SRAM Red eTAP SRAM Red eTAP
2016 - Komponenten Neuheiten

SRAM präsentiert kabellose Elektroschaltung

Jens Klötzer am 26.08.2015

Jetzt ist es offiziell: SRAM hat am ersten Messetag in Friedrichshafen die letzten Geheimnisse um die neue Elektro-Schaltung gelüftet. Die Gruppe hört auf den Namen eTAP und wird vorerst nur als Variante der Top-Gruppe Red zu haben sein – der elffach-Antrieb und die Bremsen werden von der mechanischen Version übernommen. Wir hatten bereits letzte Woche Gelegenheit, die Gruppe in Augenschein zu nehmen und einem ersten Fahrtest zu unterziehen.

Besonderheit und derzeitiges Alleinstellungsmerkmal ist die Übertragung per Funksignal – weder Züge noch Kabel verbinden die einzelnen Komponenten. Schaltwerk und Umwerfer werden von einem Lithium-Ionen-Akku gespeist, in den Hebeln sitzt je eine handelsübliche Knopfzellen-Batterie. SRAM verspricht damit eine Reichweite von einem Monat oder mehr als 1.000 Kilometern, die Hebel-Batterien müssen erst nach etwa zwei Jahren gewechselt werden. Die Akkus von Schaltwerk und Umwerfer sind identisch, so dass sie im Notfall getauscht werden können, falls einer Komponente unterwegs der Saft ausgeht. Sie sollen mit dem zugehörigen Ladegerät in nur einer Stunde komplett wieder aufgeladen sein. Zur Information über den Ladezustand gibt es an allen Komponenten LED-Lämpchen mit verschiedenen Anzeigemodi.

Die Schaltung verfügt nur über je einen Bedienknopf an den Hebeln – links schaltet man auf ein größeres, rechts auf ein kleineres Ritzel. Für den Kettenblattwechsel werden beide Knöpfe gleichzeitig gedrückt, egal ob von groß auf klein oder umgekehrt. Bis zu vier Zusatzschalter können per Kabel an die Bedienhebel (oder beim Zeitfahrrad an eine Verbindungseinheit) angeschlossen werden und erlauben die Bedienung abseits der Hebel. Sie können auch unter dem Lenkerband versteckt werden.

SRAM hat für die Schaltung ein eigenes Übertragungsprotokoll entwickelt, da die am Markt vorhandenen Protokolle (ANT+, Bluetooth u.a.) nicht alle Ansprüche abdecken konnten. Das Schaltwerk sendet allerdings Signale im ANT+-Protokoll, die von vielen Radcomputern empfangen werden können. So können in Zukunft Informationen wie Ladezustand oder der eingelegte Gang auf einem Lenkerdisplay angezeigt werden.

Im ersten Fahrtest entpuppte sich das Schaltschema als bestechend logisch: Die Gangwechsel hinten erfolgen schon nach ein paar Minuten Fahrzeit intuitiv, wie bei Lenkrad-Schaltern im Auto. Dass für den Umwerfer beide Knöpfe bedient werden müssen, hat man ebenfalls schnell verinnerlicht. Die Bedienhebel sind deutlich schlanker geworden und lassen sich dadurch vor allem mit kleinen Händen besser umgreifen. Die Bedienknöpfe sind aus allen Griffpositionen sehr gut zu erreichen und geben ein klares Feedback. Der Hebelabstand zum Lenker lässt sich individuell einstellen.

Subjektiv arbeitet das Getriebe minimal langsamer als Shimanos Di2 oder Campagnolos EPS, was aber in der Praxis kein wirkliches Problem darstellt. Die Gangwechsel erfolgen präzise, wie bei allen Elektroschaltungen beeindruckt vor allem der Umwerfer.

Auch Montage und Einstellung sind gegenüber der mechanischen Variante wesentlich vereinfacht. Anschrauben – Komponenten paaren – einstellen – fertig. Die Einstellung des Schaltwerks erfolgt in 0,2-Millimeter-Schritten per Knopfdruck an den Hebeln. Dazu muss ein zusätzlicher Knopf an der Hebelinnenseite gedrückt werden, der Wechsel in ein gesondertes Einstell-Programm ist nicht nötig. Der Umwerfer wird nur über die Begrenzungsschrauben eingestellt, für Montagearbeiten  oder bei Defekt eines Hebels lässt sich der Schaltvorgang auch direkt am Umwerfer auslösen.

Der Preis für die Komplettgruppe soll bei 2.691 Euro liegen, Fans müssen sich für die Markteinführung sowie einen ausführlichen TOUR-Labortest leider noch bis Februar 2016 gedulden.

Fotostrecke: SRAM Red eTAP

Jens Klötzer am 26.08.2015
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