Test 2016: Rennradhosen und Trikots für Frauen Test 2016: Rennradhosen und Trikots für Frauen

Test 2016: Rennradhosen und Trikots für Frauen

Hübsch mit Funktion: Bekleidung für Rennradlerinnen

Matthias Borchers am 10.10.2016

Klar, das Aussehen von Hose und Trikot ist wichtig - aber ob aus dem schicken Set das neue Lieblings-Outfit wird, darüber entscheiden die Details. Im TOUR-Test: acht Kombis zwischen 145 und 330 Euro.

rei nach Rudi Altig, Radsport-Legende der 60er-Jahre, könnte man zur Farbwahl bei Rad­hosen anmerken: Es ist egal, welche Farbe die Hose hat – Hauptsache, sie ist schwarz! Dass die Hosen in diesem Test, abgesehen von farbigen Akzenten oder Applikationen, tatsächlich alle schwarz sind, ist jedenfalls nicht auf die Ideenlosigkeit der Hersteller zurückzuführen. Schwarz ist einfach praktisch: Eine schwarze Hose ist unempfindlich gegen Flecken aller Art, in aller Regel blickdicht, und sie lässt sich mit anderen Farben problemlos kombinieren. Was bei den Trikots positiv auffällt: Kein Hersteller scheint Blümchenmuster noch für die zeitgemäße Antwort auf Modewünsche von Rennradlerinnen zu halten; es überwiegen unifarbene Trikots oder solche mit flächigen und Blockstreifen-Mustern sowie kräftigen Farben.

Die Testergebnisse dieser Rennradhosen und -trikots für Frauen finden Sie unten als PDF-Download:

• ASSOS SS.laalaLai Jersey Evo7 und T.laalaLaiShorts S7
• CASTELLI Aero Race W Jersey und Velocissima
• CRAFT Glow Bike Jersey W und Glow Bike Bib Shorts W
• GORE BIKE WEAR Xenon 2.0 Lady Jersey und Xenon 2.0 Lady
• LIV Race Day SS Jersey und Race Day Shorts
• MAVIC Cosmic Pro Jersey und Ksyrium Elite Short
• SANTINI Ora Jersey Short Sleeve und Rea 2.0 Shorts
• VAUDE Women’s Pro Tricot und Women’s Pro Pants

Fotostrecke: Test 2016: Rennradhosen und Trikots für Frauen

Was sein muss ...

Beständiger als Modetrends sind die Anforderungen an eine gute Rad-Klamotte: Der Schnitt von Hose und Trikot muss die vorgebeugte Haltung auf dem Rennrad vorwegnehmen. Deshalb sollte die Vorderseite des Trikots so kurz sein, dass der Stoff vor der Brust keine zusätzlichen Wellen schlägt und die Rückenpartie lang ­genug, um Nieren und Po-Ansatz zu bedecken. Der Bund soll eng anliegen, damit das Trikot beim Radeln nicht hochrutscht. Die Rücken­taschen müssen groß genug, leicht zu erreichen und so geschnitten sein, dass das ­Trikot nicht vom Rücken absteht, wenn die Taschen gefüllt sind; eine zusätzliche, kleine Reißverschluss­tasche ist praktisch, um Smartphone oder Schlüssel sicher zu verstauen. Kragen und Ärmelbündchen sollen weder einschnüren noch flattern. Standard bei Radtrikots – und in diesem Test – sind durchgehende Reißverschlüsse, die sich im Idealfall mit einer Hand auf- und zuziehen lassen. Kleine Stoff­täschchen an den Enden der Reiß­verschlüsse – auch Zipper-Garagen genannt – verhindern, dass der Schieber am Hals kratzt oder der Verschluss den Hosenstoff aufrubbelt. Wenn dann noch Mesh-Einsätze unter den Achseln und am Rücken dem Hitzestau vorbeugen und dezente, sinnvoll platzierte Reflexstreifen und -paspeln die Sichtbarkeit erhöhen, kann aus einem guten letztlich das Lieblingstrikot werden.

... muss sein

Die Frage, ob Träger- oder Bundhose, wird unter Frauen viel diskutiert, lässt sich aber nicht eindeutig mit "besser" oder "schlechter" beantworten. Für die Trägerhose spricht, dass sie straffer sitzt und nicht verrutscht, Frauen fühlen sich – wie die meisten Männer auch – in der Trägerhose "ange­zogener". Und wo kein Bund ist, kann auch keiner einschneiden oder rutschen und sich an der Hüfte oder in einer Bauchfalte einrollen. Andererseits mögen es viele Frauen nicht, wenn die Träger direkt über die Brüste verlaufen und dabei ständig verrutschen oder unangenehm scheuern. Viele scheuen zudem den Aufwand und das unangenehme Gefühl, sich auf der Toilette fast komplett ausziehen zu müssen. Versuche, der Trägerhose diese Nachteile zu nehmen, gibt es. Manche Hersteller schneidern einen Monoträger an die Hose, der mittig zwischen den Brüsten verläuft; und sie schaffen die Möglichkeit, die Träger mittels Haken- oder Reißverschluss von der Hose zu trennen. Beides kann eine Lösung für Frauen sein, die bislang mit Trägerhosen noch ­fremdeln; aber es bleibt eine sehr individuelle ­Angelegenheit – deshalb vor dem Kauf unbedingt anprobieren! Das gilt auch, wenn es doch eine Bundhose sein soll. Es gibt sie nämlich, die Exem­plare, die wie eine zweite Haut anliegen, ohne zu rutschen und an Hüfte oder Schenkeln zu kneifen. Und dann kann zwischen Hose und Frau eine ­ausgesprochen glückliche ­Beziehung entstehen.

Noch individueller als die Frage nach Träger- oder Bundhose ist jedoch die Entscheidung in Sachen Sitzpolster. Sportlichere, bereits erfahrene Radlerinnen fühlen sich eher auf gleichmäßig dünnen, glatten Polstern wohl, während vor allem Neulinge eher dickere, feste Sitzkissen bevorzugen; es gibt inzwischen sogar Polster, die unter den Sitzknochen und im Schambereich mit unterschiedlich festen Elementen ausgestattet sind. Was Frauen jedenfalls nicht mögen, ist ein schwammiges Windelgefühl, weil das Polster zu dick aufträgt oder der Hosenstoff zu elastisch ist, um es in Position zu halten. Auch hier gilt: an- und ausprobieren!
 

Matthias Borchers am 10.10.2016
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