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Training

Leistungsdiagnostik

Robert Kühnen am 13.02.2012

Wie gut bin ich? Was sollte ich trainieren, um besser zu werden? Bin ich gesund? Kann eine Leistungsdiagnose darauf Antwort geben, und wenn ja, welche Methode ist die richtige und worauf ist zu achten? Viele Fragen – hier die Antworten.

Leistungsdiagnosen sollen dazu dienen, Trainingsempfehlungen zu geben, Leistungsfortschritte zu erfassen und medizinische Risiken zu erkennen beziehungsweise auszuschließen. Gerade der letzte Punkt ist unstrittig. Wer sich nach längerer Pause mit Wucht ins Training werfen möchte, ist gut beraten, sich unter ärztlicher Aufsicht maximal zu belasten – am besten bei einem Sportmediziner, der keine Hemmungen hat, Sie bis an die Grenze zu treiben, denn das passiert in freier Wildbahn ja auch. Nur ist dort selten ein Arzt zur Stelle, der bei Problemen eingreifen kann. Ob eine Leistungsdiagnose auch auf die anderen Fragen Antworten liefert – darüber streiten die Experten.

Mit einem einfachen Laktat-Stufentest – die Details finden Sie etwas weiter unten – kann man grob einschätzen, wie leistungsfähig der Proband ist. Besonders Anfänger, die ihren Körper noch nicht so gut kennen, können daraus erste konkrete Hinweise beziehen, bei welchen Herzfrequenzen sie trainieren sollen. Um Trainingsfortschritte genau zu erfassen und detaillierte Trainingsvorschläge zu machen, ist diese eher einfache Diagnose nicht geeignet. Auch die – im Vergleich zum Laktat-Stufentest – genauere Spiroergometrie beantwortet längst nicht alle Fragen, liefert aber zusätzliche objektive Parameter. Fortschrittliche Analytiker kombinieren daher die verschiedenen Ansätze und ergänzen sie um weitere Tests wie kurze Sprints zu individuellen Diagnose-Strategien.

Wer schon länger trainiert, sollte seinen gesunden Menschenverstand nutzen und die eigene Trainingsgeschichte im Blick behalten, wenn er zur Untersuchung marschiert. Die Diagnostiker nehmen sich dafür oft sehr wenig oder gar keine Zeit. Tipp: Hinterfragen Sie die Ergebnisse immer anhand eigener Daten. Wenn Sie im Spätsommer ein zweistündiges Rennen aufgezeichnet haben, bei dem Ihr Durchschnittspuls bei 160 lag, wird Ihre anaerobe Schwelle nicht bei 140 liegen sondern eher bei 160 oder darüber. Wenn Ihnen umgekehrt ein Datenanalytiker Puls 140 fürs Grundlagentraining empfiehlt, Sie aber nach einer Stunde Beine wie Blei haben, ist dieser Puls sicher zu hoch angesetzt. Und wenn Sie eine an Ergebnissen klar ablesbare, aufsteigende Form verspüren, müssen Sie nicht zum Laktat-Orakel, um sich Leistungsstagnation bescheinigen zu lassen. 

Im Zweifel sind echte Ergebnisse und Erfolge ein wesentlich besserer Gradmesser als Labortests, die versuchen, die Wirklichkeit nachzubilden – Platzierungen und Zeiten am Berg sprechen für sich.

METHODEN DER LEISTUNGSDIAGNOSE

• Hier finden Sie alle uns bekannten Institute für Leistungsdiagnostik ->

 

Labortest 1 – Laktatstufentest

• So funktioniert’s:
Der Test wird meist auf einem Ergometer durchgeführt. Die Leistung wird in bestimmten Zeitabständen stufenweise erhöht, am Ende jeder Leistungsstufe wird etwas Blut aus dem Ohrläppchen entnommen und dessen Laktatkonzentration analysiert. Der Test kann bis zur völligen Ausbelastung gehen – muss aber nicht. Als Ergebnis erhält man eine Kurve, die den Zusammenhang von Leistung und Laktat sowie die zugehörigen Pulswerte zeigt.

• Die Idee:
Laktat ist ein Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels. Die maximale Dauerleistung ist durch ein Fließgleichgewicht von Laktataufbau und -abbau gekennzeichnet. Ziel des Tests ist es, diesen Gleichgewichtszustand zu finden, bekannt als anaerobe Schwelle. Dies ist mit der Methode eines Stufentests aber nicht direkt möglich, da der Test nur Momentaufnahmen jeder Belastungsstufe liefert und prinzipiell keinen Gleichgewichtszustand erfasst. Egal, welches der mehr als 30 Interpretationsmodelle benutzt wird: Die Dauerleistungsfähigkeit lässt sich aus einem Stufentest nicht mit befriedigender Genauigkeit ablesen, der typische Fehler liegt bei 10 Prozent, im Einzelfall auch deutlich höher. Die Methode ist daher nur Anfängern zu empfehlen, um einen ersten Eindruck ihrer Leistungsfähigkeit zu bekommen. 

• Genauigkeit: gering 

• Daran erkennt man einen seriösen Test:
Er umfasst mindestens sechs Belastungsstufen von mindestens je drei Minuten Dauer. Anfangsleistung und Stufenweite müssen passend zum Probanden gewählt werden. Modelle, die bei jeder Stufe 50 Watt zulegen, um Zeit zu sparen, taugen nichts. Sitzposition wie auf dem Rennrad! Klickpedale verwenden.

• Empfehlung:
Für Anfänger zur ersten Orientierung – am besten bis zur völligen Ausbelastung testen und ein Belastungs-EKG mitlaufen lassen, um Herzrhythmusstörungen auszuschließen. Regelmäßige Tests sind, wenn überhaupt, nur bei identischem Ablauf und beim selben Anbieter sinnvoll, der Diagnose und Training aufeinander abstimmt.
Dauer 20–60 Minuten
Kosten ab ca. 70 Euro

Labortest 2 – SpiroErgometrie

• So funktioniert’s:
Der Test wird auf einem Ergometer durchgeführt – als Stufen- oder (kürzerer) Rampentest. Geatmet wird dabei durch eine Maske, die das Volumen des Atemstroms erfasst. Die Atemgase werden zudem auf ihre Zusammensetzung hin untersucht. Oftmals wird parallel noch das Blutlaktat erfasst, was aber nicht notwendig ist.

• Die Idee:
Bei der Spiroergometrie nutzt man den Effekt, dass der menschliche Organismus eine Verbrennungsmaschine ist, die Kohlendioxid (CO2) ausstößt. Aus der Bilanz von Sauerstoff und Kohlendioxid in den Atemgasen lässt sich ablesen, in welchem Leistungsbereich primär Fette verbrannt werden und ab wann der Körper sich vermehrt auf Glykogen verlässt, den (nur begrenzt vorhandenen) Muskeltreibstoff für hohe Dauerbelastungen. Allerdings reagiert die Spiro-Untersuchung empfindlich auf die Ernährung vor dem Test. Über die Änderung der Atemmesswerte und der relativen O2 /CO2-Konzentration bekommt man in Stufen- oder Rampentests zwei ventilatorische Schwellenwerte (meist als „VT“ und „RCP“ be zeichnet). Die Höhe von VT gibt Aufschluss über die aerobe Leistungsfähigkeit. RCP korreliert einigermaßen mit der anaeroben Schwelle, sollte aber in einem zweiten Test mit konstanter Leistung überprüft werden.

• Genauigkeit: mittel bis hoch

• Daran erkennt man einenseriösen Test:
Die Auswertung sollte die beiden ventilatorischen Schwellen enthalten und auch auf den Respiratorischen Quotienten (RQ) eingehen, der aussagt, bei welcher Belastung wie viel Fett verbrannt wird. Die Atemtechnik sollte bewertet werden. Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) wird mit einem Rampen test besser erfasst als mit einem Stufentest. Sitzposition wie auf dem Rennrad einnehmen! Klickpedale verwenden.

• Empfehlung:
Für leistungsorientierte Sportler, die einen tieferen Blick in ihren Stoffwechsel werfen möchten und präzisere Empfehlungen zu den Trainingszonen suchen.
Dauer 8–60 Minuten
Kosten ab ca. 120 Euro

Alternative Zeitfahrtest

• So funktioniert’s:
Der Test wird auf der Straße mit dem eigenen Rad durchgeführt. Entweder wird mittels einer genau dokumentierten Fahrt an einem steilen Berg rechnerisch über die Hubarbeit die Leistung erfasst oder (noch besser) mit einem Powermeter aufgezeichnet – unabhängig von der Steigung. Idealerweise bestreiten Sie mit Powermetern Wettkämpfe, denn so kommen Sie an die besten Daten.

• Die Idee:
Diese Testmethode ist unblutig, kostenlos und beliebig oft wiederholbar. Führt man den Test über verschiedene Längen durch – von wenigen Sekunden bis zu einer halben Stunde und mehr – erhält man praxisrelevante Leistungsprofile, die ein Abbild der sportlichen L eistungsfähigkeit ergeben und genauen Aufschluss über Stärken und Schwächen eines Fahrers erlauben. 

• Hier können Sie Bergfahrten ohne Powermeter auswerten: www.2peak.com/tools/map.php

• Genauigkeit: hoch

• Daran erkennt man einen seriösen Test:
Sie haben es selbs t in der Hand! Fahren Sie Ihre Tests immer wieder auf den gleichen Strecken und erfassen Sie alle Daten sauber, dann haben Sie eine erstklassige Datenbasis.

• Empfehlung:
Selbsttest für alle leis tungsorientierten Sportlerzur regelmäßigen Trainingserfolgskontrolle.
Dauer 6 Sek unden bis 60 Minut en
Kosten keine

Robert Kühnen am 13.02.2012