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Virtuelles Rollentraining mit Zwift

Indoortraining-Software im Test: Zwift

Konstantin Rohé am 19.11.2020

Spieleparadies und Trainingsplattform - der TOUR-Check zeigt, wie gut Zwift, die virtuelle Trainingssoftware mit den weltweit meisten Nutzern, diesen Spagat schafft.

Zwift lebt von der großen Zahl der Nutzer, die Rollen­training zum sozialen Event machen – und bedient den menschlichen Spieltrieb so geschickt wie keine andere Software. Vor sechs Jahren startete das US-Unternehmen mit Sitz in Long Beach die Gameification des Indoortrainings. Mittlerweile sind weltweit knappe 3 Millionen Zwift-Konten eröffnet worden. Allein der deutsche Markt legte im Kalenderjahr 2020 um über 90 Prozent zu. Was macht die Faszination von Zwift aus und wie funktioniert die Trainingsplattform?

Aufbau: Training als Spiel

Mit dem Level-System und frei spielbaren Inhalten orientiert sich Zwift an Spiele-Klassikern wie ­Super Mario. Die Auswahl von Modus, Strecke und Bekleidung ist einfach, lediglich die Übersicht der Challenges und Auszeichnungen ist im Menü versteckt.

Zwift

Was im echten Leben unerreichbar scheint, ist auf Zwift problemlos möglich: Man gönnt sich nach dem Level-Aufstieg mal schnell ein neues Trek Émonda und einen Bontrager-Laufradsatz.

Das übergeordnete Ziel in Zwift ist es mit jedem absolvierten Kilometer neue Erfahrungspunkte, die sogenannten XP, zu sammeln und daurch Level aufzusteigen und neue Strecken, Räder und Zubehör freizuspielen. Mit dem Drop Shop hat Zwift sogar einen eigenen kleinen Marktplatz, an dem User ihre XP in neue Laufräder, schickere Schuhe oder leichtere Carbonrahmen investieren können. Mittlerweile gibt es 50 Level und entsprechend viel freischaltbares Material.

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Hunderte Kilometer virtuelle Strecken

Der Eventkalender listet täglich über 100 Veranstaltungen auf: Virtuelle Gruppenfahrten, gemeinsame Trainingseinheiten oder knallhartes Indoor-Racing. Insbesondere die Kooperation mit dem Tour de France-Veranstalter ASO im Rahmen der Tour de France Virtual im Juli 2020 hat neue Türen geöffnet, mit Mont Ventoux und Champs Élysées sind spektakuläre neue Strecken hinzu gekommen. Insgesamt verfügt Zwift Ende 2020 über acht virtuelle Welten an, die jeweils mehrere Routen-Optionen bieten:

  • Champs Élysées
  • France (u.a. mit Mont-Saint-Michel und Mont Ventoux)
  • Innsbruck (WM-Kurs von 2018)
  • London (angelehnt an Olympia 2012)
  • New York (futuristischer Kurs durch den Central Park)
  • Richmond (WM-Kurs von 2015)
  • Watopia (fiktive Inselwelt u.a. mit Alpe d'Huez-Nachbau)
  • Yorkshire (WM 2019)
Zwift

Eine Zwift-Bergwertung steht an? Das macht müde Beine wieder munter!


Sowohl Liebhaber realer Strecken werden mit den WM-Strecken von 2015, 2018 und 2019 fündig, alsauch Rennradfahrer, die abgefahrenere Action bevorzugen: Auf der fiktiven Insel Watopia fährt man durch Dschungellandschaften, Vulkane und entlang malerischer Strände. Der im November 2018 veröffentliche New York-Kurs setzt vor allem auf spacige Weltraum-Optik und schindelerregende Wolkenkratzer. Zwift gibt allerdings vor, ­welche drei Welten an welchem Tag zur Verfügung steht – was sich mittels händischer Anpassung im Editor außerhalb des Spiels aber auch umgehen lässt.

Fahren auf Zwift: Jetzt wird geballert!

Die Vielzahl an Bergwertungen und Zwischensprints auf allen Strecken animieren dazu kräftig in die Pedale zu treten Auch die Trainingseinheiten, ob alleine oder in der Gruppe gefahren, bringen stetig ­Abwechslung. Abgerundet wird das Angebot durch einen Event-Kalender mit Trainingsfahrten oder ­Rennen rund um die Uhr. Alle Events werden allerdings schneller gefahren als angekündigt – das sollten neue Rollensportler beider Auswahl bedenken. Ein Warm-Up ist hier ebenso empfehlenswert wie ein langsames Herantasten an die in vier Kategorien unterteilten Leistungsklassen, beginnend mit D für Einsteiger bis hin zu A für Quasi-Profis.

Zwift

Event-Erinnerung links unten, Herzfrequenz am unteren Bildschirmrand, aktuelle Leistungs- und Fortschrittsdaten am oberen Bildschirmrand - auf Zwift ist einiges los!

Bei Gruppentrainings und Rennen fällt auf: Je mehr Teilnehmer am Start stehen, desto schneller werden die Grenzen des Reaslismus sichtbar. Avataren fahren regelmäßig durcheinander durch, Stürze sind nicht möglich. Das erschwert am Anfang den Überblick übers Renngeschehen und wird der Dynamik realer Radrennen nicht gerecht. Spaß macht der Kampf um Platzierungen aber dennoch. Vor allem der nur für Rennen freigeschaltete Rundkurs "Crit City" verspricht übersäuerte Beine binnen weniger Minuten!

Trainingspläne: Wie trainiere ich auf Zwift?

Das Protfolio an einzelnen Workouts und an mehr mehrwöchigen Trainingsplänen ist stetig gewachsen. Wer eine schnell und unkompliziert eine Trainingseinheit starten wil, um sich in 30 bis 60 Minuten maximal zu verausgaben, wird sicherlich fündig. Für einen langfristigen Trainingsaufbau warten viele Trainer aber mit zu komplexen und intensiven Intervallstrukturen auf. Klar, mehr Abwechslung hält die Leute bei der Stange - mit Blick auf die kommende Straßensaison taugen die Zwift-Trainingspläne aber nur bedingt. Auch wichtig: Selbst die Einheiten der dynamischen Trainingspläne sind auf feste Tage fixiiert und die Pläne passen sich nicht automatisch an, wenn man einzelne Einheiten versäumt hat. 

Info

Fazit

  • Grafik: 4/5 Sternen 
  • Fun-Faktor: 5/5 Sternen 
  • Trainingseffekt: 3/5 Sternen 
Konstantin Rohé am 19.11.2020
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