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Muskulatur

redakteur1 am 07.08.2003

Ob Muskelkrampf oder Muskelaufbau - hier finden Sie Fragen rund um die Muskel.

Muskelkrämpfe

Frage:

Ich fahre seit acht Jahren regelmäßig Fahrrad und bin eigentlich in einem guten Trainingszustand. Seit letztem Frühjahr habe ich bei jeder Ausfahrt nach 30 Kilometern Krämpfe in den Oberschenkeln. Bisher hatte ich noch nie solche Probleme. Was kann ich gegen die Krampfanfälle tun, und wie kann ich sie in Zukunft vermeiden?

Antwort von Dr. Merkl:

Ein Muskelkrampf wird ausgelöst durch örtliche Durchblutungsstörungen. Daraus resultiert eine Unterversorgung im Muskel: Die Energie, die zum Lösen der Anspannung nötig ist, steht nicht mehr zur Verfügung. Die Folge ist eine Daueranspannung – ein Krampf. Die Durchblutungsstörungen können verschiedene Ursachen haben: Neben Elektrolytverlust durch Schwitzen (besonders ein Ungleichgewicht im Natrium/ Kaliumverhältnis) kommen auch Krampfadern, Stoffwechselkrankheiten oder Infektionen in Frage. Denkbar sind auch orthopädische Probleme von Wirbelsäule und Füßen, oder zuviel Alkohol und Nikotin. Wenn Sie alle diese Faktoren ausschließen können, dürfte es sich um eine permanente Überreizung der Muskulatur handeln. Deren Ursache ist meistens eine ungenügende Vorbereitung auf große Belastungen. Andere mögliche Ursachen: zu hohes Tempo, zu große Übersetzung, unergonomische Sitzposition, schlechte Trettechnik, Verkürzung der Muskulatur durch einseitige Belastung oder zu wenig Dehngymnastik.
Beim akuten Anfall hilft eine Stauung des Blutes oberhalb des Krampfherdes für drei bis fünf Minuten. Doch dabei muss gesichert sein, dass nur der venöse Blutabfluss, nicht der arterielle Blutzufluss unterdrückt wird. Das lässt sich kontrollieren, indem man den Puls am Fuß tastet. Auch kohlenhydratreiche Energiezufuhr (z. B. Traubenzucker), Elektrolytlösungen, die vorbeugende Einnahme von Magnesium (günstig als Mg-Orotat) sowie vorsichtiges Dehnen der Muskulatur schaffen Abhilfe.

Anteil von schnell bzw. langsam zuckenden Fasern

Frage:

Mutter Natur hat mich mit Sprinterbeinen gesegnet. Entsprechend mühselig geht es oft über die Berge. Da meine Leidenschaft aber den Cols gehört, möchte ich fragen, ob sich durch spezielles Training etwas retten lässt, oder ob ich lebenslänglich zum Gruppetto verurteilt bin?

Antwort von Dr. Merkl:

Die etwa 430 Muskeln des Körpers unterteilt man in zwei Typen. Der erste Typ besteht aus langsam zuckenden Fasern, die wegen ihres hohen Myoglobingehalts (Sauerstoffträger im Muskel) auch rote Fasern genannt werden. Sie sind für die Ausdauer zuständig. Der andere Typ, die schnell zuckenden oder weißen Fasern, können mit hoher Frequenz kontrahieren, ermüden aber schnell. Ob man nun ein besonders schneller oder ein eher ausdauernder Fahrer ist, hängt von der entsprechenden Ausbildung der Muskulatur ab und ist genetisch bedingt. Die Zunahme des einen oder anderen Muskeltyps ist nur in engen Grenzen trainierbar, funktioniert aber generell besser von schnell und stark (rot) zu ausdauernd (weiß) als umgekehrt. Bahn-Sprinter Michael Hübner hätte bei entsprechendem Training also ein passabler Straßenfahrer werden können, während Marco Pantani auch bei intensivem Krafttraining wohl nie ein guter Bahnfahrer werden würde. Also: Es gibt Hoffnung für Sie, wenn sie gezielt an Ihrer Grundlagenausdauer arbeiten.
       
 

redakteur1 am 07.08.2003