Die vier Initatoren von "Rettet die Schmitzebud" (Martin Nolden, Sebastian Ackermann, Ralph Draeger, Milko Murat, von links nach rechts) vor dem lokalpolitisch umstrittenen Kult-Treff, zusammen mit Radsportlegende Rolf Wolfshohl (vorne) Die vier Initatoren von "Rettet die Schmitzebud" (Martin Nolden, Sebastian Ackermann, Ralph Draeger, Milko Murat, von links nach rechts) vor dem lokalpolitisch umstrittenen Kult-Treff, zusammen mit Radsportlegende Rolf Wolfshohl (vorne)
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"Rettet die Schmitzebud": Initiative gegründet

Weinberger am 29.10.2008

Für den Erhalt des ältesten deutschen Radsport-Kiosk ”Schmitzebud” in Köln hat sich eine Netzwerk-Initiative gegründet.

Für den Erhalt des ältesten deutschen Radsport-Kiosk, die so genannte „Schmitzebud“ in Köln, hat sich eine Netzwerk-Initiative gegründet. Unter dem  Motto „Rettet die Schmitzebud“ setzt sich eine vierköpfige Gruppe, bestehend aus Rennradfahrern und ortansässigen Bürgern dafür ein, das Gelände sowie den bei Radfahrern bundesweit bekannten Verkaufspavillion auch in Zukunft entsprechend seiner über 100jährigen Tradition zu nutzen.

Das am östlichen Kölner Naherholungsgebiet Königsforst gelegene Büdchen war 1898 zur Einweihung der dort endenden Stadtbahnverbindung gegründet worden. Seitdem war die nach ihren zeitweiligen Besitzern genannte „Schmitzebud“ Anlaufpunkt für Wanderer und Naherholungssuchende. Bundesweiten Kultstatus erlangte der Kiosk dadurch, dass er bereits seit den 30er Jahren Anlaufpunkt für Radrennfahrer ist. Lebende Radrennfahrlegenden wie der ortsansässige Rolf Wolfshohl (dreimal Weltmeister, 14-mal deutscher Meister im Radcross, Tour-de-France-Etappensieger etc.), der Kölner Ex-Radprofi Karl-Heinz Kunde (unter anderem dreimaliger Deutscher Meister, Träger des gelben Trikots der Tour de France) oder der als ARD-Radsportkommentator bekannte Ex-Radprofi Marcel Wüst nutzten die „Schmitzebud“ als Verpflegungsstation und Ausgangspunkt für ihre Trainingsfahrten ins Bergische Land.

Die offiziell als Trinkhalle Königsforst bezeichnete „Bude“ diente darüber hinaus jahrelang als Ausgangspunkt für das so genannte Bergische Karussell, eine sonntäglich stattfindende permanente Radtouristikfahrt (RTF). An Wochenenden genauso wie Werktagen fungiert der Traditionskiosk als Treffpunkt hunderter Radfahrer aus dem gesamten Bundesgebiet, darunter Profis, Amateure und Hobbyfahrer. Auch das jährlich ausgetragene Radrennen „Rund um Köln“ führt die teilnehmenden Profis und Jedermannfahrer direkt an der „Schmitzebud“ vorbei.

Seit dem Winter 2007 hat die Inhaberin Marita Wimmer den historischen Verkaufspavillion jedoch geschlossen und bietet ihn zum Verkauf an. Das Schicksal des Kulttreffs steht seither in den Sternen und hat eine lokalpolitische Debatte entfacht. Zuletzt ließen Zeitungsmeldungen aufhorchen, der Jahrhundertkiosk, der dem Vernehmen nach auch bereits von den "Bläck Fööss" besungen wurde ("Kaffe-Bud"), werde auf kommunalpolitischen Druck hin abgerissen, um an seiner Stelle eine Hinweistafel für ein historisches Hügelgräberfeld zu errichten (Hintergrundartikel im Kölner Stadtanzeiger vom 15.09.2008).

Die ortsanssässige CDU war lange bei ihrer Haltung geblieben, dass alle Bemühungen, einen neuen Betreiber zu suchen, als gescheitert  betrachtet werden müssten, so die Initiative. Mittlerweile aber spricht sich auch die CDU für eine Weiternutzung der Trinkhalle aus. Die SPD forderte bereits in einer Bezirksverwaltungssitzung im August 2008 eine Wiederaufnahme des Kiosk-Betriebs, konnte sich damit und mit Anträgen zur Gestaltung des Geländes seinerzeit aber nicht durchsetzen. Einig seien sich beide Parteien schon damals gewesen, dass die Stadtverwaltung eine neue Platzfläche um den Kiosk herum planen solle. Die „Schmitzebud“ ist Privateigentum der Noch-Inhaberin Marita Wimmer, das angrenzende Grünflächen-Gelände städtisch. Klarheit soll nun eine Bezirksverwaltungssitzung am 06. November 2008 bringen.

Die Netzwerk-Initiative „Rettet die Schmitzebud“ wurde am 18. Oktober 2008 in Köln-Rath von vier Radrennfahrern aus Köln und Bergisch Gladbach gegründet, die sich durch Aktionen und Öffentlichkeitsarbeit für den Erhalt der historischen Einrichtung im Sinne aller Bürger, Naherholungssuchenden und Radsportler einsetzen wollen. „Rettet die Schitzebud“ versteht sich als überparteiliches und überregionales Forum. „Die Schmitzebud ist nicht nur für uns Radrennfahrer Kult und darf nicht sterben“, umreißt der Sprecher der Initiative, Sebastian Ackermann, seine Ziele.

Adresse der „Schmitzebud“:
Trinkhalle Königsforst
Ecke Rösrather Strasse/Nerthusstraße
51107 Köln (Rath/Königsforst)

Weitere Infos und Kontakt zur Initiative:

www.schmitzebuedchen.de, Info@schmitzebud.com
 

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Der Erhaltung ihres Kiosks zuliebe griffen die Initiativ-Betreiber Ralpf Drager, Sebastian Ackermann und Martin Nolden (v.l.n.r.) auch schon zum Putzlappen und brachten die Schmitzebud auf Hochglanz. Noch-Beitzerin Marita Wimme sah's wohl mit etwas Wehmut

Weinberger am 29.10.2008
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