Knie Knie
Expertenrat

Kniereizung

Stefanie Weinberger am 31.05.2010

Knieprobleme, hauptsächlich beim Fahrradfahren, teilweise auch bei längerem Stehen sind unangenehm. Die Beschwerden kommen und gehen beim Rennradfahren, unabhängig von der Belastung. Der Experte gibt Rat.

Frage von Leser M. Beck: Seit einem Jahr habe ich beidseitig Knieprobleme, hauptsächlich beim Fahrradfahren, teilweise auch bei längerem Stehen. Es ist kein richtiger Schmerz, eher ein Missempfinden, das von der Kniescheibenspitze über die Sehne zu deren Ansatzpunkt am Schienbein wandert. Die Beschwerden kommen und gehen beim Rennradfahren, unabhängig von der Belastung, in Ruhe spüre ich nichts. Der Schienbeinansatz war zeitweise angeschwollen. Die ärztliche Diagnose lautete Patellaspitzenreizung – angeblich nicht problematisch und nach zwei Wochen Schonzeit wieder in Ordnung, was aber leider nicht der Fall war. Manuelle Therapie und Osteopathie brachten nichts.

Experte Dr. Merkl: Den Symptomen nach zu urteilen, denke ich auch, dass es sich um ein Patellaspitzensyndrom handelt – eine chronische Reizung des Patella-(Kniescheiben-)Sehnenansatzes am Unterrand der Kniescheibe. Sehr häufig ist das verbunden mit einem Knorpeldefekt hinter der Kniescheibe, was die Beschwerden verschlimmern kann. Ich halte jedoch eine vierzehntägige Schonzeit für zu kurz – das Patellaspitzensyndrom neigt dazu, chronisch zu werden, sofern sich die Mechanik bei Belastung nicht ändert. Selbst wenn die Therapie erfolgreich verläuft, sind Genesungszeiten von rund einem halben Jahr nichts Ungewöhnliches.

Ein wesentlicher Punkt der Behandlung ist es, die in der Regel erhöhte Spannung im Oberschenkelstrecker zu verringern, denn sie verursacht die zu hohe Zugbelastung der Sehne. Dehnen Sie zum einen die Oberschenkelvorderseite, und kräftigen Sie zum anderen die Oberschenkelrückseite (dies erniedrigt reflektorisch die Spannung im muskulären Gegenspieler). Vermeiden Sie außerdem Belastungsspitzen durch zu intensives Training – gerade zu Saisonbeginn eine große Gefahr –, und achten Sie auf ausreichende Regeneration.

Ebenfalls wichtig: Überprüfen Sie Ihre Position auf dem Rad. Oft entstehen Kniebeschwerden, weil der Sattel zu tief oder zu weit hinten steht. Auch eine falsche Pedalstellung trägt zur mechanischen Fehlbelastung bei. Stellen Sie die Position jedoch nur in kleinen Schritten um. Möglicherweise sind die Muskelzüge Ihrer gesamten Körpervorderseite ins Ungleichgewicht geraten, was sich durch oben stehende Maßnahmen und osteopathische Behandlung wieder ins Lot bringen lässt. Letztere beeinflusst die Verbindungen von Muskeln und Sehnen. Heilung ist aber nur möglich, wenn Sie auch die mechanische Beanspruchung auf dem Rad verändern und so die Ursachen beseitigen.

Zusätzlich helfen Stoßwellentherapie, lokale physiotherapeutische Maßnahmen wie Querfriktionen, Akupunktur der Sehne oder Spritzen in den Sehnenansatz mit Traumeel (einem homöopathischen Komplexmittel).

Foto: Medical Picture

Dr. Christian Merkl führt in Regensburg eine orthopädische Facharztpraxis mit den Schwerpunkten Sportmedizin und Chirotherapie

Stefanie Weinberger am 31.05.2010