Training

Gemeinsam trainieren

Eva Stammberger am 16.04.2010

Keine Lust, immer alleine zu trainieren? Dann fahren Sie doch mal mit anderen los, denn Gruppentraining kann Spaß machen und gleichzeitig effektiv sein. TOUR zeigt Ihnen, wie.

Alleine trainieren hat einen Riesenvorteil: Man kann sein Training genau steuern und den eigenen Bedürfnissen anpassen. Aber immer alleine zur Ausfahrt zu starten, kann langweilig werden – weshalb sich viele Radler regelmäßig mit Gleichgesinnten treffen, um gemeinsam zu trainieren. Die Motivation ist so vor allem bei langen Ausfahrten größer, man kann sich unterwegs austauschen und gegenseitig pushen. Doch hier liegt auch ein Problem: Oft entwickelt sich eine als lockeres Grundlagentraining geplante Einheit schon am ersten Berg zum Ausscheidungsfahren – und keiner will zurückstecken. Das weiß auch TOUR-Trainingsexperte Dr. Björn Stapelfeldt: “Fast immer wird in Gruppen zu schnell gefahren, mit sinnvollem Training hat das nichts mehr zu tun.” Wenn die Fahrer obendrein unterschiedlich stark sind, wird die als schönes Gemeinschaftserlebnis geplante Einheit zum Frusttraining für alle: Die Starken sind unterfordert, die Schwachen kommen nicht hinterher.

Also doch lieber alleine fahren? “Nein, gemeinsames Training kann sehr sinnvoll und effektiv sein; man muss nur wissen wie”, so Stapelfeldt. Häufig sind unterschiedlich starke Fahrer sogar leichter unter einen Hut zu bekommen. Bei Fahrern auf ähnlichem Niveau ist oft zu beobachten, dass schon bei einer Gruppenstärke von sechs Fahrern (drei Reihen) das Trainingsziel, beispielsweise Grundlagentraining, fast nie konsequent durch gezogen wird. SRM-Auswertungen bei geplanten Grundlageneinheiten zeigten, so schildert Stapelfeldt, etwa folgende Verteilung: 20 bis 25 Prozent der Zeit fuhren die Gruppen im Kompensationsbereich, 50 bis 60 Prozent im GA1-Bereich, 15 bis 20 Prozent im GA2-, rund fünf Prozent im Entwicklungs- und zwei bis fünf Prozent im Spitzenbereich. “Im angestrebten Zielbereich (Grundlage 1) waren die Fahrer also nur die Hälfte der Zeit”, sagt Stapelfeldt. Dies resultiert daraus, dass in der Führung der Gruppe oft schneller als im GA1-Bereich gefahren wird, im hinteren Teil aber darunter.” Mischen sich starke und schwächere Fahrer in einer Gruppe, so kann die Wirkung des Windschattens dagegen sehr gut ausgenutzt werden: Während die Besten im Wind  fahren, sparen die Schwächeren im Windschatten bis zu 30 Prozent Energie und werden nicht abgehängt.

Weitere Vorteile des gemeinsamen Trainings: Es macht mehr Spaß. Zusammen quält man sich fiese Anstiege leichter hinauf und man lernt spielerisch das Fahren im Feld – eine gute Vorbereitung auf Jedermann-Rennen oder Radmarathons. “Das Allerwichtigste für effektives Gruppentraining unterschiedlich starker Fahrer ist es aber, vorher und auch unterwegs zu besprechen, wer welche Trainingsziele hat und die Einheit dementsprechend flexibel zu gestalten”, so Stapelfeldt. Möglichkeiten hierfür gibt es viele (siehe Kasten Trainingsbeispiele), und langweilig wird das gemeinsame Training sowieso nicht. Um im Eifer des Gefechtes nicht aus den Augen zu verlieren, wie man seinen Körper belastet, ist es übrigens sinnvoll, Herzfrequenz- oder Leistungsmessgeräte dabei zu haben – so kann man die individuelle Beanspruchung jederzeit überprüfen. Findet sich eine Gruppe neu zum gemeinsamen Training, müssen die Fahrer erst einmal ausprobieren, wie sie die Ausfahrt gestalten, damit alle davon profitieren. Wenn Sie die TOUR-Tipps beachten, fahren Sie in der Gruppe nicht nur motivierter los als alleine, sondern es kommen auch alle zufrieden an.

Die TOUR-Tipps finden Sie unten als PDF-Download.

Wer schlau kreiselt, kann Leistungsunterschiede in der Gruppe ausgleichen

Bergintervalle - langsame und schnelle Fahrer im Pendelbetrieb

Verfolgungsrennen in der Gruppe (Foto: Markus Greber)

Eva Stammberger am 16.04.2010
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