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Rollentraining mit RGT: Alternative zu Zwift?

Indoortraining-Software im Test: RGT Cycling

Konstantin Rohé am 17.03.2020

Die Software RGT will mehr Realismus als Zwift bieten und lockt derzeit mit kostenfreiem Zugang. Wir haben alle Funktionen der virtuellen Trainingsplattform im Detail getestet.

Größtmöglicher Realismus ist das erklärte Ziel von RGT Cycling, das 2018 als "Roadgrandtours" vom Software-Developer Alex Serban gegründet wurde. Im Gegensatz zu Virtu GOs umfangreichen Funktionen im Trainingsbereich und Zwifts bunter Spielewelt, setzt die Firma des vor allem auf grafische Reize.

Aufbau

Nach dem Relaunch im Sommer 2019 funktioniert RGT nur noch mit der zugehörigen App. Anders als bei Zwift dient die App aber allein der Navigation: Welche Strecke darf es sein? An welchem Segent möchte man einsteigen? Passt die aktuelle Kleider- und Materialwahl? Will man nur vor sich hin rollen oder eine Trainingseinheit absolvieren? Die Fahrt selbst hingegen läuft über Laptop oder Tablet; Voraussetzung der Download des Programms von der RGT-Website - und eine stabile Bluetooth-Verbindung für die Kommunikation zwischen Smartphone und Computer. Klingt kompliziert, ist aber durch die strikte Trennung von Navigation und Animation übersichtlicher und leichter bedienbar als man glaubt.

RGT Cap Formentor

Fast wie auf Mallorca: Die Strecke zum Cap Formentor ist die wohl abwechslungsreichste virtuelle Route auf RGT Cycling.

Strecken

Mittlerweile verfügt RGT über acht unterschiedliche Strecken:

  • Paterberg/BEL: Schleife rund um den von der Flandernrundfahrt bekannten Anstieg mit bis zu 20 Steigungsprozenten
  • Pienza/ITA: Gravelroute mit einem Anstieg
  • Mont Ventoux/FRA: 25,5 Kilometer Länge, 1.596 Höhenmeter
  • Cap Formentor/ESP: 35 Kilometer Länge, 1.000 Höhenmeter
  • Passo dello Stelvio/ITA/AUT: legendärer Anstieg, kein flacher Kilometer
  • Borrego Springs/USA: 7,7 Kilometer Länge, 9 Höhenmeter
  • 8bar Crit/Berlin: kurzer, flacher Rennkurs am Flughafen Tempelhof
  • Canary Wahrf Crit/London: kurzer, flacher Rennkurs

Optisch sind alle Strecken auf Top-Niveau: Sowohl die Anstiege zum Mount Ventoux und zum Stelvio, als auch der Gravelkurs in der Toskana oder die wellige Route zu Mallorcas Cap Formentor bieten ein atmosphärisches Erlebnis, das dem Indoor Cycling bisher fremd war. Einzig die beiden Kriteriumskurse in London und Berlin werden aufgrund der kurzen Distanz schnell monoton. Auf den langen Strecken gibt es regelmäßigen Abständen Strava-Segmente, das eingeklinkte Leaderboard spornt zu Höchstleistungen an. Von den beiden Rundkursen abgesehen, hat der User die Wahl seine Fahrt an verschiedenen Punkten zu beginnen, sich gerade aktiven Fahrern anzuschließen oder direkt an den Beginn eines Strava-Segments zu springen – ein Feature, das mehr Abwechslung bringt. Auch bei der Ausstattung legt RGT Wert auf größtmöglichen Realismus: Die Räder von BMC, Ridley und 8bar sind echte Hingucker, dazu gibt’s Material von Adidas, Lazer und DT Swiss.

Road Grand Tours

Bei RGT sind Leistung, Trittfrequenz und Puls links oben eingeblendet. Mit der Anzeige im rechten oberen Bildschirmeck behält man Windschatten, Geschwindigkeit, Steigung und Zeit im Auge.

Mit dem neuen "Magic Roads"-Feature ist es zudem möglich eigene Strecken zu kreieren. Das geht zwar nicht im Detailreichtum von Computerspiel-Klassikern wie Sims, Rollercoaster-Tycoon oder anderen Strategie-Spielen, aber immerhin verschafft es Abwechslung, wenn die acht regulären Kurse langweilig zu werden drohen. Und so funktioniert's: Man lädt ein gpx-File hoch (einzige Voraussetzungen: Unter 100 Kilomtern Gesamtlänge und kein Rundkurs!) und kann nur wenige Stunden später auf der originalgetreuen Nachbildung trainieren. Große Atmosphäre liefert die Animation dann zwar nicht, da keine Umgebung dargestellt wird. Dennoch ist das Feature eine gute Möglichkeit sich zielgerichtet auf bestimmte Veranstaltungen oder Rennen vorzubereiten. Und: Man kann per einfachem Klick Events erstellen und auf den "Magic Roads" mit oder gegen andere User fahren. 

Fahren

In Sachen Community ist RGT der wohl am weitesten entwickelte Zwift-Konkurrent. Auf den Rundkursen in Canary Wharf und Berlin finden schon seit Längerem wöchentlich Kriteriums-Rennen statt und das Chat-Fenster ermöglicht bei jeder Fahrt den Austausch mit anderen Usern. Auch auf den Straßen von Cap Formentor und Pienza werden regelmäßig Gruppenfahrt oder Rennen angeboten. Der Vorteil: Alle User mit Premium-Funktion können unkompliziert Rennen und Gruppenfahrten ansetzen - mit deutlich geringerem Aufwand als bei den mittlerweil zwangsweise doch recht bürokratisch verlaufenden Prozessen bei Zwift.

Rennen

Die Bewegungen des Avatars sind so ausgetüftelt wie bei keiner anderen Software: Ein Sprint unmittelbar vor scharfen Kurven ist nutzlos, da einberechnet wird, dass der Fahrer die Kurven anbremsen muss – die Wattanzeige leuchtet dann rot auf. Je nach Terrain und Geschwindigkeit wechselt der Avatar automatisch die Griffposition und geht in den Wiegetritt. Die Namensanzeige über dem Avatar gibt neben dem aktuellen Power-Output auch an, wie gut man den Windschatten des Vordermannes nutzt. Das macht das Rennerlebnis deutlich realistischer und mehr taktisch geprägt als bei Zwift, wo man auch Steilkurven mit über 40 Kilometern pro Stunde durchfliegt. 

Info

  • Kosten: seit 18.3. wegen Corona-Krise kostenfrei, zuvor seit Herbst 2019 mit kostenfreiem Zugang und Premium-Bezahlvariante für 14,99/Monat
  • Sprachen:  Englisch, Deutsch
  • Link: https://www.rgtcycling.com/

Fazit

  • Grafik: 5/5 
  • Fun-Faktor: 4/5
  • Trainingseffekt: 3/5
  • Realismus: 5/5
Konstantin Rohé am 17.03.2020
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