Klappe dicht Klappe dicht

Rennrad fahren mit neuer Herzklappe

Radsport nach Herz-Operation

Waxenberger Birgit am 14.10.2020

Rennrad fahren mit neuer Herzklappe – geht das? Und ob das geht! Wir haben mit Hans-Joachim Bartz gesprochen. Der Hobbytriahlet fühlt sich nach einer Herzoperation sogar fitter als je zuvor.

"Sport ist mein Leben", sagt der 66-jährige Hans-Joachim Bartz, Hobby-Triahlet und Ruheständler. Als junger Mann spielte er Handball. Später, als die Knie nicht mehr wollten, kam er zum Triathlon. Seine Lieblingsdisziplin ist die olympische Distanz: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer auf dem Rad und 10 Kilometer Laufen. Andere Menschen macht schon der Gedanke daran schlaff, Bartz dagegen ist der Typ Ausdauersportler, der nervös wird, wenn er mal einen Tag ungeplant pausieren muss. Entsprechend umfangreich war auch sein Training: vor Wettkämpfen etwa acht Stunden Rennrad pro Woche, dazu drei Stunden Schwimmen und drei Stunden Laufen – mit relativ hohen Intensitäten, also vielen Radeinheiten im Gebirge und kurzen, schnellen Einheiten im Flachland. 

Bis ihm immer öfter die Luft wegblieb. "Es begann schleichend", beschreibt der durchtrainierte Mann seine Symptome: "Ich hatte Probleme, im Training dranzubleiben, bekam immer schlechter Luft und konnte immer weniger Leistung bringen." Zwar schaffte er es, die gewohnten Trainingsumfänge beizubehalten und im Wettkampf lief es nur unwesentlich schlechter. "Das lag wohl am Adrenalin. Aber das Training wurde zum Kampf", sagt Bratz. Er habe gedacht, das liege am Alter. 

Doch eine ausgebildete OP-Schwester aus seiner Triathlongruppe drängte ihn zum Arztbesuch: "Da stimmt was nicht", habe sie nach einem Trainingslauf gesagt. "Es war ein schöner Sommertag im Juni 2018", erinnert sich der frühere Mediaberater, "die übliche Zwölf-Kilometer-Runde. Doch ich konnte schon nach ein paar Metern nicht mehr." 

"Meine Frau hat sofort einen Termin bei unserer Hausärztin vereinbart, ich hätte das nur hinausgezögert", gibt Bartz zu. Dann ging alles ganz schnell: Überweisung zum Kardiologen, Herzultraschall, eindeutiger Befund, sofortiges Sportverbot – und Überweisung an das Herzzentrum: "Radfahren, überhaupt jeder Sport, war ab diesem Tag tabu, ich durfte nicht mal auf den Ergometer, weil das zu gefährlich war", erzählt er. 

Herz

Verlieren die Herzklappen durch Alterung oder Entzündung ihre Beweglichkeit, wird der Blutfluss erschwert. Eine neue Klappe behebt die Aortenstenose, das Blut fließt wieder gleichmäßig.

Info:

Aortenklappenstenose: Eine verkalkte Hauptschlagaderklappe ist die häufigste erworbene Herzklappenerkrankung in den westlichen Ländern – sie führt meist zu Atemnot, Leistungsabfall, später auch Schwindel oder Bewusstlosigkeit, in fortgeschrittenen Stadien oft zu Schwellungen der Knöchel und Unterschenkel.

Behandlung: Eine defekte Aortenklappe kann ersetzt werden. Die Operation dauert gut 110 Minuten. Nach zirka acht Wochen ist das Brustbein, das zum Teil geöffnet werden musste, wieder stabil und der Patient kann sich voll belasten. 

Mitralklappeninsuffizienz: Die Mitralklappeninsuffizienz, also die Undichtigkeit der Segelklappe zwischen linker Vorkammer und linker Hauptkammer des Herzens, ist ein weiterer Defekt der Herzklappen, der besonders oft auch Sportler unter 60 Jahren betrifft. Die Mitralklappe wird meist undicht, wenn deren Halteapparat reißt. "Viele Patienten bemerken das so lange nicht, bis die Herzfunktion schlechter wird. Auch hier bekommen Sportler viel früher mit, dass etwas nicht stimmt."

Behandlung: Eine undichte Mitralklappe lässt sich mit einen minimalinvasiven Eingriff meist gut reparieren: "In über 90 Prozent der Fälle können wir die eigene Klappe erhalten", sagt Prof. Dr. Stefan Bauer. Eine Operation sei in jedem Fall empfehlenswert, selbst wenn noch keine Symptome spürbar seien: "Die Herzfunktion wird bei einer defekten Mitralklappe auf jeden Fall schlechter."

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Hans-Joachim Bartz hat alles richtig gemacht und ist frühzeitig zum Arzt. Nach einer erfolgreichen OP, einer langen Regenerationszeit und mentaler Unterstützung seiner Frau, kann er nun wieder voll trainieren. Er ist unter regelmäßiger ärztlicher Aufsicht. Rennradfahren ist aus seiner Sicht der ideale Wiedereinstiegssport: "Die Belastung ist wesentlich geringer als beim Laufen und Schwimmen, was meiner Kondition zugutekommt – und es macht mir am meisten Spaß." 

Nach seinem vorsichtigen Einstieg kommt Bartz inzwischen sogar wieder auf die Kilometerzahlen aus der Zeit vor seiner Herzerkrankung, und fast zwei Jahre nach der Herzklappenoperation zieht er ein positives Resümee: "Weil ich jetzt keine Probleme mehr habe, kann ich alles etwas gelassener angehen. Und das hat meine Leistung, wie ich glaube, verbessert." Was offensichtlich ist: Bereits ziemlich genau ein Jahr nach der Operation, war er wieder topfit, auf den Punkt genau. Den Triathlon in Hamburg gewann er als Erster seiner Altersklasse. In persönlicher Bestzeit. "Mir geht es richtig gut!", sagt Bartz und grinst zufrieden. Er hat allen Grund dazu. 

Die ausführliche Geschichte von Hans-Joachim Bartz und Interviews mit Dr. med. Thomas Kaspar und Prof. Dr. Stefan Bauer ist in TOUR 9/2020 erschienen. Gleich hier online bestellen. 

Waxenberger Birgit am 14.10.2020
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