – wieviel das ausmacht, hängt von Legierung und Einsatzbedingungen ab. Sinnvoller Kompromiss zwischen Leichtbau und Dauerhaltbarkeit: große, selten gefahrene Ritzel aus Titan, die kleineren Arbeitsritzel aus Stahl. Diesen Weg gehen Campagnolo und Shimano bei ihren Top-Gruppen Record und Dura-Ace. Dass dabei die Titanritzel schneller verschlissen wären als ihre kleinen Nachbarn aus Stahl, haben wir noch nie gehört.

SCHNELLSPANNER

Als Material für Schnellspannachsen ist Titan seit vielen Jahren bewährt. Klassiker des Genres: die pro Satz 52 Gramm leichten Spanner von Tune. In der Mountainbike-Variante „AC16+17“ sind beide Achsen aus Titan (TiAL6V4), in der Rennradvariante „AC14“ ist die vordere aus Alu – das spart nochmal drei Gramm. Einige TOUR-Mitarbeiter nutzen die Tune-Schnellspanner seit zehn Jahren und mehr. Für 2008 wurde die Form des aus Titan gefertigten Hebels überarbeitet. Preis je Set: 96 Euro.

SCHRAUBEN

Hochfeste Titanschrauben spielen im Tuning-Bereich schon lange eine Rolle. Manche Hersteller tunen ihre Produkte damit schon ab Werk, etwa Campagnolo und Shimano, die bei ihren Top-Gruppen unter anderem Titanschrauben zur Befestigung der Schaltröllchen einsetzen. Von Syntace gibt es für den Vorbau „F99“ ein Tuning-Kit aus vier speziell gefertigten Titanschrauben für die Lenkerklemmung (14 Euro). Gewichtsersparnis gegenüber Stahlschrauben: acht Gramm.

SATTELSTÜTZE

Räder mit Titanstützen bieten oft mehr Federkomfort am Sattel als andere Modelle, da der Werkstoff hochfest und zugleich elastisch ist. Auch sind Titanstützen weniger als Carbonstützen gefährdet, durch die Sattelklemmung beschädigt zu werden. Dass sie dennoch wenig verbreitet sind, liegt daran, dass es kaum rohe Titanrohre in für Sattelstützen typischen Durchmessern (27,2 oder 31,6 Millimeter) gibt. Das Abdrehen dickerer Rohre ist schwierig, da sich das Leicht metall schlecht spanend (materialabtragend) verarbeiten lässt. Eines der wenigen Modelle auf dem Markt ist die bewährte „Alien Titanium“ von USE mit sinnvoller Klemmung. Lieferbar nur im Durchmesser 27,2 Millimeter für 179,90 Euro.

SATTEL

Dass Titan gerne für Sattelstreben genommen wird, liegt weniger am geringen Gewicht als an der hohen Elastizität des Werkstoffs. Bei vielen Sätteln, so auch dem beliebten „SLR TT“ von Selle Italia (125 Euro), verbessern sie den Federkomfort spürbar. Überprüfen lässt sich das oft im direkten Vergleich, weil viele Modelle in teureren Versionen Titan-, in günstigeren Ausführungen Stahlstreben haben. Wie bei Pedalen mit Titanachsen gilt auch hier: Sinnvoll ist der Einsatz von Titan nur bei leichten bis mittelschweren Fahrern. Wer nicht zu diesen Gruppen gehört, sollte lieber ein Modell mit Stahlgestell wählen.

Bezugsquellen/Infos:

• Selle Italia: Paul Lange & Co.; Telefon 0711/258802; www.paul-lange.de

• Speedplay: ACS-Vertrieb GmbH; Telefon 0531/87609-0; www.acs-vertrieb.de
• Syntace: Telefon 08634/66666; www.syntace.de

• USE: Phobia, Telefon 0700/00-746242; www.phobia-bikes.de

• Tune: Telefon 07631/7480735; www.tune.de
• Wippermann: Telefon 02331/782-0; www.connexchain.com

Manuel Jekel, Dirk Zedler am 19.02.2008
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