Omar di Felice Omar di Felice

Radfahren im Winter

Omar di Felice: Ein Italiener im Schnee

Kristian Bauer am 09.12.2017

Für die meisten Rennradfahrer ist der Winter ein Graus: Hauptsache es schneit nicht und bleibt mild. Ein Italiener macht mit spektakulären Fahrten im Schnee auf sich aufmerksam.

Sie haben keine Lust auf Wintertraining und frieren bereits nach wenigen Kilometern? Dann ist Omar di Felice vielleicht eine gute Motivationsquelle. Felice ist ein italienischer Ultracycling-Sportler der u.a. die Extrem-Rennen Tortour Switzerland, Race Across Italy, Dolomitics24 und Le Raid Provence Extreme gewonnen hat. Der 36-Jährige pflegt ein eiskaltes Hobby: das Radeln in Schnee und Eis. So ist er mitten im Winter bereits mehrmals zum Nordkap geradelt hat oder im winterlichen Island Rad-Abenteuer gesucht. Felice setzt auf ein normales Rennrad oder ein Cyclocross-Rad mit Spike-Reifen. Angst vor der Kälte hat er nicht.

Omar di Felice


Interview:

Wie kommt man auf die Idee im Winter lange Strecken mit dem Rennrad zu fahren?

Als ich mit dem Ultracycling angefangen habe, wollte ich meinen Fahrten und Abenteuern etwas Magie hinzufügen. Seit ich ein Kind bin, liebe ich den Winter und den Norden. Deshalb habe ich überlegt wie sich das verbinden lässt. Ich habe mir eine Landkarte gekauft und habe zu träumen angefangen – so bin ich auf die Idee mit der Fahrt zum Nordkap gekommen. Niemand ist vorher mit einem Rennrad über den Polarkreis jeden Tag 200 Kilometer geradelt. Es gab Leute, die es mit dem Fatbike gemacht haben, aber ich mag lieber das traditionelle Rennrad.

Omar di Felice

Wie trainieren Sie für Abenteuer wie die Fahrt zum Nordkap?
Die meisten Hobbyfahrer machen im Winter eine Pause und suchen dann für den Saisonstart einen Ort, der möglichst warm ist. Bei mir ist es genau anders rum. Von November bis Januar, vor einem arktischen Abenteuer, suche ich einen Ort der ähnliche Bedingungen hat. Deshalb trainiere ich stundenlang in den Alpen oder im Apennin auf verschneiten Bergstraßen. In den letzten zwei Jahren habe ich rund um Bormio und das Stilfserjoch ideale Bedingungen gehabt. Ideal bedeutet für mich, vereiste Straßen und Kälte. Man muss auch an das ganze Material denken, das man so am besten testen kann: Laufräder, Bremsen, Bekleidung...

Wie lange sind denn die Etappen auf dem Weg zum Nordkap?
Ich bin in diesem Jahr 1.600 Kilometer in acht Tagen gefahren und hatte einen Ruhetag. Es war wie ein Traum oder ein Film. Ein Land im Winter zu durchqueren hat etwas Magisches: Von der Großstadt Helsinki zur kalten Stille im winterlichen Lappland und dabei friedliche, unberührte Landschaft. Radfahren unter dem Polarlicht ist ein Erlebnis, das man niemals vergisst.

Haben Sie keine Angst?
Wenn ich aufs Rad steige, habe ich keine Angst vor Autos, Unfällen oder Tieren. Finnland, Norwegen und Island sind sehr fahrradfreundlich, deshalb ist das Unfallrisiko sehr niedrig. Es gab gefährliche Momente weil Tiere die Straße gequert haben, aber das gehört halt dazu. Und man muss natürlich immer auf den Straßenbelag schauen. Trotz Spikes ist das Fahren auf Eis nicht einfach.

Irgendwelche Technik- Tipps?
Ich habe 2014 auf Scheibenbremsen umgestellt und das war eine Revolution für mich. Selbst bei –32 C°haben die Bremsen gut funktioniert.

Was hilft gegen die Kälte?
Man muss die Kälte vor allem mental verarbeiten. Wenn man dieses Wetter nicht mag, wird man damit auch nicht klar kommen. Und man muss seinen Körper daran gewöhnen Kälte zu ertragen. Ausrüstung ist natürlich sehr wichtig. Ich benutze Unterwäsche aus Merino Wolle und meiner Erfahrung nach funktioniert das am besten. Und der Energieverbrauch bei solchen Bedingungen ist sehr hoch. Man muss deshalb mehr Fett, Proteine und Nahrung mit vielen Kalorien essen.

Links im Netz Omar di Felice:

Web: www.ultracyclingman.com

Auf Strava: www.strava.com/athletes/1527761

Instagram: https://www.instagram.com/omardifelice/

Der Vimeo-Film "All roads lead to Nordkap" hält sein Abenteuer fest (Untertitel zuschaltbar)

Kristian Bauer am 09.12.2017