Giro delle Dolomiti 2017 Giro delle Dolomiti 2017

Giro delle Dolomiti Bericht

Stop and Go beim Etappenrennen rund um Bozen

Kristian Bauer am 19.10.2017

Ein Rennen bei dem auch auf die Langsamsten gewartet wird? Was verrückt klingt, ist das erfolgreiche Markenzeichen des Jedermann-Etappenrennens Giro delle Dolomiti

Alois Vigl fährt in die Top Ten, während Stephan Deitert immer noch im letzten Fünftel der Rangliste unterwegs ist – aber wer von beiden auf dieser vierten Etappe des Giro delle Dolomiti früher ins Ziel kommt, ist völlig offen. Und so geht das auf jeder der sechs Etappen des Hobbyrennens rund um Bozen. Die Besonderheit: Nicht am Zielstrich wird die gefahrene Zeit gemessen, sondern nur an ausgewählten Anstiegen und an einem Teilstück des Teamzeitfahrens der fünften Etappe. Entspannt dahinrollen, dann für wenige Kilometer Vollgas geben und bei der Rückfahrt lange ausrollen, lautet die Kurzzusammenfassung einer Tagesetappe. Und noch eine Besonderheit: Beim Giro delle Dolomiti startet und endet jede Etappe in Bozen.

So kommt es, dass die Teilnehmer sich jeden Morgen auf dem Messegelände am Stadtrand von Bozen völlig entspannt in das Starterfeld einreihen. Kein Gedrängel, keine Hektik, kein Versuch, sich in letzter Minute noch einen Platz im ersten Startblock zu ermogeln, wie man es von anderen Rennen kennt. Auch an diesem Donnerstag, dem Tag der vierten Etappe, weiß jeder der 650 Teilnehmer, dass alle die ersten 80 der 143 Kilometer dahinrollen werden: im geschlossenen Verband und bei kontrollierter Geschwindigkeit. Wie bei einem sehr in die Länge gezogenen neutralisierten Start. Erst in Sterzing werden alle alles geben, um die 16 Kilometer und 1.271 Höhenmeter zum Penser Joch so schnell wie möglich zu überwinden.

Und so setzt sich um kurz nach acht Uhr das große Feld träge in Bewegung. Über große Ausfallstraßen geht es abgeschirmt von Motorrädern und Begleitfahrzeugen auf nicht gesperrten Straßen aus der Stadt. Durch die niedrige Geschwindigkeit kommt das Fahrerfeld an Kreisverkehren und Weggabelungen fast zum Stehen. Immer wieder bleiben Radler am Streckenrand stehen und schaffen es danach, das Feld wieder einzuholen.

Giro delle Dolomiti 2017

Das Führungsfahrzeug hält das Tempo konstant niedrig, sodass das Fahrerfeld zusammenbleibt. Die Abfahrten geraten daher zur Kraftübung für die Hände, das Dauerbremsen nagt am Material. Hier ist Geduld gefragt – und wie sich später zeigen sollte, bringt die nicht jeder mit. Meist geht es über große Straßen, bevor man die schöne Bergwelt erreicht. Bis dahin wird die Zeit mit Smalltalk überbrückt. Wenn in einem Tunnel der Schall von den Wänden zurückkommt, fliegt einem ein buntes Sprachengewirr um die Ohren.

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Kristian Bauer am 19.10.2017