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Unterwäsche

Funktionsunterhemden

Matthias Borchers am 13.11.2010

Polyester, Polyamid, Polypropylen – oder doch lieber das Naturprodukt Merinowolle? Die Frage nach dem optimalen Unterhemd für den Sport beschäftigt alle Rennradler. TOUR hat stellvertretend für die Angebotsvielfalt vier typische Vertreter unterschiedlicher Materialien und verschiedener Machart in Labor und Praxis getestet.

Im Hochsommer mag es manch einer auch mal ohne – aber im weitaus größten Teil des Rennradjahres geht kaum ein Rennradler ohne Unterhemd unterm Trikot auf Tour. Und bei kaum einem anderen Textil, Radhose ausgenommen, sind Radler so sensibel wie beim Funktionsshirt für untendrunter.

Kein Wunder: Erstens trägt man das Hemd direkt auf der Haut, zweitens ist es fürs Wohlbefinden auf dem Rad von entscheidender Bedeutung. Und obwohl die Aufgaben eines solchen Unterhemds schnell umrissen sind – Schweiß vom Körper wegleiten, schnell trocknen, bei Hitze kühlen, bei Kälte wärmen –, gehen Diskussionen, wer welches Hemd gut findet, oft ins Endlose. Zu individuell und zu verschieden sind die körperlichen Voraussetzungen und die persönlichen Vorlieben. Entsprechend groß und unübersichtlich ist das Angebot an Funktionsshirts. Aber: Trotz aller Verschiedenheit lassen sich vier grundsätzliche “ Systeme” identifizieren, die den Markt mehr oder weniger sortenrein weitgehend abdecken. Diese vier Systeme haben wir in Labor und Praxis auf ihre charakteristischen Eigenschaften überprüft. Unsere Testergebnisse dienen als Wegweiser, je nach Einsatzzweck und Fahrertyp das passende Unterhemd zu finden.

Die vier Systeme lassen sich folgendermaßen einteilen:

Nummer eins ist das Netzunterhemd, meist aus Polypropylen-Fasern und in unserem Test vertreten durch das Brynje “Super Thermo Shirt”.

System Nummer zwei sind leichte, sehr elastische Unterhemden aus Polyester, deren Oberfläche entweder glatt oder mit einer Struktur versehen sein kann. Als Beispiel haben wir das “Zero Extreme Roundneck Longsleeve” von Craft gewählt.

Dem Trend zum Naturprodukt folgt unser Kandidat von Smartwool mit dem “M’s Microweight Longsleeve” aus Merinowolle.

Unser vierter Stellvertreter ist “Accumulator Energy EVO” von X-Bionic, ein Kompressions-Unterhemd aus Polyamid-Faser mit innen wie außen in den Stoff gestrickten Luftkanälen. Es vertritt sich quasi selbst, da es am Markt eine Sonderstellung einnimmt. Diese aufwendige Stricktechnik bietet so kein anderer Hersteller.

Alle Kunstfasern sind hydrophob (wasserfeindlich) und speichern kaum Wasser. Sie leiten den Schweiß entweder an der Faseroberfläche entlang ab oder durch ihr hohles Inneres, wobei der Temperaturunterschied die Richtung vorgibt, nämlich vom Warmen (innen) ins Kalte (außen). So verdunstet der Schweiß, was man als Kühleffekt wahrnimmt. Die Strick-Experten von X-Bionic versprechen, dass dieser Verdunstungseffekt optimiert wird durch die in Kanälen gespeicherte Feuchtigkeit, die bei Anstrengung und Luftbewegung als Kühlmittel dient und in Ruhepausen wärmt.

KURZ & KNAPP

Das Angebot an Funktionsunterhemden lässt sich grob in vier Kategorien unterteilen. Das klassische Polyester-Unterhemd ist leicht, flexibel, hautfreundlich und ein guter Schweißtransporteur, wird in dieser Disziplin aber vom Naturprodukt Merinowolle sogar leicht übertroffen. Grobmaschige Netz-Unterhemden aus Polypropylen wärmen gut, kühlen andererseits aber wenig. Einen Kompromiss zwischen Isolation und Schweißtransport stellt der Polyamid-Strick von X-Bionic dar.

Die Testergebnisse dieser Modelle finden Sie unten als PDF-Download:

Brynje Super Thermo Shirt

Craft Zero Extreme RN Longsleeve

Smartwool M's Microweight Crew

X-Bionic Energy Accumulator EVO

Netzunterhemden aus Polypropylen wie das „Super Thermo Shirt“ von Brynje isolieren am besten, wenn man als dritte Schicht winddichte Westen oder Jacken trägt. Ein Kühleffekt bei hohen Intensitäten ist nicht vorhanden.

Polyester-Unterhemden wie das Craft „Zero Extreme RN Longsleeve“ zeichnen sich durch hohen Tragekomfort und Schweißtransport aus. Diese Gruppe ist in vielen Stoffdichten erhältlich – je nach gewünschter Isolationswirkung.

Das sehr fein gestrickte „M’s Microweight Crew“ von Smartwool ist äußerst hautfreundlich, wirft jedoch mehr Falten als Kunstfaser-Hemden. Auch hier gilt: Mehr Stoff wärmt mehr.

Das Polyamid-Strickunterhemd „Energy Accumulator EVO“ von X-Bionic, ist sehr dicht und doppelt so schwer wie die Konkurrenz. In seinen Strickkanälen sammelt sich der Schweiß, rinnt weniger an der Haut hinunter.

Matthias Borchers am 13.11.2010
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