Altertum oder Jugendstil? Altertum oder Jugendstil?
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Altertum oder Jugendstil?

redakteur1 am 15.12.2003

Alt zu werden, ohne alt zu sein – unmöglich? Nicht ganz. Wer sich mehrmals pro Woche aufs Rennrad setzt, hat nicht nur das Gefühl, sich etwas Gutes zu tun: Der Körper bleibt tatsächlich jung

Jung bleiben ist in wie nie zuvor. „Anti-Aging“ heißt das vielbenutzte Zauberwort von Ärzten, Kliniken und Kosmetikindustrie. Dahinter verbirgt sich das Versprechen der ewigen Jugend ganz ohne körperliche Anstrengung. Und es scheint anzukommen: Allein vergangenes Jahr verkaufte der deutsche Einzelhandel Kosmetikartikel im Wert von 1,1 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Für Bücher und Presseartikel wurden im selben Zeitraum nur 0,1 Milliarden Euro ausgegeben. Rund 23 Prozent der 50- bis 59-Jährigen sind laut einer Emnid-Umfrage bereit, Medikamente gegen Alterungserscheinungen einzunehmen, aber nur 15 Prozent der 50- bis 80-jährigen Deutschen treiben regelmäßig Sport, um sich fit zu halten. Mehr als die Hälfte der Nichtsportler dieser Altersgruppe würde – so eine Umfrage des Institutes für Sportwissenschaften in Bonn – unter keinen Umständen damit anfangen.
Ein Fehler, findet Bernd Paschel, Diplom-Sportlehrer und Betreiber der Internetseite Team 40 Plus. Denn regelmäßiger Sport halte den Alterungsprozess nicht nur auf, sondern könne ihn sogar umdrehen. „Am effektivsten ist eine Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining“, erklärt er. Rennradfahren ist eine Kombination aus beidem, quasi ein Allround-Anti-Aging-Mittel. „Ein gut trainierter 70-Jähriger kann einen untrainierten 30-Jährigen locker abhängen“, ist auch Dr. Roger Eisen überzeugt, der ein Anti-Aging-Zentrum in Bad Griesbach leitet. Und zwar ganz ohne Zuhilfenahme von Emulsionen und Tinkturen.

Jungbrunnen Rennrad

Rennradfahren erhält die Muskeln: Mit zunehmendem Alter wandelt sich das Verhältnis Fett zu Muskeln. Der Anteil der Muskelmasse verringert sich bei Untrainierten um bis zu 40 Prozent, der Fettanteil steigt um bis zu 15 Prozent. Grund für Muskelschwund und Fettzunahme: Die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen, die diese Prozesse beeinflussen, gehen mit zunehmendem Alter zurück. „Die vermehrte Fetteinlagerung kann man auch mit Sport nicht völlig verhindern“, erklärt Roger Eisen, „aber man kann sie vermindern.“ So stieg der bei einer Studie gemessene Körperfettanteil ausdauertrainierter Senioren nur um fünf Prozent.
Rennradfahren kräftigt die Knochen: Ab dem Alter von 35 Jahren baut der Körper kontinuierlich  Knochenmasse ab. Die Fresszellen (Osteoklasten) in den Knochen gewinnen die Oberhand, der Darm absorbiert das für den Knochenaufbau essenzielle Kalzium schlechter. Pro Jahr verringert sich die Knochenmasse bei Untrainierten um bis zu eineinhalb Prozent.

Aber auch im Alter reagieren die Knochen noch auf Reize wie Belastung und Druck: Feine Bälkchen in der Knochensubstanz richten sich nach der Hauptbeanspruchung aus und stabilisieren so den Knochen. Die einwirkende Muskelkraft bewirkt, dass sich Kalzium besser in den Knochen einlagert und sich der Abbau der Knochenmasse verzögert.  Rennradfahren beansprucht und stärkt das Skelett, belastet es aber nicht so stark wie beispielsweise Laufen.
Rennradfahren stärkt das Immunsystem: Bei aerobem Training hilft Sauerstoff, Fettsäure- und Glukosemoleküle zur Energiegewinnung in die energielosen Endprodukte Kohlendioxid und Wasser zu zerlegen. Manchmal, besonders mit zunehmendem Alter, arbeiten die Mitochondrien – die Kraftwerke der Zelle, in denen die chemischen Reaktionen zur Energiebereitstellung ablaufen – fehlerhaft.
Statt Wasser und Kohlendioxid entstehen aggressive Teilchen, die freien Radikale. Sie greifen das Gewebe an, schwächen das Immunsystem und beschleunigen den Alterungsprozess. „Mit lockerem  Grundlagenausdauertraining kann man ihnen aber entgegenwirken“, sagt Robert Eifler, ehemaliger Mannschaftsarzt des Team Nürnberger. Durch regelmäßiges Rennradeln bei 70 bis 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz entstehen durch die Belastung viele kleine Reizungen in Muskeln und Darm. Der Körper will sie so schnell wie möglich ausheilen und schickt ein ganzes Heer von Reparaturzellen (Antioxidantien) los – viel mehr als zur Reparatur der winzigen Entzündungen nötig sind. Die überzähligen Antioxidantien kümmern sich um Bakterien, Giftstoffe – und freie Radikale.

Rennradfahren bringt das Gehirn auf Trab: Gemäßigter Sport macht gelassen. Der Körper baut Stresshormone ab und schüttet stimmungsaufhellende Neurotransmitter aus. Noradrenalin kontrolliert  Erregungszustände, Serotonin hebt die Stimmung. Aber nicht nur das: Schon bei einer Radausfahrt mit 40-prozentiger Belastung fließen 25 bis 40 Prozent mehr Blut ins Gehirn. „Die Großhirnrinde wird besser durchblutet“, erklärt Wolf-Dieter Heist vom Max-Planck-Institut in Köln. Folge: Selbst im fortgeschrittenen Alter können wir uns besser konzentrieren und uns Dinge leichter merken.

Rennradfahren pusht den Hormonspiegel: Je weniger wir von den Geschlechtshormonen Testosteron und Östrogen im Körper haben sowie vom Stresshormon Cortisol, dessen Gegenpol DHEA, von Melatonin und dem Wachstumshormon HGH, desto geringer wird unsere Leistungsfähigkeit. Kurze Intensiveinheiten bei der Ausfahrt, wie  Bergintervalle oder Sprints, regen die Produktion von Testosteron an, das für Muskelaufbau und Leistungsfähigkeit verantwortlich ist. „Trainierte Männer haben einen erhöhten Testosteron-Spiegel, weil der Körper mehr von diesem Hormon produziert, um Muskeln aufzubauen“, bestätigt Roger Eisen.

Außerdem schläft man nach sportlicher Betätigung besser. Im Schlaf produziert der Körper  Wachstumshormon. Und das verbrennt Fett, baut Muskeln auf und hält obendrein die Haut geschmeidig.


Alte Schule
• lassen Sie sich regelmäßig
medizinisch untersuchen, um
Erkrankungen der Herzkranzgefäße
auszuschließen
• trainieren Sie Ihre Ausdauer zweibis
dreimal pro Woche mit 70 bis 75
Prozent der maximalen Herzfrequenz;
überschreiten Sie bei intensiven
Belastungen nicht 85 Prozent
• im Alter ist Krafttraining (ein- bis
zweimal pro Woche) eine sinnvolle
Ergänzung zum Ausdauertraining

Junges Gemüse
• im Alter werden die Zellen
schlechter mit Sauerstoff versorgt;
der Kalorien-Grundumsatz sinkt.
Der Nährstoffbedarf muss mit weniger
Nahrung gedeckt werden. Also:
Lebensmittel mit hohem Vitaminund
Mineralstoffanteil (Obst,
Gemüse, Vollkornprodukte) wählen
• um den Stoffwechsel anzukurbeln,
achten Sie auf eine Ernährung,
die reich an Zink, Magnesium, Selen
und Chrom ist (Hirse, Käse, Fisch)
• Betacarotin, Vitamin C und E
(in Möhren, Zitrusfrüchten, Nüssen)
fangen freie Radikale im Körper,
reduzieren oxidativen Stress und
wirken so als Altersbremse
• Trinken nicht vergessen. Mit
zunehmendem Alter nimmt zwar das
Durstgefühl ab. Wenn Sie aber zu
wenig trinken, erhöht sich die
Gefahr von Kaliumverlust

redakteur1 am 15.12.2003
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