Training

Das richtige Material: Rad & Co.

Tomek am 05.07.2006

Die richtige Kleidung wählen, richtig essen und trinken, ausreichend Kraft in den Beinen haben, jedem Wetter trotzen und dann: durchhalten, durchhalten, durchhalten. Damit Sie die Herausforderung Marathon mit Spaß meistern, haben wir hier für Einsteiger und Experten alles zusammengefasst, was Sie zu den Themen Kleidung, Rad und Fahrtechnik, Training und Ernährung wissen müssen.

Fotostrecke: Artikel1456

Drei Dinge kennzeichnen die meisten Radmarathons: viele Teilnehmer, viele Kilometer, viele Berge. Daraus resultiert eine Herausforderung, auf die man sich nicht nur mit ordentlichem Training vorbereiten sollte: Auch das Material verdient besondere Aufmerksamkeit.

 

 

Flaschenhalter

 

Nichts ist so wichtig wie regelmäßiges Trinken. Dazu muss man auch im dichten Gewühl einer Gruppe schnell und sicher an die Flasche kommen. Viele ultraleichte Flaschenhalter und Carbonmodelle klemmen die Flasche zu fest und nehmen nicht alle Flaschenformen auf. Besser: Alu-Rundrohrgestelle mit guter Vorspannung sind preiswert und bewährt.

Reifen

 

Bei fünf oder mehr Stunden Fahrtdauer sind schlappe fünf Minuten für die Reparatur einer Panne eigentlich zu vernachlässigen. Angeknackste Moral und die Wettkampf-Hektik führen aber schnell zu Montagefehlern, die ärgerliche Folge­pannen nach sich ­zie­hen können. Wenn Sie’s lange nicht mehr gemacht haben: Betrachten Sie die notwendige Kontrolle von Schläuchen und Felgen­bändern vor dem Marathon als gute Übung.

Die richtige Übersetzung

Zahlen lügen nicht: Wenn ein 80 Kilo schwerer Fahrer auf einem im Marathontrimm 10 Kilo schweren Rennrad eine 14-prozentige Steigung mit 15 km/h erklimmen möchte, benötigt er dafür ziemlich genau 560 Watt. Leider hat so gut wie kein Radsportler diese Leistung konstant zur Verfügung – also fällt die Geschwindigkeit. Aber auch bei 8 km/h braucht er noch rund 290 Watt – und das ist deutlich mehr, als selbst gut trainierte Hobbysportler auf Dauer zu leisten vermögen. Mit dem kleinsten Standard-Gang von 39/23 fällt die Trittfrequenz auf weniger als 40 Umdrehungen. Die Rettung liegt leider nicht im leichteren Rad: Zwei Kilo am Material gespart, reduziert die Leistung auf etwa 285 Watt – kein ­großer Unterschied, und immer noch zu viel für das Gros aller Radsportler. Einzige Lösung: eine konsequent bergtaugliche Übersetzung.

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DIE RENN-VARIANTE

 

Zweifach Standard

 

Mit der Kettenblatt-Kombination 52/39 ist die klassische Zweifach-Kurbel schon von Haus aus nur für sehr gut trainierte, leichte Radsportler geeignet. Dennoch sollten auch sie das Maximum an Übersetzungsreserve aus dem Ritzelpaket herausholen. Campagnolo bietet Zehnfach-Pakete an, die bis 29 Zähne reichen, Shimano nur bis 27 Zähne. Shimano-Fahrer können das Zehnfach-Paket aber mit überschaubarem Aufwand auf 30 Zähne aufrüsten (Siehe Werkstatt S. 72). ­Vorteil dieser Variante: Die Schritte zwischen den einzelnen Gängen bleiben recht eng, man findet in jedem Gang direkten Anschluss.

• Das müssen Sie umbauen: Ritzel, eventuell Zwischenringe

Shimano-Neunfach-Piloten können mittels MTB-­Zahnkranz und -Schaltwerk bis zu 34 Zähne große Ritzel montieren. Unsere Referenzperson würde so mit knapp 50 Kurbelumdrehungen bei 6 km/h über den Berg kurbeln. Der Nachteil: Die Schaltschritte werden durch ein Ritzel weniger und die enorme Spreizung gegenüber Zehnfach deutlich größer. Diese Funktionseinbuße ist jedoch ein Klacks, vergleicht man es mit dem Versuch, kurz mal zehn Kilogramm abzuspecken.

• Das müssen Sie umbauen: Ritzel, Schaltwerk

 

Zweifach Kompakt

 

Kompakt-Kurbeln haben einen kleineren Lochkreis, der kleine Kettenblätter mit bis zu 34 Zähnen aufnehmen kann (großes Blatt 50 Zähne). Auch hier aber belegt das Rechenexempel: In Verbindung mit einem 29er Ritzel sinkt die Trittfrequenz bei 6 km/h auf weniger als 50 Umdrehungen, was die Gelenke enorm ­belastet. Um mit annähernd angenehmen 55 Umdrehungen zu treten, müsste sich ein 34er-Ritzel am Hinterrad drehen. Solch ein Umbau ist allerdings nur bei Neunfach-­Antrieben möglich. Die Begrenzung der ­Endgeschwindigkeit durch das maximal 50 Zähne große Blatt fällt allenfalls bergab auf, wo es aber ohnehin nur sehr selten sinnvoll ist, voll mitzutreten.

• Das müssen Sie umbauen: Ritzel, Schaltwerk, Kurbel, eventuell Umwerfer

 

DIE KOMFORT-VARIANTE

 

Dreifach

 

Die meisten Dreifach-Kurbeln haben ein kleinstes ­Kettenblatt mit 30 Zähnen. In Verbindung mit Shimanos ­Serienzahnkranz mit maximal 27 Zähnen bringt auch das die Trittfrequenz bei langsamen Geschwindigkeiten noch nicht in den grünen Bereich. Die Beispielrechnung zeigt: Erst mit 30 Zähnen am Hinterrad kann ein 80-Kilo-Athlet mit 55 Umdrehungen pro Minute eine 14-prozentige Steigung erklimmen, wenn er rund 220 Watt leistet. Vorteil Dreifach: ­Keine Einschränkung bei der Endgeschwindigkeit, weil das 52er als größtes Kettenblatt erhalten bleibt. Nachteil: Erhöhte Schalt-

arbeit, um stets im richtigen Gang zu fahren und eine schräge Kettenlinie zu vermeiden.

• Das müssen Sie umbauen: Kurbeln, Lager, ­Umwerfer, Schaltwerk, Ritzel und Kette. Achtung, Shimano-Fahrer: Nicht alle linken Dual-Control-Hebel sind für Dreifach-Schaltungen geeignet!

 

Tomek am 05.07.2006